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ein Mikrokosmos-Tagebuch

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La Paz Waterfall Gardens

Kürzlich haben wir den La Paz Waterfall Gardens besucht. Der Park preist sich als in Privateigentum stehende ökologische Attraktion an. Ich würde es als eine Mischung zwischen einem wunderschön in die Landschaft integrierten Park mit Zoo bezeichnen. Wobei mir der Zooteil mit Vögeln, Schmetterlingen, Affen, Fröschen, Raubkatzen usw. nicht so gefällt. Warum? Mir tun die Tiere leid. Ein Faultier hinter Gitter zu sehen oder es in Freiheit zu sehen, wenn es – z.B. auf dem Weg zum Vulkan Poás – an einem Telefonkabel hängend die Strasse überquert oder in Tortuguero faul im Baum liegt, sind zwei Paar Hosen. Im Schmetterlingstrakt hat es mir fast das Herz gebrochen. Wunderschöne blaue, grosse Schmetterlinge fliegen hier u.a. rum. Sie sind so zutraulich, dass sie den Menschen auf der Hand landen. Ich habe mehrfach Erwachsene und Kinder beobachtet, wie sie die Schmetterlinge dann bei den Flügeln angefasst haben, um sie entweder von einer Pflanze weg zu nehmen oder sie zurück zu tun. Gut ist das für diese grazilen Wesen sicher nicht.

Die Tiere, welche man im La Paz Waterfall Gardens sieht, sind einheimischer Art. Klar bekommt man in der Natur nicht alle Tiere an einem einzigen Tag so bequem zu Gesicht. Da braucht es schon mehrere Ausflüge an verschiedene Orte und eine Portion Glück. Einer Raubkatze bin ich hier noch nie in der Freiheit begegnet, obwohl ich schon verschiedene Nationalparks zu unterschiedlichen Zeiten besucht habe. Und trotzdem, lieber etwas warten und es vielleicht einmal in Freiheit sehen. Ist doch viel besser! Ein Aguti (Goldhase) habe ich hier in Costa Rica auch erst nach 3 Jahren zu Gesicht bekommen – in meinem eigenen Garten  -, dabei ist das Tier nicht mal so selten. Und dem Hoffmannspecht beim Hacken der Löcher in den Baum zuzuschauen oder dem Leguan beim Sonnenbaden– alles im eigenen Garten – ist doch auch süss…und die Blattheuschrecke, zu studieren wie grazil sie aufgebaut ist, ein wahres Wunder der Natur! Dafür brauche ich keinen Zoo.

Der Garten vom La Paz Waterfall Gardens ist mit seinen Wegen und Wasserfällen wunderschön angelegt. Dieser Teil hat mir sehr gut gefallen. Ist aber nichts für gehbehinderte Leute, da es viele Stufen rauf und runter geht – zumindest was die Wege zu den Wasserfällen angeht. Am Schluss kann man mit dem Bus zurück zum Parkplatz fahren. Das war das Highlight des Tages. Der Chauffeur war allerbester Laune und hat Stimmung gemacht 🙂

Übrigens: Einwohner von Costa Rica haben vergünstigten Eintritt, und auf Yuplón gibt es regelmässig Gutscheine zu kaufen, wo der Eintritt nochmals 50% billiger wird (wir haben damit den Eintritt für 7500 colones/Person bekommen).

Kundendienst ist nicht gleich Kundendienst

Wenn ich mich in einem Geschäft ärgere dann sage ich oft “denen schreibe ich dann einen Brief”. Ich weiss zu dem Zeitpunkt schon, dass ich den Brief bzw. das Mail nie schreiben werde. Aber ich mache damit meinem Ärger Luft. In diesem Jahr habe ich aber einige Mails geschrieben.

Marcel und ich mieten auf unseren Reisen ab und an ein Auto. Für einen Transfer von Montreal nach Quebec City am 1. Juli haben wir bei AVIS ein Auto gemietet. Bei der Online-Buchung habe ich angegeben, dass ich das Auto um 10h in Montreal abholen und um 16h in Quebec City abgeben werde.

Um 09:30h waren wir im Büro der Vermieterstation. Es warteten schon viele Leute dort. Um ca. 10h konnten wir den Papierkram erledigen und dann hiess es, wir müssten etwas warten. Auf Nachfrage hin, was ‘etwas’ heisse, bekamen wir die Antwort ‘30 Minuten’. Nun gut, wir sind einen Kaffee trinken gegangen und nach 30 Minuten zurück gekehrt. Wir mussten danach noch weitere 20 Minuten warten. Wenn ich angebe, dass ich das Auto um 10h abholen will erwarte ich auch, dass das Fahrzeug um 10h bereit ist. Und nicht erst 50 Minuten später. Grrrrrr . Die Dame am Schalter hat noch gemeint, wir müssten das Auto auch nicht um 16h abgeben, wir hätten für 24h bezahlt und könnten das Auto auch erst am nächsten Tag zurück geben. War für uns nicht von Interesse, wir brauchten das Auto nur für den Transfer. In Quebec City stand uns das Auto unseres Haustauschpartners zur Verfügung.

Um 15:30h  standen wir in Quebec City vor der Vermieterstation. Und was stand da an der Tür? Wegen des Feiertages hätten sie ausnahmsweise bereits um 15h statt um 17h geschlossen. Halloooo??? Die wussten doch, dass wir um 16h ein Auto zurück bringen wollten. Warum hat uns niemand etwas gesagt? Die Dame in Montreal bei der Anmiete hat nichts gesagt und eine Nachricht per eMail oder Telefon haben wir auch nicht erhalten (obwohl man bei der Online-Buchung Email und Telefon angeben muss). Eine Möglichkeit, den Schlüssel sicher zu deponieren, gab es nicht. Wir mussten das Auto wieder mitnehmen und am nächsten Tag nochmals hin. Mann, war ich sauer ! Am nächsten Tag hat uns der Mann hinter dem Schalter fröhlich empfangen und nichts dergleichen getan. Ich habe ihm mitgeteilt, dass ich es doch unverschämt finden würde, das Büro um 15h zu schliessen im Wissen drum, dass Kunden um 16h ein Auto zurück bringen wollen. Statt sich zu entschuldigen hat er lapidar gemeint, er sei nur Franchisenehmer und nicht AVIS. AVIS würde die Autos bei ihm mieten. Interessiert mich das als Kunde? Die Öffnungszeiten, welche für diese Station im Internet angegeben sind, hat sich AVIS ja wohl kaum aus den Fingern gesaugt. Nichts desto trotz habe ich bei AVIS eine Reklamation eingereicht. Ich habe seeehr lange auf deren Webseite suchen müssen, um eine schriftliche Rückmeldung abgeben zu können. Sagt auch schon viel aus. Und eine Antwort von AVIS? Habe ich bis heute nicht erhalten…

Es gibt aber auch positive Erfahrungen.

Ich bestelle viel bei Amazon und ich lasse es mir jeweilen dorthin liefern, wo ich mich grad aufhalte. Als ich in Deutschland war, habe ich sowohl bei Amazon.de wie auch Amazon.com Sachen bestellt (USA und Costa Rica haben die gleichen Stromanschlüsse, drum bestelle ich Elektronikartikel in den USA).

Jedenfalls ist ein auf .de bestellter Artikel nicht angekommen. Amazon.de hatte den Artikel mit der deutschen Post verschickt und es gab keine Trackingnummer. Somit war auch nicht nachvollziehbar, wo der Artikel liegen geblieben war. Ein Mail an Amazon.de und man hat mir das Geld gutgeschrieben.

Murphy wollte es, dass es mit dem in den USA bestellten Paket ebenfalls Schwierigkeiten gab (nein, ich habe bisher nie Schwierigkeiten mit Amazon-Bestellungen gehabt). Das Paket war als ‘ausgeliefert’ markiert, jedoch hatten weder ich noch die Nachbarn das Paket erhalten. Ich habe Amazon.com angeschrieben und gefragt, wo denn das Paket genau abgegeben worden sei. Die Antwort lautete, der Zusteller hätte das Paket wohl verloren. Der Betrag wurde mir auf der Kreditkarte wieder gutgeschrieben. Da ich die Ware unbedingt wollte, die Zeit meiner Abreise aus Deutschland aber näher rückte, hat mir der Amazon-Mitarbeiter vorgeschlagen, die Ware auf ihre Kosten per Express in den USA zu bestellen (ich musste nur darauf achten, bei einem Händler zu bestellen, wo ‘fulfilled by Amazon’ stand). Ist doch flott, oder? Gesagt, getan. Und da ich eh neu bestellen musste, habe ich von einem Artikel – der Butterdose – gleich ein Stück mehr fürs Gästehaus bestellt. Ich weiss, eine Butterdose ist kein Elektronikartikel. Einen Stecker habe ich auch bestellt. Und ob man’s glaubt oder nicht, Butter hat in den USA bzw. in Costa Rica auch ein anderes Mass als in Europa

2 Tage nach der erneuten Bestellung klingelt es an der Tür. Tataaaa, das verloren geglaubte Paket kam doch noch an. Mist, jetzt musste ich die 2. Bestellung annullieren. Aber es war zu spät, das Paket war schon unterwegs. Der Amazon-Mitarbeiter meinte, ich solle das Paket bei der Zustellung einfach zurück weisen, dann bekäme ich das Geld ohne weitere Kosten gut geschrieben. Ich habe dann DHL (welcher mit der Zustellung beauftragt war) angerufen und mitgeteilt, sie bräuchten das Paket nicht bis zu mir zu bringen. Macht ja keinen Sinn.

Was der Amazon-Mitarbeiter wohl nicht gesehen hatte ist, dass ich bei der 2. Bestellung eine Butterdose mehr bestellt hatte. So habe ich zwar den Betrag der 1. Bestellung gutgeschrieben bekommen. Da ich die 1. Bestellung schlussendlich doch erhalten habe, habe ich die 2. Bestellung annulliert. Die hatte ich bezahlt und die wurde nicht wieder gutgeschrieben (man hatte mir ja bereits die 1. Bestellung gut geschrieben). Der Amazon-Mitarbeiter hatte sich wohl gesagt, sie hat ein Paket erhalten und dafür einmal bezahlt. Dass ich nicht ganz genau das gleiche wieder bestellt habe, hat er nicht gesehen. So hat mich die Butterdose statt 6 USD letztendlich 12 USD gekostet. Ich hätte Amazon wieder schreiben müssen… Na ja, die 6 USD waren es mir nicht Wert. Trotzdem muss ich sagen, dass ich den Kundendienst von Amazon top finde .

Ebenfalls eine super Erfahrung habe ich mit Sumpple gemacht. Ich habe bei denen (via Amazon) im Juni 2016 zwei Überwachungskameras bestellt. Im März 2018 zeigte die eine Kamera die Bilder nur noch in bunt wechselnden Farben an. Da ich die Kameras so einstelle, dass sie auf Bewegung reagieren, gab es wegen dem Farbwechsel dauernd Fehlalarme. Kurz darauf erkannte die zweite Kamera die Speicherkarte nicht mehr. Somit bekam ich zwar noch die Alarme, aber ich konnte nicht mehr nachschauen, was den Alarm ausgelöst hatte. Die Kameras waren für meine Zwecke völlig unbrauchbar geworden. Ich habe die Firma – in China ansässig – im April 2018 angeschrieben. Die Firma hat innerhalb von 24h reagiert und mit mir die Sache angeschaut. Sie sind zum Schluss gekommen, dass beide Kameras defekt sind und haben mir zwei Ersatzkameras gratis angeboten. Einziger Wermutstropfen: ich muss die defekten Kameras zurück schicken – wenigstens nicht nach China, nur ins Lager nach England. Aber auch hier waren sie sehr kulant. Da ich gerade vor einer 2.5 monatigen Auslandreise stand, wollte ich die defekten Kameras nicht abmontieren. Die abschreckende Wirkung hatten sie ja immer noch. Weiss ja keiner, ob die funktionieren oder nicht. So haben sie die Ersatzkameras an die von mir gewünschte Adresse geliefert und waren auch einverstanden damit, dass ich die defekten Kameras erst vier Monate später zurück senden werde. DAS ist für mich Dienst am Kunden .

Ja, es gibt noch weitere Beispiele. Gut gemeint in der Reaktion aber schlecht in der Kommunikation war Booking.com. Marcel und ich sind am 13. Februar nach Madeira geflogen. Der Flug ging sehr früh, so dass wir in der Nähe des Flughafens Zürich übernachten mussten. Über die Karten von google.com haben wir ein passendes Hotel gefunden. Klickt man auf der Karte auf das Hotel, kann man u.a. auf booking.com buchen. Die Maske erscheint bereits vorausgefüllt mit einem von-bis Datum, welches einen Monat in der Zukunft liegt. Warum Google dies so macht, ist mir ein Rätsel (neuerdings sind es 3 Wochen in der Zukunft, nicht mehr einen Monat). Jedenfalls hatten wir deshalb nicht für die nächste Nacht gebucht, sondern für die Nacht vom 12. auf den 13. März! Bemerkt wurde dies im Hotel. Nun denn, wir mussten die Nacht vom 12. auf den 13. Februar bezahlen. Und die Nacht vom 12. auf den 13. März wurde uns auch gleich auf der Kreditkarte belastet. Zuerst habe ich das Hotel angeschrieben. Die haben mir angeboten, das Geld bei ihnen zu verwahren, so dass ich es bei der nächsten Buchung verwenden könnte. Ist sehr kulant und nicht selbstverständlich, nützt mir aber nicht viel. Ich fliege nicht jeden Tag vom Flughafen Zürich ab (ich lebe nicht in der Schweiz) und der einzige von Marcel und mir für 2018 noch vorgesehene Flug ab Flughafen Zürich geht (bzw. ging) am Nachmittag ab. Darauf hin habe ich Booking.com angeschrieben. Nach ca. 2.5 Wochen habe ich eine Antwort erhalten. Zuerst haben sie sich für die späte Antwort entschuldigt. Das ist positv. Danach kam die Mitteilung: ‘Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass die Unterkunft xxx Ihrer Anfrage entsprechen kann und dadurch für Sie keine Zusatzkosten entstehen. Wir haben Ihre Buchung wunschgemäss storniert und eine Bestätigung an Ihre E-Mail-Adresse gesendet’. Wow, super. DAS ist auch sehr flott.

Das war am 1. März. Letzte Woche habe ich die Kreditkartenabrechnung seit Februar diesbezüglich angeschaut und es ist weit und breit keine Gutschrift zu sehen. Ich habe Booking.com nochmals angeschrieben. Prompt kam die Antwort, ich müsse mit einem eBanking-Auszug nachweisen, dass ich tatsächlich zweimal bezahlt habe. Habe ich sofort gemacht. Dann kam die Antwort zurück, dass das Hotel mit mir abgemacht hätte, dass sie das Geld für einen zukünftigen Aufenthalt zurück behalten. Na ja, abgemacht war das nie und unter kostenloser Stornierung verstehe ich was anderes. Aber was soll’s, ich habe ja falsch gebucht und keine Rücktrittsversicherung abgeschlossen. Das Angebot vom Hotel ist flott (dafür gibt’s eine Rose ). Falls also jemand nah vom Flughafen Zürich übernachten muss, ich hätte einen Gutschein über 80.10CHF zu verschenken

Dann gibt’s noch diesen Fall, wo ich kein Mail geschrieben habe. Wo ich aber mein impulsives Verhalten leicht bereue. Im Frühjahr ist mein Handy-Abo abgelaufen. Kölbi hat mich angerufen, um mir dies mitzuteilen und mir zu sagen, dass es das gleiche Abo nicht mehr gibt. Statt 6500 colones kostet das neue Abo 8000 colones und dafür habe ich mehr Datenvolumen zur Verfügung. Ich brauche das zusätzliche Datenvolumen gar nicht, ich habe schon die alte Menge nie verbraucht. Aber was soll’s, es ist das günstigste Abo (oder sonst PrePaid). Ich habe den Vertrag für zwei Jahre abgeschlossen. Ca. vier Wochen später ruft mich der Mitarbeiter wieder an und teilt mir mit, dass mein Handy unterwegs sei. Ob ich es zu mir nach Hause geschickt haben möchte oder ob ich es auf der Post abholen wolle. Er hat wohl gemerkt, dass ich etwas verdutzt war. Ich hätte doch einen Zwei-Jahresvertrag abgeschlossen und darin sei ein Gratis-Handy inbegriffen, das hätte er mir doch am Telefon gesagt. Ich kann mich daran wirklich nicht erinnern, ist ja auch egal, das Handy ist gratis. Da ich für meine Gäste eine SIM-Karte habe (zum Navigieren ganz praktisch) fand ich, dass es doch auch praktisch wäre, wenn ich meinen Gästen grad ein Handy mit SIM-Karte zur Verfügung stellen könnte. Das Handy – ein BLU Grand M2 (noch nie vorher gehört, auf AMAZON kostet es ca. 75 USD) – kam noch am Vortag vor unserer Abreise nach Europa an. Ich habe es ausgepackt – Verpackung habe ich gleich entsorgt – und wollte es auf die Schnelle für unsere Haustauschpartner einrichten. Irgendwie wollte es aber die von mir gewünschten Apps nicht laden und so habe ich es in eine Schublade geworfen und gedacht, ich schaue es mir nach unserer Rückkehr an. Gesagt, getan, letzte Woche habe ich noch einen Versuch gestartet. Im Google-Store habe ich die App ausgewählt und ‘installieren’ gedrückt. Nichts geschah. Wieder gedrückt und gedrückt und gedrückt. Bis endlich der blöde Knopf eine Reaktion machte und die App installierte. Um die App (WhatsApp) zu konfigurieren, musste ich meinen Namen und meine Telefonnummer eingeben. Jedesmal wenn ich bei der Telefonnummer die ‘9’ drückte, erschien die ‘3’. Ich habe um die ‘9’ herum gedrückt und entweder habe ich irgend eine andere Zahl darum herum erwischt oder es kam wieder die ‘3’. Bis ich merkte, dass ich leicht unter der ‘9’ drücken musste, dann kam die ‘9’. Ich hatte sicher zehn Minuten gebraucht, um die dämliche Telefonnummer einzutippen. Dann der Name. Himmel nochmal, ‘Karin’ zu schreiben sollte ja nicht schwierig sein. Denkste. Das ‘i’ bekam ich einfach nicht hin. Entweder kam ein ‘j’ oder er nahm den oberhalb eingeblendeten Textvorschlag an. Der Bildschirm war schlicht und einfach nicht dort taktil empfindlich, wo die Zahlen bzw. Buchstaben angezeigt wurden! Man stelle sich das mal vor, einfach unglaublich! Nachdem ich ca. 15 Minuten erfolglos geübt habe, das ‘i’ hinzubekommen, habe ich das Handy kurzerhand in den Abfall geschmissen. So was will ich niemandem zumuten. Bereut habe ich, dass ich die Verpackung nicht mehr hatte. Sonst wäre ich nämlich damit zum Kundendienst von Kölbi. Obwohl ich gewisse Zweifel habe, ob da – ausser wieder mal Schlange stehen – was Schlaues rausgekommen wäre. Kölbi hat hier in etwa den gleichen Ruf wie viele Telekomunternehmen anderswo auch…

Rund um’s Auto

In diesem Artikel habe ich schon erwähnt, dass es zum Kauf eines Autos eines Anwaltes bedarf. Und hier habe ich über meine Erfahrungen beim Verkauf eines Autos berichtet. Als Autohalter bzw. Autofahrer gibt es aber noch einiges, was man in Costa Rica wissen sollte.

Die Marchamo
Die Marchamo (Betriebsbewilligung) beinhaltet u.a. das Recht zur Verkehrsteilname des Farhrzeuges und eine minimale Personen-Haftpflichtversicherung.beim Instituto Nacional de Seguros (INS). Die Marchamo ist jährlich im November/Dezember für das Folgejahr zu bezahlen. Der Betrag hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hauptfaktor ist der Verkehrswert des Fahrzeuges und die damit verbundene Steuer. Beides kann unter Angabe der Nummer des Kontrollschildes hier beim Ministerio de Hacienda abgefragt werden. Wie die Steuer berechnet wird, siehe hier. Für unseren Nissan X-Trail Jg. 2014 haben wir für 2017 für die Marchamo den Betrag von 389‘344 Colones (ca 730 USD) bezahlt. Die Zahlung erledige ich einfach im eBanking unter Angabe der Nummer des Kontrollschildes – bei der Banco Nacional erscheint im eBanking gegen Ende Jahr eine Zahlungsrubrik ‚Marchamo‘. Da kann ich auch angeben, wo ich das Dokument mit dem Kleber abholen will. Der Kleber muss gut sichtbar auf der Windschutzscheibe angebracht und das Dokument im Auto mitgeführt werden. Auf der Webseite http://marchamo.ins-cr.com/Marchamo/Marchamo/frmConsultaMarchamo.aspx kann geprüft werden, ob die Marchamo bereits bezahlt worden ist. Auf der Seite ist auch angegeben, wo die Marchamo bezahlt werden kann (nebst dem eBanking kann dies in vielen Geschäften erfolgen).

RITEVE (RTV: Revisión técnica vehicular)
Die RTV ist vergleichbar mit der Prüfung des Fahrzeuges durch das Strassenverkehrsamt (oder der TÜV in Deutschland). Fahrzeuge, welche nicht älter als fünf Jahre alt sind, müssen alle zwei Jahre geprüft werden. Ältere Fahrzeuge werden jährlich geprüft. Für öffentliche Verkehrsmittel, Lastwagen und Transportwagen mit Gefahrengütern gelten andere Regeln. Geprüft werden die Mechanik, die Elektronik, die Elektrik, die Emissionen sowie die aktiven und passiven Sicherheitsdispositive des Fahrzeuges gemäss dem Gesetz ‚Ley de tránsito por vías públicas terrestres y seguridad vial‘. Das Ergebnis der Prüfung wird in einem Dokument ‚Tarjeta de revisión tecnica‘ festgehalten, inklusiv der festgestellten Mängel mit ihrem Schweregrad. Dieses Dokument ist im Fahrzeug mitzuführen. Wird die Prüfung bestanden, gibt es einen Aufkleber für die Windschutzscheibe der anzeigt, bis wann das Auto geprüft ist. Sonst muss das Fahrzeug erneut vorgeführt werden.
Der Zeitpunkt der Prüfung ergibt sich aus der letzten Ziffer des Kontrollschildes. Endziffer 1 bedeutet Prüfung im Januar, Endziffer 0 macht die Prüfung im Oktober. Unser Kennzeichen endet mit 7, deshalb war unser Auto dieses Jahr im Juli fällig. Hier kann unter Angabe der Nummer des Kontrollschildes überprüft werden, wann die nächste Inspektion fällig ist.
Das Auto kann an 13 verschiedenen Standorten vorgeführt werden. Auf der Webseite der RITEVE hiess es früher explizit ‚nach telefonischer Voranmeldung‘, heute steht es nicht mehr so explizit. Viele Leute sind einfach so hingegangen und die vereinbarten Termine wurden nicht eingehalten . Marcel und ich haben es uns einfach gemacht. Wir haben das Fahrzeug am Freitagmittag an Sabrina Automotriz in Atenas übergeben und am Samstag früh am Morgen konnten wir es geprüft abholen . Kosten 11‘000 Colones (ca. 20 USD) gemäss offiziellem Tarif für die Prüfung und 10‘000 Colones für den Zeitaufwand für die Vorführung des Autos. Ich glaube, ein Garagist hat es leichter, ein Fahrzeug durch die Prüfung zu bringen. Die 20 USD sind es mir allemal wert und Zeit spare ich auch.
Auf den Strassen von Costa Rica sieht man immer noch sehr viele alte Fahrzeuge, welche dicken, schwarzen Rauch rauslassen und optisch oft in einem miserablen Zustand sind. Wie es diese Fahrzeuge durch die Prüfung schaffen, ist mir weiterhin ein Rätsel…

Die Ausrüstung des Autos
Nebst den Sicherheitspositiven, welche im Rahmen der RTV geprüft werden, müssen im Fahrzeug mindestens ein Feuerlöscher, zwei Pannendreiecke, eine Leuchtweste und ein Ersatzrad inkl. Werkzeug zum Radwechsel vorhanden sein. Bei keinem der von uns gekauften Occasion-Fahrzeuge waren Feuerlöscher, Pannendreiecke und Leuchtwesten drin, dies mussten wir selber kaufen. Sonst riskiert man eine Busse von 22‘000 Colones (knapp 40 USD).

Fahrausweis / Fahrlizenz
Ein gültiger ausländischer Führerausweis ist auch in Costa Rica während drei Monaten nach der letzten Einreise gültig. Da wir immer wieder gereist sind – und somit nie länger als drei Monate ununterbrochen im Lande waren – hat es bei uns fast ein Jahr gedauert, bis wir endlich den Fahrausweis von Costa Rica beantragen konnten. Diese Regel ist auch der Grund, wieso bei Kontrollen nicht nur der ausländische Fahrausweis, sondern auch der Pass gezeigt werden muss. Man muss nachweisen, dass die letzte Einreise noch keine drei Monate her ist und der ausländische Führerausweis in Costa Rica somit noch gültig ist.
Um den Fahrausweis von Costa Rica zu bekommen, muss man nach La Uruca ins COSEVI (Consejo de seguridad vial). (Update 26.08.2017: Gemäss Zeitungsinfo in La Nación vom 15. August 2017 kann die Homologation von Fahrlizenzen jeden Dienstag und Mittwoch von 7 bis 11h morgens in allen 13 Filialen erfolgen). Selber fahren darf man eigentlich nicht. Denn der Antrag kann genau drei Monate plus einen Tag nach der letzten Einreise gemacht werden. Keinen Tag vorher!!! Der ausländische Fahrausweis ist aber nur drei Monate lang gültig. Hmmmm….Und drei Monate sind drei Monate und nicht 90 Tage. Den Fehler der 90 Tage hatte ich gemacht. Wir waren am 20. März 2016 von unserer Kubareise zurück nach Costa Rica gekommen. Am 20. Juni (also am 92. Tag) sind wir frohen Mutes nach La Uruca, gut vorbereitet mit allen notwendigen Dokumenten*. Zuerst wartet man im Erdgeschoss. Dann wird man grüppchenweise aufgefordert, in den ersten Stock zu gehen und wartet wieder, bis man an der Reihe ist (System „Sessel rücken“). Dann geht man in ein kleines Büro und gibt die Dokumente ab. In diesem Büro wurden wir dann ‚herausspediert‘, weil erst drei Monate seit der letzten Einreise vergangen waren! Es müssen drei Monate und einen Tag sein! In unserem Fall also frühestens am 21. Juni. Grrrrrrr . Die Dame war immerhin so nett, uns einen Zettel mitzugeben, damit wir am nächsten Tag direkt in den ersten Stock durften und nicht wieder im Erdgeschoss anstehen mussten. So haben wir am nächsten Tag wieder den mehr als einstündigen Weg im Morgenverkehr auf uns genommen – der Schalter schliesst am Mittag. Im Büro beantwortet man ein paar Fragen, u.a. ob man Organspender sein will oder nicht. Dann mussten wir mit einem Zettel auf die Bank und eine Gebühr bezahlen. Mit der Quittung ging‘s dann wieder zurück, wieder anstehen im ersten Stock. Dann wurde in einem anderen Büro ein Foto gemacht und kurze Zeit später kamen wir mit unserem Fahrausweis von Costa Rica raus. Der Ausweis ist drei Jahre gültig, dann müssen wir ihn erneuern lassen.

*Bei uns: Cédula, Fahrausweis inkl. zwei Kopien von vorne und hinten; Pass mit zwei Kopien der Seite mit Foto/Namen sowie Seite mit letztem Einreisestempel. „Arztzeugnis“ bestehend aus einer Nummer, da der Arzt das Ergebnis der Routineuntersuchung direkt im System der COSEVI eingibt. Vermerkt wird im Fahrausweis auch, ob man Organspender sein will oder nicht.

Der Verkehr
In Costa Rica gilt im Strassenverkehr „das Recht des Frecheren“. Der Tico ist ein höflicher, zuvorkommender Mensch, im Strassenverkehr scheint er diese Eigenschaften aber zu vergessen. Aus einer Kreuzung ohne Verkehrsregelung (Ampel, Polizist) kommt man nur raus, wenn man frech genug ist und ‚reinfährt‘. Will man darauf warten, dass einer so höflich ist und einen reinlässt, kann man unter Umständen sehr lange warten. Hilfreich ist es auch, die Scheibe runter zu lassen und die Hand rauszuhalten . Gut, wenn man einen Kopiloten hat (hahaha). Die Augen muss man überall haben. Nicht nur wegen der Schlaglöcher, nein. Überholt wird von links und von rechts. Obwohl langsamere Fahrzeuge eigentlich die rechte Spur benutzen sollten (gemäss Gesetz und zum Teil steht es auch auf Strassentafeln entlang der Strasse), sind sie sehr oft auf der linken Spur. Kein Vergleich zur Schweiz, wo man sich ärgert, weil ein Lastwagen einen andern überholt. Hier wird die linke Spur nicht ‚nur‘ zum Überholen benutzt, sie wird ‚einfach so‘ benutzt. Am schlimmsten sind die Motorradfahrer. Die zwängen sich von rechts und von links durch den Verkehr und manchmal sind sie so nahe an den Autos, dass man die Luft anhalten muss. Vielleicht auch ein Grund, wieso es in Costa Rica so viele beinamputierte Menschen gibt? Jedenfalls habe ich glaube ich in meinem ganzen Leben nicht so viele gesehen wie hier in den letzten zwei Jahren (unsere Hausärztin meinte zwar, dass hier vielleicht auch schneller amputiert wird). Update 26.August 2017: Gemäss einem Bericht in der Zeitung La Nación vom 6. August 2017 hat Costa Rica pro 100’000 Einwohner 13.9 Verkehrstote. Zum Vergleich: die Schweiz hat 3,3 Verkehrstote. Die Motorradfahrer führen die Liste der Verkehrstoten an. Hauptgründe sind zu schnelles und unvorsichtiges Fahren. Reissverschlussprinzip kennt man auch nicht, dieses Video stellt das sehr gut dar J. Und wenn dann Stau ist, kommen noch die ‚fliegenden‘ Händler dazu und verkaufen Nüssli, getrocknete Früchte, Getränke, Fussballshirts und andere nützliche und weniger nützliche Sachen.

Bussen
In Costa Rica sind die Bussen mehr als happig, huiuiuiuiui! Im Gesetz werden in den Artikeln 143 bis 147 fünf verschiedene Bussenkategorien (A bis E) unterschieden. Die Busse beträgt 2017 je nach Kategorie zwischen 22‘000 Colones (knapp 40 USD) und 307‘000 Colones (knapp 550 USD). Alkohol, gefährliche Manöver und mehr als 120km/h fahren zählen zu den teuersten Vergehen. Kinder unter 12 Jahren und kleiner als 1.45Meter ohne Kindersitz sowie Rotlicht überfahren kosten 207‘000 Colones (ca. 360 USD), kein Sicherheitsgurt 107‘000 Colones (ca. 190 USD), Falschparkieren 51‘000 Colones (ca. 90 USD) und Fahrausweis nicht auf sich haben 22‘000 Colones. Je nach Vergehen wird noch die Placa (das Kontrollschild) eingezogen. Diese wieder zu bekommen bedeutet viel Aufwand.
Es gibt nicht übermässig viele Kontrollen. Und wenn man in spanischer Sprache höflich darum bittet, gibt es unter Umständen günstigere Bussen, d.h. es wird dann ein Vergehen notiert, welches eine günstigere Busse zur Folge hat. Haben wir persönlich erlebt. Wohlgemerkt: mit ‚höflich‘ meine ich nicht Bestechung!
Seit dem 17. Juli ist eine Reform des Verkehrsgesetzes in Kraft. Unter anderem wird das Parkieren an einer Strassenecke, vor einer Garage, bei einem Hydranten, am Strassenrand neben dem Trottoir usw. mit 51‘000 Colones bestraft und die Placa ist auch weg. Am 22. Juli habe ich in der Zeitung La Nación gelesen, dass die Polizei jetzt sehr drauf ist, die Reform umzusetzen. Sprich in San José haben sie an einem Tag auf der avenida segunda auf einer Strecke von 500m 23 Placas wegen falsch Parkierens genommen. Ich habe noch zu Marcel gesagt, dass die jetzt ‚richtig scharf‘ sind.
Und was passiert uns am 24. Juli? Richtig, beim Lindora Medical Center haben wir am Strassenrand parkiert und sind zum Arzt gegangen. Plötzlich kommt die Assistentin und fragt uns, ob wir unser Auto draussen am Strassenrand parkiert hätten. Haben wir. Marcel ist rausgerannt. Die Busse von 51‘000 Colones konnte er zwar nicht verhindern. Aber nach intensivem Bitten haben sie ihm wenigstens die Placa wieder ans Auto angeschraubt…
Als ich dann diesen Artikel in der Zeitung gelesen habe, habe ich mir nur gedacht: es hätte nicht viel gefehlt und es wären nicht 113, sondern 114 Placas gewesen 😉
Update 26.08.2017: Wir haben wirklich Glück gehabt. Das mit dem Entfernen der Kontrollschilder nimmt kein Ende. In der Zeitung La Nación vom 8. August 2017 stand, dass zwischen dem 17. Juli und dem 03. August in ganz Costa Rica insgesamt 3276 Schilder entfernt wurden. Und das COSEVI hinkt hinterher! Einem Täxeler wurde am 29. Juli vormittags das Kontrollschild genommen, am 3. August war das Vergehen immer noch nicht im System registriert und somit sein Kontrollschild nicht auffindbar. Somit kein Einkommen mehr! Am 19. August war in der gleichen Zeitung zu lesen, dass Chauffeure Schlange stehen (zum Teil bis zur Banco Nacional), um ihr Kontrollschild zurück zu bekommen. Pro Tag würden nur 200 Tickets bearbeitet.Viele kommen von weiter her, sind bereits um 6h morgens beim COSEVI und können trotzdem nicht rein, weil die 200 Tickets schon weg sind. 
Bussen werden hier nicht direkt bezahlt. Man bekommt einen Bussenzettel mit einer Nummer. Man bezahlt sie entweder elektronisch im eBanking oder auf der Bank am Schalter. Wenn man innerhalb von 10 Tagen bezahlt, bekommt man noch Rabatt (ausser bei den Bussen der Kategorie A). Oft kann man die Busse gar nicht innerhalb von 10 Tagen bezahlen, da sie noch nicht im System erfasst ist. Und solange sie nicht erfasst ist, ist keine Zahlung möglich. Ich habe schon mal drei Wochen warten müssen. Den Rabatt habe ich trotzdem erhalten. Die 10 Tage gelten wohl ab Erfassungsdatum im System, nicht nach Erhalt der Busse. Damit man nicht dauernd an den Bankschalter springen oder im eBanking nachsehen muss, ob die Busse nun endlich im System ist und man sie bezahlen kann, kann man dies auch einfach hier nachschauen. Da nicht nur über die Bussennummer, sondern u.a. auch über die Placa gesucht werden kann, kann man auch schauen, ob der Nachbar Bussen hatte und falls ja, in welcher Höhe, ob er sie bezahlt (cancelada) oder bestritten (impugnado) hat und ob er bei der Bestreitung Erfolg hatte (absuelta) oder nicht (condenada) . Beim Datenschutz ist man hier noch nicht so weit. Man sehe sich mal dieses Beispiel von einem Bussensammler an. Nein, es ist nicht unser Fahrzeug, ich habe einfach eine Kontrollschild-Nummer nach Belieben eingegeben, da bei unserem jetzigen Kontrollschild der Inhalt noch leer ist (das Kontrollschild gehört in Costa Rica zum Auto, nicht zum Halter).