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ein Mikrokosmos-Tagebuch

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Kundendienst ist nicht gleich Kundendienst

Wenn ich mich in einem Geschäft ärgere dann sage ich oft “denen schreibe ich dann einen Brief”. Ich weiss zu dem Zeitpunkt schon, dass ich den Brief bzw. das Mail nie schreiben werde. Aber ich mache damit meinem Ärger Luft. In diesem Jahr habe ich aber einige Mails geschrieben.

Marcel und ich mieten auf unseren Reisen ab und an ein Auto. Für einen Transfer von Montreal nach Quebec City am 1. Juli haben wir bei AVIS ein Auto gemietet. Bei der Online-Buchung habe ich angegeben, dass ich das Auto um 10h in Montreal abholen und um 16h in Quebec City abgeben werde.

Um 09:30h waren wir im Büro der Vermieterstation. Es warteten schon viele Leute dort. Um ca. 10h konnten wir den Papierkram erledigen und dann hiess es, wir müssten etwas warten. Auf Nachfrage hin, was ‘etwas’ heisse, bekamen wir die Antwort ‘30 Minuten’. Nun gut, wir sind einen Kaffee trinken gegangen und nach 30 Minuten zurück gekehrt. Wir mussten danach noch weitere 20 Minuten warten. Wenn ich angebe, dass ich das Auto um 10h abholen will erwarte ich auch, dass das Fahrzeug um 10h bereit ist. Und nicht erst 50 Minuten später. Grrrrrr . Die Dame am Schalter hat noch gemeint, wir müssten das Auto auch nicht um 16h abgeben, wir hätten für 24h bezahlt und könnten das Auto auch erst am nächsten Tag zurück geben. War für uns nicht von Interesse, wir brauchten das Auto nur für den Transfer. In Quebec City stand uns das Auto unseres Haustauschpartners zur Verfügung.

Um 15:30h  standen wir in Quebec City vor der Vermieterstation. Und was stand da an der Tür? Wegen des Feiertages hätten sie ausnahmsweise bereits um 15h statt um 17h geschlossen. Halloooo??? Die wussten doch, dass wir um 16h ein Auto zurück bringen wollten. Warum hat uns niemand etwas gesagt? Die Dame in Montreal bei der Anmiete hat nichts gesagt und eine Nachricht per eMail oder Telefon haben wir auch nicht erhalten (obwohl man bei der Online-Buchung Email und Telefon angeben muss). Eine Möglichkeit, den Schlüssel sicher zu deponieren, gab es nicht. Wir mussten das Auto wieder mitnehmen und am nächsten Tag nochmals hin. Mann, war ich sauer ! Am nächsten Tag hat uns der Mann hinter dem Schalter fröhlich empfangen und nichts dergleichen getan. Ich habe ihm mitgeteilt, dass ich es doch unverschämt finden würde, das Büro um 15h zu schliessen im Wissen drum, dass Kunden um 16h ein Auto zurück bringen wollen. Statt sich zu entschuldigen hat er lapidar gemeint, er sei nur Franchisenehmer und nicht AVIS. AVIS würde die Autos bei ihm mieten. Interessiert mich das als Kunde? Die Öffnungszeiten, welche für diese Station im Internet angegeben sind, hat sich AVIS ja wohl kaum aus den Fingern gesaugt. Nichts desto trotz habe ich bei AVIS eine Reklamation eingereicht. Ich habe seeehr lange auf deren Webseite suchen müssen, um eine schriftliche Rückmeldung abgeben zu können. Sagt auch schon viel aus. Und eine Antwort von AVIS? Habe ich bis heute nicht erhalten…

Es gibt aber auch positive Erfahrungen.

Ich bestelle viel bei Amazon und ich lasse es mir jeweilen dorthin liefern, wo ich mich grad aufhalte. Als ich in Deutschland war, habe ich sowohl bei Amazon.de wie auch Amazon.com Sachen bestellt (USA und Costa Rica haben die gleichen Stromanschlüsse, drum bestelle ich Elektronikartikel in den USA).

Jedenfalls ist ein auf .de bestellter Artikel nicht angekommen. Amazon.de hatte den Artikel mit der deutschen Post verschickt und es gab keine Trackingnummer. Somit war auch nicht nachvollziehbar, wo der Artikel liegen geblieben war. Ein Mail an Amazon.de und man hat mir das Geld gutgeschrieben.

Murphy wollte es, dass es mit dem in den USA bestellten Paket ebenfalls Schwierigkeiten gab (nein, ich habe bisher nie Schwierigkeiten mit Amazon-Bestellungen gehabt). Das Paket war als ‘ausgeliefert’ markiert, jedoch hatten weder ich noch die Nachbarn das Paket erhalten. Ich habe Amazon.com angeschrieben und gefragt, wo denn das Paket genau abgegeben worden sei. Die Antwort lautete, der Zusteller hätte das Paket wohl verloren. Der Betrag wurde mir auf der Kreditkarte wieder gutgeschrieben. Da ich die Ware unbedingt wollte, die Zeit meiner Abreise aus Deutschland aber näher rückte, hat mir der Amazon-Mitarbeiter vorgeschlagen, die Ware auf ihre Kosten per Express in den USA zu bestellen (ich musste nur darauf achten, bei einem Händler zu bestellen, wo ‘fulfilled by Amazon’ stand). Ist doch flott, oder? Gesagt, getan. Und da ich eh neu bestellen musste, habe ich von einem Artikel – der Butterdose – gleich ein Stück mehr fürs Gästehaus bestellt. Ich weiss, eine Butterdose ist kein Elektronikartikel. Einen Stecker habe ich auch bestellt. Und ob man’s glaubt oder nicht, Butter hat in den USA bzw. in Costa Rica auch ein anderes Mass als in Europa

2 Tage nach der erneuten Bestellung klingelt es an der Tür. Tataaaa, das verloren geglaubte Paket kam doch noch an. Mist, jetzt musste ich die 2. Bestellung annullieren. Aber es war zu spät, das Paket war schon unterwegs. Der Amazon-Mitarbeiter meinte, ich solle das Paket bei der Zustellung einfach zurück weisen, dann bekäme ich das Geld ohne weitere Kosten gut geschrieben. Ich habe dann DHL (welcher mit der Zustellung beauftragt war) angerufen und mitgeteilt, sie bräuchten das Paket nicht bis zu mir zu bringen. Macht ja keinen Sinn.

Was der Amazon-Mitarbeiter wohl nicht gesehen hatte ist, dass ich bei der 2. Bestellung eine Butterdose mehr bestellt hatte. So habe ich zwar den Betrag der 1. Bestellung gutgeschrieben bekommen. Da ich die 1. Bestellung schlussendlich doch erhalten habe, habe ich die 2. Bestellung annulliert. Die hatte ich bezahlt und die wurde nicht wieder gutgeschrieben (man hatte mir ja bereits die 1. Bestellung gut geschrieben). Der Amazon-Mitarbeiter hatte sich wohl gesagt, sie hat ein Paket erhalten und dafür einmal bezahlt. Dass ich nicht ganz genau das gleiche wieder bestellt habe, hat er nicht gesehen. So hat mich die Butterdose statt 6 USD letztendlich 12 USD gekostet. Ich hätte Amazon wieder schreiben müssen… Na ja, die 6 USD waren es mir nicht Wert. Trotzdem muss ich sagen, dass ich den Kundendienst von Amazon top finde .

Ebenfalls eine super Erfahrung habe ich mit Sumpple gemacht. Ich habe bei denen (via Amazon) im Juni 2016 zwei Überwachungskameras bestellt. Im März 2018 zeigte die eine Kamera die Bilder nur noch in bunt wechselnden Farben an. Da ich die Kameras so einstelle, dass sie auf Bewegung reagieren, gab es wegen dem Farbwechsel dauernd Fehlalarme. Kurz darauf erkannte die zweite Kamera die Speicherkarte nicht mehr. Somit bekam ich zwar noch die Alarme, aber ich konnte nicht mehr nachschauen, was den Alarm ausgelöst hatte. Die Kameras waren für meine Zwecke völlig unbrauchbar geworden. Ich habe die Firma – in China ansässig – im April 2018 angeschrieben. Die Firma hat innerhalb von 24h reagiert und mit mir die Sache angeschaut. Sie sind zum Schluss gekommen, dass beide Kameras defekt sind und haben mir zwei Ersatzkameras gratis angeboten. Einziger Wermutstropfen: ich muss die defekten Kameras zurück schicken – wenigstens nicht nach China, nur ins Lager nach England. Aber auch hier waren sie sehr kulant. Da ich gerade vor einer 2.5 monatigen Auslandreise stand, wollte ich die defekten Kameras nicht abmontieren. Die abschreckende Wirkung hatten sie ja immer noch. Weiss ja keiner, ob die funktionieren oder nicht. So haben sie die Ersatzkameras an die von mir gewünschte Adresse geliefert und waren auch einverstanden damit, dass ich die defekten Kameras erst vier Monate später zurück senden werde. DAS ist für mich Dienst am Kunden .

Ja, es gibt noch weitere Beispiele. Gut gemeint in der Reaktion aber schlecht in der Kommunikation war Booking.com. Marcel und ich sind am 13. Februar nach Madeira geflogen. Der Flug ging sehr früh, so dass wir in der Nähe des Flughafens Zürich übernachten mussten. Über die Karten von google.com haben wir ein passendes Hotel gefunden. Klickt man auf der Karte auf das Hotel, kann man u.a. auf booking.com buchen. Die Maske erscheint bereits vorausgefüllt mit einem von-bis Datum, welches einen Monat in der Zukunft liegt. Warum Google dies so macht, ist mir ein Rätsel (neuerdings sind es 3 Wochen in der Zukunft, nicht mehr einen Monat). Jedenfalls hatten wir deshalb nicht für die nächste Nacht gebucht, sondern für die Nacht vom 12. auf den 13. März! Bemerkt wurde dies im Hotel. Nun denn, wir mussten die Nacht vom 12. auf den 13. Februar bezahlen. Und die Nacht vom 12. auf den 13. März wurde uns auch gleich auf der Kreditkarte belastet. Zuerst habe ich das Hotel angeschrieben. Die haben mir angeboten, das Geld bei ihnen zu verwahren, so dass ich es bei der nächsten Buchung verwenden könnte. Ist sehr kulant und nicht selbstverständlich, nützt mir aber nicht viel. Ich fliege nicht jeden Tag vom Flughafen Zürich ab (ich lebe nicht in der Schweiz) und der einzige von Marcel und mir für 2018 noch vorgesehene Flug ab Flughafen Zürich geht (bzw. ging) am Nachmittag ab. Darauf hin habe ich Booking.com angeschrieben. Nach ca. 2.5 Wochen habe ich eine Antwort erhalten. Zuerst haben sie sich für die späte Antwort entschuldigt. Das ist positv. Danach kam die Mitteilung: ‘Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass die Unterkunft xxx Ihrer Anfrage entsprechen kann und dadurch für Sie keine Zusatzkosten entstehen. Wir haben Ihre Buchung wunschgemäss storniert und eine Bestätigung an Ihre E-Mail-Adresse gesendet’. Wow, super. DAS ist auch sehr flott.

Das war am 1. März. Letzte Woche habe ich die Kreditkartenabrechnung seit Februar diesbezüglich angeschaut und es ist weit und breit keine Gutschrift zu sehen. Ich habe Booking.com nochmals angeschrieben. Prompt kam die Antwort, ich müsse mit einem eBanking-Auszug nachweisen, dass ich tatsächlich zweimal bezahlt habe. Habe ich sofort gemacht. Dann kam die Antwort zurück, dass das Hotel mit mir abgemacht hätte, dass sie das Geld für einen zukünftigen Aufenthalt zurück behalten. Na ja, abgemacht war das nie und unter kostenloser Stornierung verstehe ich was anderes. Aber was soll’s, ich habe ja falsch gebucht und keine Rücktrittsversicherung abgeschlossen. Das Angebot vom Hotel ist flott (dafür gibt’s eine Rose ). Falls also jemand nah vom Flughafen Zürich übernachten muss, ich hätte einen Gutschein über 80.10CHF zu verschenken

Dann gibt’s noch diesen Fall, wo ich kein Mail geschrieben habe. Wo ich aber mein impulsives Verhalten leicht bereue. Im Frühjahr ist mein Handy-Abo abgelaufen. Kölbi hat mich angerufen, um mir dies mitzuteilen und mir zu sagen, dass es das gleiche Abo nicht mehr gibt. Statt 6500 colones kostet das neue Abo 8000 colones und dafür habe ich mehr Datenvolumen zur Verfügung. Ich brauche das zusätzliche Datenvolumen gar nicht, ich habe schon die alte Menge nie verbraucht. Aber was soll’s, es ist das günstigste Abo (oder sonst PrePaid). Ich habe den Vertrag für zwei Jahre abgeschlossen. Ca. vier Wochen später ruft mich der Mitarbeiter wieder an und teilt mir mit, dass mein Handy unterwegs sei. Ob ich es zu mir nach Hause geschickt haben möchte oder ob ich es auf der Post abholen wolle. Er hat wohl gemerkt, dass ich etwas verdutzt war. Ich hätte doch einen Zwei-Jahresvertrag abgeschlossen und darin sei ein Gratis-Handy inbegriffen, das hätte er mir doch am Telefon gesagt. Ich kann mich daran wirklich nicht erinnern, ist ja auch egal, das Handy ist gratis. Da ich für meine Gäste eine SIM-Karte habe (zum Navigieren ganz praktisch) fand ich, dass es doch auch praktisch wäre, wenn ich meinen Gästen grad ein Handy mit SIM-Karte zur Verfügung stellen könnte. Das Handy – ein BLU Grand M2 (noch nie vorher gehört, auf AMAZON kostet es ca. 75 USD) – kam noch am Vortag vor unserer Abreise nach Europa an. Ich habe es ausgepackt – Verpackung habe ich gleich entsorgt – und wollte es auf die Schnelle für unsere Haustauschpartner einrichten. Irgendwie wollte es aber die von mir gewünschten Apps nicht laden und so habe ich es in eine Schublade geworfen und gedacht, ich schaue es mir nach unserer Rückkehr an. Gesagt, getan, letzte Woche habe ich noch einen Versuch gestartet. Im Google-Store habe ich die App ausgewählt und ‘installieren’ gedrückt. Nichts geschah. Wieder gedrückt und gedrückt und gedrückt. Bis endlich der blöde Knopf eine Reaktion machte und die App installierte. Um die App (WhatsApp) zu konfigurieren, musste ich meinen Namen und meine Telefonnummer eingeben. Jedesmal wenn ich bei der Telefonnummer die ‘9’ drückte, erschien die ‘3’. Ich habe um die ‘9’ herum gedrückt und entweder habe ich irgend eine andere Zahl darum herum erwischt oder es kam wieder die ‘3’. Bis ich merkte, dass ich leicht unter der ‘9’ drücken musste, dann kam die ‘9’. Ich hatte sicher zehn Minuten gebraucht, um die dämliche Telefonnummer einzutippen. Dann der Name. Himmel nochmal, ‘Karin’ zu schreiben sollte ja nicht schwierig sein. Denkste. Das ‘i’ bekam ich einfach nicht hin. Entweder kam ein ‘j’ oder er nahm den oberhalb eingeblendeten Textvorschlag an. Der Bildschirm war schlicht und einfach nicht dort taktil empfindlich, wo die Zahlen bzw. Buchstaben angezeigt wurden! Man stelle sich das mal vor, einfach unglaublich! Nachdem ich ca. 15 Minuten erfolglos geübt habe, das ‘i’ hinzubekommen, habe ich das Handy kurzerhand in den Abfall geschmissen. So was will ich niemandem zumuten. Bereut habe ich, dass ich die Verpackung nicht mehr hatte. Sonst wäre ich nämlich damit zum Kundendienst von Kölbi. Obwohl ich gewisse Zweifel habe, ob da – ausser wieder mal Schlange stehen – was Schlaues rausgekommen wäre. Kölbi hat hier in etwa den gleichen Ruf wie viele Telekomunternehmen anderswo auch…

Rund um’s Auto

In diesem Artikel habe ich schon erwähnt, dass es zum Kauf eines Autos eines Anwaltes bedarf. Und hier habe ich über meine Erfahrungen beim Verkauf eines Autos berichtet. Als Autohalter bzw. Autofahrer gibt es aber noch einiges, was man in Costa Rica wissen sollte.

Die Marchamo
Die Marchamo (Betriebsbewilligung) beinhaltet u.a. das Recht zur Verkehrsteilname des Farhrzeuges und eine minimale Personen-Haftpflichtversicherung.beim Instituto Nacional de Seguros (INS). Die Marchamo ist jährlich im November/Dezember für das Folgejahr zu bezahlen. Der Betrag hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hauptfaktor ist der Verkehrswert des Fahrzeuges und die damit verbundene Steuer. Beides kann unter Angabe der Nummer des Kontrollschildes hier beim Ministerio de Hacienda abgefragt werden. Wie die Steuer berechnet wird, siehe hier. Für unseren Nissan X-Trail Jg. 2014 haben wir für 2017 für die Marchamo den Betrag von 389‘344 Colones (ca 730 USD) bezahlt. Die Zahlung erledige ich einfach im eBanking unter Angabe der Nummer des Kontrollschildes – bei der Banco Nacional erscheint im eBanking gegen Ende Jahr eine Zahlungsrubrik ‚Marchamo‘. Da kann ich auch angeben, wo ich das Dokument mit dem Kleber abholen will. Der Kleber muss gut sichtbar auf der Windschutzscheibe angebracht und das Dokument im Auto mitgeführt werden. Auf der Webseite http://marchamo.ins-cr.com/Marchamo/Marchamo/frmConsultaMarchamo.aspx kann geprüft werden, ob die Marchamo bereits bezahlt worden ist. Auf der Seite ist auch angegeben, wo die Marchamo bezahlt werden kann (nebst dem eBanking kann dies in vielen Geschäften erfolgen).

RITEVE (RTV: Revisión técnica vehicular)
Die RTV ist vergleichbar mit der Prüfung des Fahrzeuges durch das Strassenverkehrsamt (oder der TÜV in Deutschland). Fahrzeuge, welche nicht älter als fünf Jahre alt sind, müssen alle zwei Jahre geprüft werden. Ältere Fahrzeuge werden jährlich geprüft. Für öffentliche Verkehrsmittel, Lastwagen und Transportwagen mit Gefahrengütern gelten andere Regeln. Geprüft werden die Mechanik, die Elektronik, die Elektrik, die Emissionen sowie die aktiven und passiven Sicherheitsdispositive des Fahrzeuges gemäss dem Gesetz ‚Ley de tránsito por vías públicas terrestres y seguridad vial‘. Das Ergebnis der Prüfung wird in einem Dokument ‚Tarjeta de revisión tecnica‘ festgehalten, inklusiv der festgestellten Mängel mit ihrem Schweregrad. Dieses Dokument ist im Fahrzeug mitzuführen. Wird die Prüfung bestanden, gibt es einen Aufkleber für die Windschutzscheibe der anzeigt, bis wann das Auto geprüft ist. Sonst muss das Fahrzeug erneut vorgeführt werden.
Der Zeitpunkt der Prüfung ergibt sich aus der letzten Ziffer des Kontrollschildes. Endziffer 1 bedeutet Prüfung im Januar, Endziffer 0 macht die Prüfung im Oktober. Unser Kennzeichen endet mit 7, deshalb war unser Auto dieses Jahr im Juli fällig. Hier kann unter Angabe der Nummer des Kontrollschildes überprüft werden, wann die nächste Inspektion fällig ist.
Das Auto kann an 13 verschiedenen Standorten vorgeführt werden. Auf der Webseite der RITEVE hiess es früher explizit ‚nach telefonischer Voranmeldung‘, heute steht es nicht mehr so explizit. Viele Leute sind einfach so hingegangen und die vereinbarten Termine wurden nicht eingehalten . Marcel und ich haben es uns einfach gemacht. Wir haben das Fahrzeug am Freitagmittag an Sabrina Automotriz in Atenas übergeben und am Samstag früh am Morgen konnten wir es geprüft abholen . Kosten 11‘000 Colones (ca. 20 USD) gemäss offiziellem Tarif für die Prüfung und 10‘000 Colones für den Zeitaufwand für die Vorführung des Autos. Ich glaube, ein Garagist hat es leichter, ein Fahrzeug durch die Prüfung zu bringen. Die 20 USD sind es mir allemal wert und Zeit spare ich auch.
Auf den Strassen von Costa Rica sieht man immer noch sehr viele alte Fahrzeuge, welche dicken, schwarzen Rauch rauslassen und optisch oft in einem miserablen Zustand sind. Wie es diese Fahrzeuge durch die Prüfung schaffen, ist mir weiterhin ein Rätsel…

Die Ausrüstung des Autos
Nebst den Sicherheitspositiven, welche im Rahmen der RTV geprüft werden, müssen im Fahrzeug mindestens ein Feuerlöscher, zwei Pannendreiecke, eine Leuchtweste und ein Ersatzrad inkl. Werkzeug zum Radwechsel vorhanden sein. Bei keinem der von uns gekauften Occasion-Fahrzeuge waren Feuerlöscher, Pannendreiecke und Leuchtwesten drin, dies mussten wir selber kaufen. Sonst riskiert man eine Busse von 22‘000 Colones (knapp 40 USD).

Fahrausweis / Fahrlizenz
Ein gültiger ausländischer Führerausweis ist auch in Costa Rica während drei Monaten nach der letzten Einreise gültig. Da wir immer wieder gereist sind – und somit nie länger als drei Monate ununterbrochen im Lande waren – hat es bei uns fast ein Jahr gedauert, bis wir endlich den Fahrausweis von Costa Rica beantragen konnten. Diese Regel ist auch der Grund, wieso bei Kontrollen nicht nur der ausländische Fahrausweis, sondern auch der Pass gezeigt werden muss. Man muss nachweisen, dass die letzte Einreise noch keine drei Monate her ist und der ausländische Führerausweis in Costa Rica somit noch gültig ist.
Um den Fahrausweis von Costa Rica zu bekommen, muss man nach La Uruca ins COSEVI (Consejo de seguridad vial). (Update 26.08.2017: Gemäss Zeitungsinfo in La Nación vom 15. August 2017 kann die Homologation von Fahrlizenzen jeden Dienstag und Mittwoch von 7 bis 11h morgens in allen 13 Filialen erfolgen). Selber fahren darf man eigentlich nicht. Denn der Antrag kann genau drei Monate plus einen Tag nach der letzten Einreise gemacht werden. Keinen Tag vorher!!! Der ausländische Fahrausweis ist aber nur drei Monate lang gültig. Hmmmm….Und drei Monate sind drei Monate und nicht 90 Tage. Den Fehler der 90 Tage hatte ich gemacht. Wir waren am 20. März 2016 von unserer Kubareise zurück nach Costa Rica gekommen. Am 20. Juni (also am 92. Tag) sind wir frohen Mutes nach La Uruca, gut vorbereitet mit allen notwendigen Dokumenten*. Zuerst wartet man im Erdgeschoss. Dann wird man grüppchenweise aufgefordert, in den ersten Stock zu gehen und wartet wieder, bis man an der Reihe ist (System „Sessel rücken“). Dann geht man in ein kleines Büro und gibt die Dokumente ab. In diesem Büro wurden wir dann ‚herausspediert‘, weil erst drei Monate seit der letzten Einreise vergangen waren! Es müssen drei Monate und einen Tag sein! In unserem Fall also frühestens am 21. Juni. Grrrrrrr . Die Dame war immerhin so nett, uns einen Zettel mitzugeben, damit wir am nächsten Tag direkt in den ersten Stock durften und nicht wieder im Erdgeschoss anstehen mussten. So haben wir am nächsten Tag wieder den mehr als einstündigen Weg im Morgenverkehr auf uns genommen – der Schalter schliesst am Mittag. Im Büro beantwortet man ein paar Fragen, u.a. ob man Organspender sein will oder nicht. Dann mussten wir mit einem Zettel auf die Bank und eine Gebühr bezahlen. Mit der Quittung ging‘s dann wieder zurück, wieder anstehen im ersten Stock. Dann wurde in einem anderen Büro ein Foto gemacht und kurze Zeit später kamen wir mit unserem Fahrausweis von Costa Rica raus. Der Ausweis ist drei Jahre gültig, dann müssen wir ihn erneuern lassen.

*Bei uns: Cédula, Fahrausweis inkl. zwei Kopien von vorne und hinten; Pass mit zwei Kopien der Seite mit Foto/Namen sowie Seite mit letztem Einreisestempel. „Arztzeugnis“ bestehend aus einer Nummer, da der Arzt das Ergebnis der Routineuntersuchung direkt im System der COSEVI eingibt. Vermerkt wird im Fahrausweis auch, ob man Organspender sein will oder nicht.

Der Verkehr
In Costa Rica gilt im Strassenverkehr „das Recht des Frecheren“. Der Tico ist ein höflicher, zuvorkommender Mensch, im Strassenverkehr scheint er diese Eigenschaften aber zu vergessen. Aus einer Kreuzung ohne Verkehrsregelung (Ampel, Polizist) kommt man nur raus, wenn man frech genug ist und ‚reinfährt‘. Will man darauf warten, dass einer so höflich ist und einen reinlässt, kann man unter Umständen sehr lange warten. Hilfreich ist es auch, die Scheibe runter zu lassen und die Hand rauszuhalten . Gut, wenn man einen Kopiloten hat (hahaha). Die Augen muss man überall haben. Nicht nur wegen der Schlaglöcher, nein. Überholt wird von links und von rechts. Obwohl langsamere Fahrzeuge eigentlich die rechte Spur benutzen sollten (gemäss Gesetz und zum Teil steht es auch auf Strassentafeln entlang der Strasse), sind sie sehr oft auf der linken Spur. Kein Vergleich zur Schweiz, wo man sich ärgert, weil ein Lastwagen einen andern überholt. Hier wird die linke Spur nicht ‚nur‘ zum Überholen benutzt, sie wird ‚einfach so‘ benutzt. Am schlimmsten sind die Motorradfahrer. Die zwängen sich von rechts und von links durch den Verkehr und manchmal sind sie so nahe an den Autos, dass man die Luft anhalten muss. Vielleicht auch ein Grund, wieso es in Costa Rica so viele beinamputierte Menschen gibt? Jedenfalls habe ich glaube ich in meinem ganzen Leben nicht so viele gesehen wie hier in den letzten zwei Jahren (unsere Hausärztin meinte zwar, dass hier vielleicht auch schneller amputiert wird). Update 26.August 2017: Gemäss einem Bericht in der Zeitung La Nación vom 6. August 2017 hat Costa Rica pro 100’000 Einwohner 13.9 Verkehrstote. Zum Vergleich: die Schweiz hat 3,3 Verkehrstote. Die Motorradfahrer führen die Liste der Verkehrstoten an. Hauptgründe sind zu schnelles und unvorsichtiges Fahren. Reissverschlussprinzip kennt man auch nicht, dieses Video stellt das sehr gut dar J. Und wenn dann Stau ist, kommen noch die ‚fliegenden‘ Händler dazu und verkaufen Nüssli, getrocknete Früchte, Getränke, Fussballshirts und andere nützliche und weniger nützliche Sachen.

Bussen
In Costa Rica sind die Bussen mehr als happig, huiuiuiuiui! Im Gesetz werden in den Artikeln 143 bis 147 fünf verschiedene Bussenkategorien (A bis E) unterschieden. Die Busse beträgt 2017 je nach Kategorie zwischen 22‘000 Colones (knapp 40 USD) und 307‘000 Colones (knapp 550 USD). Alkohol, gefährliche Manöver und mehr als 120km/h fahren zählen zu den teuersten Vergehen. Kinder unter 12 Jahren und kleiner als 1.45Meter ohne Kindersitz sowie Rotlicht überfahren kosten 207‘000 Colones (ca. 360 USD), kein Sicherheitsgurt 107‘000 Colones (ca. 190 USD), Falschparkieren 51‘000 Colones (ca. 90 USD) und Fahrausweis nicht auf sich haben 22‘000 Colones. Je nach Vergehen wird noch die Placa (das Kontrollschild) eingezogen. Diese wieder zu bekommen bedeutet viel Aufwand.
Es gibt nicht übermässig viele Kontrollen. Und wenn man in spanischer Sprache höflich darum bittet, gibt es unter Umständen günstigere Bussen, d.h. es wird dann ein Vergehen notiert, welches eine günstigere Busse zur Folge hat. Haben wir persönlich erlebt. Wohlgemerkt: mit ‚höflich‘ meine ich nicht Bestechung!
Seit dem 17. Juli ist eine Reform des Verkehrsgesetzes in Kraft. Unter anderem wird das Parkieren an einer Strassenecke, vor einer Garage, bei einem Hydranten, am Strassenrand neben dem Trottoir usw. mit 51‘000 Colones bestraft und die Placa ist auch weg. Am 22. Juli habe ich in der Zeitung La Nación gelesen, dass die Polizei jetzt sehr drauf ist, die Reform umzusetzen. Sprich in San José haben sie an einem Tag auf der avenida segunda auf einer Strecke von 500m 23 Placas wegen falsch Parkierens genommen. Ich habe noch zu Marcel gesagt, dass die jetzt ‚richtig scharf‘ sind.
Und was passiert uns am 24. Juli? Richtig, beim Lindora Medical Center haben wir am Strassenrand parkiert und sind zum Arzt gegangen. Plötzlich kommt die Assistentin und fragt uns, ob wir unser Auto draussen am Strassenrand parkiert hätten. Haben wir. Marcel ist rausgerannt. Die Busse von 51‘000 Colones konnte er zwar nicht verhindern. Aber nach intensivem Bitten haben sie ihm wenigstens die Placa wieder ans Auto angeschraubt…
Als ich dann diesen Artikel in der Zeitung gelesen habe, habe ich mir nur gedacht: es hätte nicht viel gefehlt und es wären nicht 113, sondern 114 Placas gewesen 😉
Update 26.08.2017: Wir haben wirklich Glück gehabt. Das mit dem Entfernen der Kontrollschilder nimmt kein Ende. In der Zeitung La Nación vom 8. August 2017 stand, dass zwischen dem 17. Juli und dem 03. August in ganz Costa Rica insgesamt 3276 Schilder entfernt wurden. Und das COSEVI hinkt hinterher! Einem Täxeler wurde am 29. Juli vormittags das Kontrollschild genommen, am 3. August war das Vergehen immer noch nicht im System registriert und somit sein Kontrollschild nicht auffindbar. Somit kein Einkommen mehr! Am 19. August war in der gleichen Zeitung zu lesen, dass Chauffeure Schlange stehen (zum Teil bis zur Banco Nacional), um ihr Kontrollschild zurück zu bekommen. Pro Tag würden nur 200 Tickets bearbeitet.Viele kommen von weiter her, sind bereits um 6h morgens beim COSEVI und können trotzdem nicht rein, weil die 200 Tickets schon weg sind. 
Bussen werden hier nicht direkt bezahlt. Man bekommt einen Bussenzettel mit einer Nummer. Man bezahlt sie entweder elektronisch im eBanking oder auf der Bank am Schalter. Wenn man innerhalb von 10 Tagen bezahlt, bekommt man noch Rabatt (ausser bei den Bussen der Kategorie A). Oft kann man die Busse gar nicht innerhalb von 10 Tagen bezahlen, da sie noch nicht im System erfasst ist. Und solange sie nicht erfasst ist, ist keine Zahlung möglich. Ich habe schon mal drei Wochen warten müssen. Den Rabatt habe ich trotzdem erhalten. Die 10 Tage gelten wohl ab Erfassungsdatum im System, nicht nach Erhalt der Busse. Damit man nicht dauernd an den Bankschalter springen oder im eBanking nachsehen muss, ob die Busse nun endlich im System ist und man sie bezahlen kann, kann man dies auch einfach hier nachschauen. Da nicht nur über die Bussennummer, sondern u.a. auch über die Placa gesucht werden kann, kann man auch schauen, ob der Nachbar Bussen hatte und falls ja, in welcher Höhe, ob er sie bezahlt (cancelada) oder bestritten (impugnado) hat und ob er bei der Bestreitung Erfolg hatte (absuelta) oder nicht (condenada) . Beim Datenschutz ist man hier noch nicht so weit. Man sehe sich mal dieses Beispiel von einem Bussensammler an. Nein, es ist nicht unser Fahrzeug, ich habe einfach eine Kontrollschild-Nummer nach Belieben eingegeben, da bei unserem jetzigen Kontrollschild der Inhalt noch leer ist (das Kontrollschild gehört in Costa Rica zum Auto, nicht zum Halter).

Leiden mit den Versicherungen

Update 20. Mai 2017:
Am 1. Mai habe ich nachgefragt, ob wir das Auto nun abholen können. Die Antwort lautete, dass das Auto entweder am Donnerstag, den 4. Mai oder am Freitag, den 5. Mai bereit sei. Am Donnerstag hiess es dann das Auto sei eventuell am Freitag, sonst am Montag, den 8. Mai bereit.
Hey, und am Montagnachmittag – nach fast 6 Wochen –  konnten Freunde von uns das Auto tatsächlich abholen. Juhui!!! Und es sei gut repariert, man sehe überhaupt nichts (Marcel und ich sind zur Zeit auf Reisen, so dass wir es selber noch nicht gesehen haben). Nach etwas mehr als 4 Monaten hat die Geschichte endlich ein Ende. Ich kann mich fast nicht erholen .

Update 29. März 2017:
Sämtliche Ersatzteile sind eingetroffen und heute konnten wir das Auto endlich zum Carrosseriespengler bringen. ABER: die Reparatur wird etwa 4 Wochen in Anspruch nehmen! Dass gewisse Dinge hier länger brauchen, daran haben wir uns ja gewöhnt. Aber das hier ist schon ein starkes Stück…

Update 23.März 2017:
Am Donnerstag, den 2. März habe ich nochmals bei der Haftpflichtversicherung des Hotels angerufen um zu wissen, wie der Stand ist. Die gute Dame am Telefon hat mir gesagt, dass sie sich erkundigen müsse, sie würde mich zurückrufen. Ich habe nachgefragt, bis wann ich denn mit dem Rückruf rechnen könne. Antwort: entweder noch am Nachmittag oder sonst am Freitag. Darauf hin habe ich beim Hotel angerufen um zu wissen, ob sie dort allenfalls mehr wüssten. Ich bekam zur Auskunft, dass  sie die Woche vorher mit ihrem Versicherungsagenten gesprochen hätten, sie würden nochmals mit ihm Rücksprache nehmen und mich zurückrufen. Auch hier habe ich nachgefragt, bis wann ich mit dem Rückruf rechnen könne. Antwort: entweder noch am Nachmittag oder sonst am Freitag. Schon komisch, dass ich von beiden Seiten die gleiche Antwort erhalten habe – als ob sie sich abgesprochen hätten, hmmmm.
Bezüglich Rückruf haben sie sich offenbar auch abgesprochen: heute, genau drei Wochen später, habe ich immer noch keinen Rückruf erhalten . Ehrlich gesagt: ich hatte es nicht anders erwartet. Wir haben unserer Autoversicherung schon informiert, dass wir das Auto über sie reparieren wollen. Dann bezahlen wir halt den Selbstbehalt. Nun das nächste Pech: die Ersatzteile sind am 22. Februar bestellt worden und auch alle eingetroffen – bis auf zwei Stück! Es ist zum Heulen   

16. Februar 2017:
Ich habe mich mit dem Thema „Versicherung“ noch nie so beschäftigt wie jetzt wo wir nicht mehr in der Schweiz leben. Schweizer sind gemäss „About Swiss“ Weltmeister in Sachen Versicherungen  <<…da die Schweizer als bestversichertes Volk der Welt zählen.>>. Es ist ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass falls etwas wäre, die Versicherung einspringt.

In Costa Rica sind mit gewissen Lebensumständen automatisch staatliche Versicherungen verknüpft. Wer die Aufenthaltsgenehmigung hat, muss sich bei der Krankenkasse Caja Costarricense de Seguro Social (CCSS) versichern. Man ist zwar „Asegurado voluntario“, aber es ist ein „Muss“ J. Mit der „jährlichen Betriebsbewilligung“ (Marchamo) für das Auto bezahlt man auch eine Personen-Haftpflicht beim Instituto Nacional de Seguros (INS).

Bei beiden Versicherungen ist die Deckung in meinen Augen sehr mager. Wer mit der CCSS versichert ist, wartet unter Umständen monatelang auf einen Arzt- bzw. Untersuchungstermin. Das Gesundheitssystem von Costa Rica ist zwar gut [1]. Nur ist das staatliche Angebot verknappt. Zum Teil werden gar keine Termine mehr gegeben. Der Patient bekommt eine Telefonnummer, wo er sich ein paar Monate später erkundigen kann, ob es wieder freie Termine hat, siehe den entsprechenden Artikel vom 6. Februar 2017 in der Zeitung „La Nación“. Bezüglich dem Wert der Haftpflichtversicherung für das Auto siehe den Blogbeitrag „Der Start“.

Wir haben deshalb Zusatzversicherungen abgeschlossen. Mit unserer privaten Krankenversicherung bekommen wir einen Arzttermin innert Wochenfrist. Allerdings stimmt es mich schon sehr nachdenklich, wenn meine Putzfrau 6 Monate auf einen Arzttermin warten muss, den ich für mich innerhalb von 3 Tagen bekomme. Und die Deckungshöhe unserer Zusatzversicherung für’s Auto bei Personenschaden ist mehrere 100 mal höher als das staatliche Minimum.

Als ich den Anwalt, der uns beim Beantragen der Aufenthaltsgenehmigung unterstützt hat, wegen einer Privat-Haftpflichtversicherung um Rat gebeten habe, hat er nur gelacht. Das gäbe es hier so nicht. Er wisse, dass wir das in Europa hätten (er ist zum Teil in Deutschland aufgewachsen), aber ein Menschenleben sei in Costa Rica nicht viel Wert. Drum gäbe es hier auch keine solchen Versicherungen für Privatpersonen. Marcel und ich sind ja nicht nur in Costa Rica unterwegs. Was ist, wenn ich nächsten Januar beim Langlaufen im Tannheimertal jemanden verletze? Ich habe deshalb noch unseren Versicherungsagenten angefragt. Der hat mir die Aussage vom Anwalt bestätigt. Internationale „Nur“-Haftpflichtversicherungen, welche Personen beliebiger Nationalität versichern, scheint es gemäss meinen Recherchen nicht zu geben. Es gibt Reiseversicherungen mit integrierter Haftpflicht – dann bezahlen wir für einen Teil, den wir nicht brauchen (wir brauchen keine Reisekrankenkasse und keine Annulationskostenversicherung). Oder man hat eine internationale Krankenkasse, welche als zusätzlichen Baustein eine Haftpflichtversicherung anbietet (z.B. April International oder MSH International). Für Schweizer scheint Soliswiss ein Angebot zu haben – allerdings mit Einschränkungen (keine Deckung im Heimatland, Rückkehrabsicht, „Altersguillotine“).

Wie gut die staatlichen Versicherungen funktionieren, dürfen wir momentan aus erster Hand miterleben. Anfangs Januar sind wir nach Parrita ins Hotel Clandestino Beach Resort gefahren, um ein paar Tage am Meer zu verbringen. Ich hatte es mir gerade am Pool gemütlich gemacht, da kommt Marcel und sagt mir, dass ein Baum auf unser Auto gefallen sei. Ich habe nur gelacht und ihm gesagt, er solle sich was Besseres einfallen lassen – schliesslich war es absolut windstill. Marcel hat insistiert und gesagt, ich solle jetzt zum Parkplatz kommen und es mir selber anschauen. Tja, da lag nun unser schönes Auto, mit einem Baumstamm seitlich eingerammt und kaputter Scheibe. Ich konnte es fast nicht fassen, wir waren erst 1.5 Stunden vorher angekommen.

Das Hotel hat uns eine Flasche Champagner gespendet und eine Schadensmeldung an seine Haftpflichtversicherung – das INS – gemacht. Da ich nicht wusste, ob ich in so einem Fall auch etwas tun muss, habe ich unseren Versicherungsagenten angerufen. Der hat mir gesagt, ich solle auf jeden Fall meine Versicherung informieren. Falls die Haftpflicht des Hotels zahlen würde, sei das gut, aber so hätte ich in jedem Fall eine Schadensdeckung. Ich fand die Aussage etwas komisch, für mich war klar, dass das ein Haftpflichtfall war. Ich habe es so ausgelegt, dass meine Versicherung auf jeden Fall zahlt, aber auf die Haftpflichtversicherung Rückgriff nimmt. Also habe ich bei der Qualitas eine Schadensmeldung gemacht. Zwei Stunden später ist ein Sachverständiger von Qualitas gekommen und hat einen Report erstellt. Mit diesem Report durften Marcel und ich dann zum Carrosseriespengler, damit der eine Schätzung des Schadens macht. Wir sind zu Larosch gegangen, da er von Nissan empfohlen wird und auch mit Qualitas zusammenarbeitet – nicht jeder Carrosseriespengler arbeitet mit jeder Versicherung zusammen – oder umgekehrt ;-). Wir mussten für die Schadensschätzung das Auto 2 Tage lang dort lassen. 10 Tage später bekommen wir von Larosch ein Mail mit der Information, dass unsere Versicherung geantwortet hätte und für die Arbeit eine Kostengutsprache von ¢887.972,08 (ca. 1700 USD) gemacht habe. Die Ersatzteile beschafft die Versicherung und liefert sie dem Carrosseriespengler. Wir müssten nur den Selbstbehalt von ¢240.000 (ca. 480 USD) direkt an den ihn, den Carrosseriespengler bezahlen. NB: Das ist in Costa Rica so üblich; der Kunde bezahlt dem Leistungserbringer den mit dem Versicherer vereinbarten Selbstbehalt und die Versicherung bezahlt dann dem Leistungserbringer den Rest. Ist auch im Spital so. Wenn das für uns okay wäre, würden sie mit der Versicherung die Reparatur des Autos koordinieren und uns melden, wann wir das Auto bringen können. Mit unserer privaten Zusatzversicherung wäre das also schon mal zackig gegangen.

Wir sahen nur nicht ein, warum wir fast 500 USD bezahlen sollten, schliesslich war der Schaden auf dem Hotelparkplatz durch einen dem Hotel gehörenden Baum verursacht worden. Also habe ich unsere Versicherung angerufen und ihnen gesagt, dass sie doch auf die Haftpflichtversicherung des Hoteliers zurückgreifen sollten. Der Mitarbeiter hat mich dann freundlich aufgeklärt, dass ich entweder die Reparatur über meine Versicherung machen könne, dann aber den Selbstbehalt bezahlen müsse, oder ich könne sie über die Haftpflichtversicherung des Hoteliers machen, dann sei meine Versicherung dafür aber nicht zuständig. Daraufhin habe ich Larosch angerufen und ihn gebeten, die Kostenschätzung an das INS zu schicken – die Schadensfallnummer hatte ich ja vom Hotelier erhalten. Larosch hat mich dann aufgeklärt, dass dies nicht ginge. Der Report, den ich ihm gegeben hätte, sei von der Qualitas gewesen. Wenn er die Schätzung an das INS zustellen müsse, brauche er ein offizielles Dokument vom INS welches ihn berechtige, die Kostenschätzung für das INS zu machen. Also habe ich im Hotel angerufen und gebeten, man möge mir den Report vom INS zustellen. Dort hat man mir gesagt, ich hätte ja ein Dokument erhalten. Gemäss Larosch war dieses Dokument aber nur die Eröffnung des Schadensfalles und nicht das, was er brauche. Nach Rücksprache mit seiner Versicherung hat mir der Hotelier gesagt, ich müsse dem INS einen Brief schreiben. Hilfeeeeeeeeeeeeeee! Inzwischen zeigte der Kalender schon den 31. Januar an!

Also habe ich unseren Versicherungsagenten erneut angerufen und um Hilfe gebeten. Ich hatte wirklich keine Ahnung, was ich der Haftpflichtversicherung des Hoteliers schreiben sollte. Unser Agent hat es noch mit seinen Mitarbeitern angeschaut. Seine Antwort: wenn wir das über die Haftpflichtversicherung des Hoteliers laufen lassen wollten, könnte dies noch lange dauern. Er würde uns empfehlen, es über unsere Versicherung laufen zu lassen und mit dem Hotelier zu schauen, dass er uns den Selbstbehalt zurückerstattet.

Ich habe also dem Hotelier geschrieben, dass wir nun schon fast einen Monat lang mit verbeultem Auto ohne hinteres Fenster herumfahren, wir schon viel Zeit investiert hätten für Telefonate, Mails und Fahrten zum Carrosseriespengler sowie 210 USD für ein Mietauto aufgewendet hätten. Und bei seiner Versicherung ein Ende noch lange nicht in Sicht sei. Wir haben ihm vorgeschlagen, dass wir das Auto über unsere Versicherung reparieren, wenn er uns unsere Kosten zurückerstattet. Wir würden dies auch in Form von Hotelgutscheinen annehmen (was den Hotelier ja wesentlich weniger kostet; zusätzlich bringt es ihm Gäste für’s Nachtessen in sein Restaurant).

Das Ergebnis war, dass mir das Hotel einen Briefentwurf für das INS zugestellt hat. In dem stand mehr oder weniger das Gleiche wie im Schreiben, welches das Hotel für die Schadensmeldung an das INS verwendet hat. Wir sollten den Brief unterschreiben und ihnen zurückschicken. Wir haben dies am 6. Februar getan. Gleichzeitig sind wir noch nach Alajuela in die Filiale des INS gefahren. Wir hofften, das Geschäft dort beschleunigen zu können. Zuerst hiess es wie üblich in Costa Rica anstehen – 45 Minuten. Nach diversen Abklärungen wollte die Dame hinter dem Schalter aber nur den Brief, den wir am Morgen abgeschickt hatten. Wir würden dann ein Mail erhalten mit der Info, wo wir das offizielle Dokument abholen könnten, welches der Carrosseriespengler braucht. Wie lange es dauern würde, bis wir das Mail erhalten würden, konnte man uns dort nicht sagen. 4.5 Wochen nachdem der Baum auf unser Auto gefallen ist, waren wir also noch nicht weiter.

Heute, am 15. Februar sind es nun 6 Wochen her, dass der Baum auf unser Auto gefallen ist. Vom INS habe ich nichts mehr gehört, also habe ich heute dort angerufen. Unseren Brief hätten sie erhalten, aber sie würden noch auf einen Brief vom Hotel warten. Ich glaub’s einfach nicht! Warum kann hier keiner von Beginn weg sagen, wer was wann machen muss? Ich habe sofort im Hotel angerufen um zu fragen, ob sie davon wüssten und wie es denn um diesen Brief stehe. Sie haben mir gesagt, dass sie den Brief gemacht hätten und ihn heute oder morgen der Versicherung übergeben würden. Dann wurde ich noch auf die langwierigen Prozesse mit den Versicherungen verwiesen, man täte, was man könne. Nun ja, als geschädigter Kunde habe ich nach 6 Wochen andere Erwartungen. Die Flasche Champagner ist keine Entschädigung für das, was wir durchmachen müssen. Und wenn Marcel und ich uns nicht immer wieder beim Hotel und dessen Versicherer erkundigen würden, ginge vermutlich überhaupt nichts. Unser Versicherungsagent hat uns heute nochmals empfohlen, es über unsere eigene Versicherung zu nehmen. Ich werde weiter berichten.

[1] http://www.who.int/healthsystems/topics/financing/healthreport/CostaRicaNo11.pdf: <<…into one of the most effectively universalized healthcare systems in Latin America, both financially and geographically, and making it reach infant mortality and life expectancy indicators comparable to those of European developed countries.>>