elmundoruefenacht

Monatliches Archiv: Februar 2017

Käse – Schmatz, schmatz

Mit dem Käse ist es hier so eine Sache. Die Käserayons sehen relativ gross aus, aber für einen Käsemaudi wie mich ist die Auswahl halt doch etwas beschränkt. Es gibt im Automercado u.a. Asiago, Babybel, Cheddar, Edamer, Gouda, Maasdam und Münster zu etwa 25 bis 30 USD/kg. Das geht ja noch so. Vom Edamer gibt’s etwa 30 „Packungen“ von 6 verschiedenen Produzenten in verschiedenen Grössen, mit und ohne Kräuter. So sieht’s nach viel aus – ist aber immer nur Edamer.
Der Gruyère ist hier einer meiner Lieblingskäse, er kostet wie der Emmentaler mit ca. 45 USD/kg einfach nur etwa zweieinhalb mal soviel wie in er Schweiz. Gehen wir zum Weichkäse, gibt’s Brie für ca. 63 USD/kg und Camembert gibt’s je nach Hersteller zwischen läppischen 50 bis 80 USD/kg. Schluck .

Als ich das erste Mal vom Le Chaudron und seinem Käse hörte, war ich sehr neugierig, weil Maritza die Käseherstellung in der Schweiz gelernt hat. Sie macht sehr guten Weichkäse, mit Basilikum, mit Nüssen, mit Zwiebeln usw. Sie hat auch einen Käse „Tipo Gruyère“. Aber ausser dass es sich um einen Hartkäse handelt hat es mit Gruyère nichts zu tun. Leider . Sie produziert auch einen Raclettekäse zu etwa 34 USD/kg. Er ist etwas fettig, aber wenn der „Gluscht“ nach Raclette einem überkommt… Ihre Produkte können im Automercado gekauft werden.

Als deshalb Jürg angefragt hat, ob wir an einer Käsedegustation teilnehmen möchten, war die Antwort klar. Ich war mega-neugierig, was wir für Käse zum degustieren erhalten würden. Damit wir den Käse nicht „einfach so“ probieren mussten, habe ich eine Züpfe gebacken. Francisco und Ligia von Quesada Muñóz kamen mit einer grossen Kühlbox an und haben ausgepackt. Käse aus Kuh- und Käse aus Ziegenmilch. Brie, Camembert, Tomme, Hartkäse mit und ohne Pfefferkörner. Das sehr sympathische Paar produziert auch noch anderen Käse, unter anderem einen Tilsiter. Der war aber noch nicht genügend gereift und drum konnten wir ihn nicht probieren. Seeehr schade. Denn die Käse, welche wir probieren durften, lassen hohe Erwartungen aufkommen. Der Brie war einfach nur ein Traaum ! Aber auch die andern Käse waren sehr lecker, wir haben von allem gekauft, was da war. Der Feta ist nicht so stark gesalzen wie sonst üblich, mir passt er so sehr gut. Wer von dem Käse kaufen möchte, kann anrufen und ihn bestellen (siehe Visitenkarte auf dem Foto unten mit Telefonnummern und Email-Adresse), sie liefern regelmässig nach Atenas. Francisco und Ligia produzieren seit über 30 Jahren Käse, es gibt auch ein Video in Youtube über die beiden. Preislich bewegen sich ihre Produkte zwischen 25 und 30 USD/kg – auch der Brie! Ein echtes Schnäppchen oder ?

Ich kann nur sagen: diesen Käse müsst ihr koofen. Und wenn jemand Lust hat, ihnen bei der Vermarktung unter die Arme zu greifen –  ich glaube, die wären ganz schön froh.

 

 

Besuch einer Ananasplantage

Costa Rica gehört zu den Hauptproduzenten von Ananas. Im Januar haben wir die Gelegenheit gehabt, die Ananasplantage „Hacienda Roswitha“ zu besuchen. Freunde von uns haben über Thurgau Travel eine Reise nach Costa Rica gebucht. Im Rahmen dieser Reise war u.a. der Besuch der Plantage vorgesehen und Stéphane Dähler, der Reiseleiter, hat uns ganz spontan zum Plantagenbesuch eingeladen. Megalieb! Übrigens: Stéphane Dähler ist einer der Söhne von Ananaskönig Johann Dähler, siehe die spannende Lebensgeschichte als SRF-Dok  „Der Triumph des Ananaskönigs“.

So sind wir frühmorgens von Atenas am Vulkan Poás vorbei nach Puerto Viejo de Sarapiqui gefahren, wo der Treffpunkt war. Der Vulkan zeigte sich von seiner besten Seite, kein Wölklein und endlose Weitsicht. Die Strecke nach Puerto Viejo ist ebenfalls sehr schön. Mit der Gruppe sind wir zur Ananasplantage gefahren. Wo das Auge hinschaut, alles nur Ananaspflanzen. Auf dem Feld durften wir als erstes eine frisch geerntete Ananas kosten – saftig, süss, gut temperiert: einfach köstlich! Es erinnert mich an Cherrytomaten, welche am besten sind, wenn man sie an einem schönen Sommertag direkt vom Strauch isst

Wir haben einiges über die Ananas und ihre Zucht gelernt. Die Ananas entsteht aus einem Blütenstand. Es dauert über ein Jahr, bis die Ananaspflanze gross genug ist, blüht, die Frucht bildet und endlich geerntet werden kann. Damit das ganze Jahr über geerntet werden kann, werden die Pflanzen mit einem Produkt bespritzt, welches das Wachstum steuert. Mit einem „Schwangerschaftstest“ (aufschneiden der Pflanze) wird geprüft, ob genügend Pflanzen „schwanger“ geworden sind, sonst wird nachgespritzt. So hat die Plantage verschiedene Bereiche mit Pflanzen in unterschiedlichen Wachstumsphasen. Alles wird nachvollziehbar notiert, für jede Ananas kann genau gesagt werden, wann und wo sie gepflanzt worden ist, wann und womit sie behandelt worden ist und wann sie geerntet worden ist.

Die Ernte ist eine harte Arbeit. Die Ananas ist eine empfindliche Frucht, die Ernte erfolgt von Hand und die Arbeiter bewegen sich zwischen den spitzen Blättern der Ananaspflanze. Zum Teil kommt noch grosse Hitze dazu. Die Arbeit wird in Costa Rica oft von Nicaraguanern wahrgenommen. Die Frucht wird vom Arbeiter auf das Fliessband gelegt, welches am Traktor mit Anhänger festgemacht ist. Im Anhänger werden die Früchte sauber gestapelt, Frucht auf Krone. Dann geht es zurück zur Verarbeitungsstation. Die Früchte werden vom Anhänger in ein Wasserbad gekippt. So nehmen sie keinen Schaden. Von dort geht es auf ein Fliessband, wo überreife, beschädigte, nicht wohlgeformte Früchte von Arbeitern aussortiert werden. Den Früchten mit einer krummen Krone wird die Krone abgeschnitten. Erstens „wollen“ wir Konsumenten ja perfekt aussehende Früchte – dazu gehört auch, dass die Ananas behandelt wird, damit sie gelb aussieht – und zweitens können Ananas mit einer krummen Krone nicht gut in den Kartons gestapelt werden. Apropos gelbe Farbe: Ananas werden immer reif gepflückt, da sie nicht nachreifen. Die Ananas wäre eher grün, aber dann hätten wir das Gefühl, die Frucht sei nicht reif und würden sie nicht kaufen. Drum wird nachgeholfen.
Danach bekommen sie für die Reise noch eine Wachsbehandlung. In der nächsten Station werden die Früchte sortiert, einerseits nach Grösse, andererseits ob mit oder ohne Krone. Jeder Arbeiter hat verschiedene Kartons neben sich. In Sekundenschnelle muss er die Grösse (Gewicht) der Ananas erkennen und jeden Karton mit Früchten der gleichen Grösse befüllen. Bei Grösse 6 passen 6 Ananas in die Kiste, bei Grösse 10 passen 10 rein, usw. In der nächsten Station werden die Kisten auf Paletten gestapelt, verpackt und dann ab mit dem Lastwagen zum Hafen. Pro Woche werden etwa 300 bis 400 Tonnen Ananas verarbeitet. Zu Spitzenzeiten wie etwa Weihnachten verlassen auch mal pro Tag 300 Tonnen Ananas die Plantage.

Die Ananaspflanze selber produziert gegen Ende der Blütezeit Ableger. Diese werden nach der Ernte von der Mutterpflanze entfernt und neu eingepflanzt. Und etwas mehr als ein Jahr später gibt es dann wieder eine süsse Frucht. Die Mutterpflanze selber wird zurückgeschnitten und bildet sich dann wieder neu.

Wenn wir in Atenas auf dem lokalen Markt Ananas einkaufen – die haben oft krumme Kronen  – fragt uns der Verkäufer immer, ob er die Krone abnehmen soll. Wir verneinen dies, denn wir pflanzen die Krone in unserer eigenen Mini-Plantage ein. In ein paar Monaten, wenn die Pflanzen gross genug sind, werden wir sie „stressen“ müssen, damit sie eine Blüte bildet. Gemäss Stéphane sollen wir entweder Eiswürfel in den Kern der Pflanze schütten oder über Nacht einen Apfel drauflegen. Der Apfel gibt das Gas Ethylen ab, welches in den Früchten für deren Reifung verantwortlich ist und welches auch die Blütenbildung bei den Bromelien – die Ananaspflanze gehört dazu – unterstützt. Gut haben wir die Ananasplantage besucht, sonst hätten wir diesen Trick nicht gekannt. Unsere Pflanzen wären dann zwar immer schön gewachsen, aber hätten vielleicht jahrelang nicht geblüht und damit keine Früchte gemacht. So dürfen wir hoffen, dass wir gegen Ende Jahr bzw. anfangs nächsten Jahres die ersten Früchte ernten können. Erst noch bio .

Nach der Ananasplantage haben wir noch die Zucht von indischen Wasserbüffeln von Dählers besucht. Deren Fleisch wird im Automercado verkauft, mit der Milch wurden erste Versuche der Herstellung von Mozzarella gestartet. Da die Ananaspflanze nicht gerne „nasse Füsse“ hat, ist das Gelände hügelig. Im „Tal unten“, wo sich das Wasser sammelt, können die Wasserbüffel sich suhlen und gehackte Ananaskronen essen. So sind sie eine gute Ergänzung zur Ananasplantage.

Für den Nachhauseweg haben Marcel und ich dann die Ruta 32 gewählt. Diese führt durch den Nationalpark Braulio Carrillo. Eine sehr schöne und absolut empfehlenswerte Strecke.