elmundoruefenacht

Monatliches Archiv: Januar 2016

Kalifornien im Dezember

Im Dezember haben wir uns 12 Tage Kalifornien gegönnt. Wir sind spätabends mit Alaska Airlines nach Los Angeles geflogen. In LA haben wir nur übernachtet. Ohne die Stadt gesehen zu haben merkt man, dass man in einer Grossstadt ist. Die Autobahn hat fünf bis sechs Spuren. Schön finde ich die Idee der sogenannten Pool-Lane. Auf dieser Spur dürfen nur Autos mit zwei oder mehr Passagieren fahren. Gleichzeitig gibt mir das zu denken. Denn auf den andern vier bis fünf Spuren fahren fast nur Autos mit einem Passagier drin…
Am Tag nach der Ankunft sind wir auf der Panoramastrasse von Kalifornien, der Pacific Coast Highway, nach Monterey gefahren. Die Strecke ist wunderschön, so lieblich. Mal ist man in den Hügeln, mal fährt man am Meer entlang. Wir haben See-Elefanten und Zebras gesehen. Marcel und ich waren von den Zebras überrascht, die hatten wir an der Küste Kaliforniens nicht erwartet. Später erst habe ich von Hearst Castle gehört und dass die Zebras zu diesem Anwesen gehören. Die See-Elefanten sind lustige Tiere. Sie sind riesig, langsam, liegen faul am Strand herum und röhren zwischendurch ein wenig. So abwechslungsreich wie die Natur war auch das Wetter. Sonne, Regen, Wolken und Nebel wechselten sich ab.

Monterey ist ein sehr schönes Küstenstädtchen. Am Meer entlang hat es viele Spazierwege. Die Quartiere bestehen aus schmucken Häusern. Alles wirkt ordentlich und friedlich, so richtig ’neat and tidy‘.  Mir gefällts, ich könnte mir gut vorstellen, dort zu wohnen .
Der Tourismus – zumindest zu dieser Jahreszeit – beschränkt sich vor allem auf die Gegend Fisherman’s Wharf und Cannery Row. Ist ja auch schön dort, sogar der Seelöwe strahlt einem so richtig an. Die Seemöwen wirken dekorativ, aber sie ‚verscheissen‘ alles. Was man auf dem Bild nicht sieht: die Abfalleimer werden regelmässig geputzt, damit sie nicht so verschissen aussehen…In der Cannery Row haben wir die Olive Bar besucht. Dort verkaufen sie -zig verschiedene Olivenöle und Balsamico-Essige, ähnlich wie vom Fass. Wir haben diverse Essige probiert. Der ‚Dark Chocolate Balsamico Vinegar‘ hat’s mir angetan. Wow, ist der guuut! Ich könnte ihn ‚einfach so‘ trinken. Leider konnten wir nicht mehr viel einkaufen. Die auf Amazon bestellten und ins letzte Hotel gelieferten Kaffeemaschine und Küchenmaschine mussten ja auch noch ins Gepäck ,
Wir haben im Old Monterey Inn übernachtet und es nicht bereut. Unser Zimmer hatte einen Gaskamin und war romantisch eingerichtet. Im Esszimmer kommt man sich vor wie in einem Schloss, man frühstückt mit Silberbesteck an einem grossen Tisch. Allerdings war ich froh um den Fleece, den mir Lisa zurückgelassen hatte, denn der Gaskamin im Raum vermochte das Esszimmer nicht wirklich zu heizen. Das Frühstück war phantasievoll und sehr lecker. Und der Garten mit seinen Pflanzen und Dekorationen lädt zum Verweilen ein.
In Monterey bin ich zum Coiffeur. Meine Mèches brauchten dringend eine Auffrischung, die grauen Haare gewannen die Oberhand. Ich bin sehr heikel, was meine Haarfarbe angeht. Meine Haare neigen dazu, beim Blondieren einen Rotton anzunehmen und das mag ich ganz und gar nicht. In der Schweiz hat’s auch Coiffeure gegeben, wo ich nur einmal hingegangen bin… Wie sollte ich da mein Haar einem Tico-Coiffeur anvertrauen, wo die Ticos meistens dunkelhaarig sind? Also habe ich den Coiffeur sorgfältig evaluiert, Internet sei Dank. Und mit Jodi von Siren’s Hair Design habe ich definitiv die richtige Wahl gemacht.

Von Monterey sind wir zum Sequoia Nationalpark gefahren. Im Nationalpark auf 2000m.ü.M. war es bitterkalt und wir wünschten uns die warmen Kleider herbei, die wir frei nach dem Motto ‚die braucht es in Costa Rica nicht‘ in Europa gelassen haben. Was soll’s. Die riesigen und über tausend Jahre alten Bäume sind sehr eindrücklich. Wie klein und vergänglich ist der Mensch in dieser Natur!

Die nächste Etappe führte uns durch Obstplantagen (vor allem Orangen und Zitronen, fast wie in Mallorca) und Rebberge. Wir sind via Paso Robles nach San Luis de Obispo gefahren. Auf dem wunderschönen Weingut Daou haben wir einen kleinen Halt eingelegt. Das Gut liegt auf einem Hügel und von dort hat man eine phantastische 360-Grad-Aussicht. Wir haben uns ein Glas Rotwein und ein Glas Weisswein geteilt, zu 15 USD das Glas. Als wir weggefahren sind wussten wir, warum der Wein so teuer gewesen war. Irgendwie muss sich so ein Auto ja finanzieren .

Kalifornien kämpft mit Trockenheit. Man sieht am Strassenrand bei den Obstplantagen oft entsprechende Hinweise – die Plantagen brauchen viel Wasser. Aber: no water – no jobs.
In San Luis de Obispo wird dies sehr präsent, wenn man den ‚Stadtsee‘ besucht. Der See war einmal. Nur noch die Schilder und die im Gras liegenden Boote weisen darauf hin, dass hier bis vor zwei Jahren noch ein See war. Wir sind dann nach Pismo-Beach gefahren, wo man von der Pier aus so schön den Wellen und Pelikanen zuschauen kann.

Unterwegs haben wir uns im Bed, Bath and Beyond umgesehen, einem Haushaltwarengeschäft. Nun denn, Kreativität hat keine Grenzen .

Nächste Station war Palm Springs, wo wir in der Casa Cody übernachtet haben (wie einst Charlie Chaplin). Das hat ebenfalls einen sehr schönen Garten mit Mandarinen-, Organgen-, Zitronen- und Grapefruitbäumen. Das Obst lag zum Teil einfach am Boden. Der zum Frühstück servierte Obstsaft war leider nicht frischgepresst – richtig schade, bei den schönen Früchten im Garten. Ich habe versucht, ein paar Zitronen und Grapefruits nach Costa Rica zu bringen. Auf dem Markt und in den Geschäften von Costa Rica habe ich diese Zitrusfrüchte noch nie gesehen. Zitronen habe ich erst einmal in einem privaten Garten gesehen. Tja, der Zoll in Costa Rica hat sie mir leider abgeknöpft – Import von Früchten nicht erlaubt .
Von Palm Springs haben wir einen Ausflug zu den Santa Rosa and San Jacinto Mountains National Monuments gemacht. Es ist eine landschaftlich sehr interessane Rundstrecke, von den Palmen zu den Bergen mit Pinien und zurück. In der Nähe von Palm Springs sieht man sehr viele Windräder und ganz ganz ganz ganz lange Güterzüge. Ich habe noch nie so lange Züge gesehen und ich muss sagen: sie faszinieren mich .

Die letzten Tage haben wir in Encinitas verbracht, einem schönen Küstenstädtchen. Von dort aus dem Meer entlang zu fahren ist sehr schön und ’so richtig zfride‘. Die Züge von Amtrak, welche die Strasse kreuzen, kann man nicht überhören. Zuerst das Gebimmel der Barriere, dann das Hupen des Zuges. In der Nähe möchte ich definitv nicht wohnen. Aber warum nicht ein nächstes Mal eine Strecke mit diesem Zug zurücklegen?
Bei Torrey-Pines haben wir lange zugeschaut, wie die Gleitschirme auf’s Meer hinaus starten. Ich habe mir überlegt, ob ich mir einen Tandemflug antun soll, hatte aber doch nicht den Mut.
Bei Oceanside hatte es auf der Pier wieder Pelikane. Die Tiere lassen sich durch die Touristen nicht stören, was manchen dazu verleiten könnte, die Pelikane anfassen zu wollen. Ein Schild warnt vor solcher Dummheit – wir sind schliesslich in Amerika .
Auf dem Weg Richtung LA hatten wir zum ersten Mal kurz etwas Stau. Da wir aber sehr früh Richtung Flughafen aufgebrochen sind – ich hatte noch etwas Bammel wegen der Küchenmaschine im Handgepäck – hat uns das gar nicht gestresst. Bei Laguna-Beach haben wir noch den herrlichen Sonnenuntergang genossen.
Der Rückflug kurz nach Mitternacht verlief ruhig. Mit der Zeitverschiebung sind wir gegen acht Uhr morgens gelandet, so dass wir in den frühen Morgenstunden noch einen Blick von oben auf ein eindrückliches Vulkangebiet werfen konnten.

PS: Die Kaffeemaschine im Frachtgepäck hat die Reise unbeschadet überlebt. Und eine Küchenmaschine kann man im Handgepäck transportieren (Rührschüssel und die Knet-/Rührhaken hatte ich im Frachtgepäck). Beim Röntgen hat die Flugsicherheit den Sportsack zwar ein paar Mal vor- und rückwärts durchgeleuchtet, aber am Schluss durchgelassen. Ufff!