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Monatliches Archiv: Mai 2017

Leiden mit den Versicherungen

Update 20. Mai 2017:
Am 1. Mai habe ich nachgefragt, ob wir das Auto nun abholen können. Die Antwort lautete, dass das Auto entweder am Donnerstag, den 4. Mai oder am Freitag, den 5. Mai bereit sei. Am Donnerstag hiess es dann das Auto sei eventuell am Freitag, sonst am Montag, den 8. Mai bereit.
Hey, und am Montagnachmittag – nach fast 6 Wochen –  konnten Freunde von uns das Auto tatsächlich abholen. Juhui!!! Und es sei gut repariert, man sehe überhaupt nichts (Marcel und ich sind zur Zeit auf Reisen, so dass wir es selber noch nicht gesehen haben). Nach etwas mehr als 4 Monaten hat die Geschichte endlich ein Ende. Ich kann mich fast nicht erholen .

Update 29. März 2017:
Sämtliche Ersatzteile sind eingetroffen und heute konnten wir das Auto endlich zum Carrosseriespengler bringen. ABER: die Reparatur wird etwa 4 Wochen in Anspruch nehmen! Dass gewisse Dinge hier länger brauchen, daran haben wir uns ja gewöhnt. Aber das hier ist schon ein starkes Stück…

Update 23.März 2017:
Am Donnerstag, den 2. März habe ich nochmals bei der Haftpflichtversicherung des Hotels angerufen um zu wissen, wie der Stand ist. Die gute Dame am Telefon hat mir gesagt, dass sie sich erkundigen müsse, sie würde mich zurückrufen. Ich habe nachgefragt, bis wann ich denn mit dem Rückruf rechnen könne. Antwort: entweder noch am Nachmittag oder sonst am Freitag. Darauf hin habe ich beim Hotel angerufen um zu wissen, ob sie dort allenfalls mehr wüssten. Ich bekam zur Auskunft, dass  sie die Woche vorher mit ihrem Versicherungsagenten gesprochen hätten, sie würden nochmals mit ihm Rücksprache nehmen und mich zurückrufen. Auch hier habe ich nachgefragt, bis wann ich mit dem Rückruf rechnen könne. Antwort: entweder noch am Nachmittag oder sonst am Freitag. Schon komisch, dass ich von beiden Seiten die gleiche Antwort erhalten habe – als ob sie sich abgesprochen hätten, hmmmm.
Bezüglich Rückruf haben sie sich offenbar auch abgesprochen: heute, genau drei Wochen später, habe ich immer noch keinen Rückruf erhalten . Ehrlich gesagt: ich hatte es nicht anders erwartet. Wir haben unserer Autoversicherung schon informiert, dass wir das Auto über sie reparieren wollen. Dann bezahlen wir halt den Selbstbehalt. Nun das nächste Pech: die Ersatzteile sind am 22. Februar bestellt worden und auch alle eingetroffen – bis auf zwei Stück! Es ist zum Heulen   

16. Februar 2017:
Ich habe mich mit dem Thema „Versicherung“ noch nie so beschäftigt wie jetzt wo wir nicht mehr in der Schweiz leben. Schweizer sind gemäss „About Swiss“ Weltmeister in Sachen Versicherungen  <<…da die Schweizer als bestversichertes Volk der Welt zählen.>>. Es ist ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass falls etwas wäre, die Versicherung einspringt.

In Costa Rica sind mit gewissen Lebensumständen automatisch staatliche Versicherungen verknüpft. Wer die Aufenthaltsgenehmigung hat, muss sich bei der Krankenkasse Caja Costarricense de Seguro Social (CCSS) versichern. Man ist zwar „Asegurado voluntario“, aber es ist ein „Muss“ J. Mit der „jährlichen Betriebsbewilligung“ (Marchamo) für das Auto bezahlt man auch eine Personen-Haftpflicht beim Instituto Nacional de Seguros (INS).

Bei beiden Versicherungen ist die Deckung in meinen Augen sehr mager. Wer mit der CCSS versichert ist, wartet unter Umständen monatelang auf einen Arzt- bzw. Untersuchungstermin. Das Gesundheitssystem von Costa Rica ist zwar gut [1]. Nur ist das staatliche Angebot verknappt. Zum Teil werden gar keine Termine mehr gegeben. Der Patient bekommt eine Telefonnummer, wo er sich ein paar Monate später erkundigen kann, ob es wieder freie Termine hat, siehe den entsprechenden Artikel vom 6. Februar 2017 in der Zeitung „La Nación“. Bezüglich dem Wert der Haftpflichtversicherung für das Auto siehe den Blogbeitrag „Der Start“.

Wir haben deshalb Zusatzversicherungen abgeschlossen. Mit unserer privaten Krankenversicherung bekommen wir einen Arzttermin innert Wochenfrist. Allerdings stimmt es mich schon sehr nachdenklich, wenn meine Putzfrau 6 Monate auf einen Arzttermin warten muss, den ich für mich innerhalb von 3 Tagen bekomme. Und die Deckungshöhe unserer Zusatzversicherung für’s Auto bei Personenschaden ist mehrere 100 mal höher als das staatliche Minimum.

Als ich den Anwalt, der uns beim Beantragen der Aufenthaltsgenehmigung unterstützt hat, wegen einer Privat-Haftpflichtversicherung um Rat gebeten habe, hat er nur gelacht. Das gäbe es hier so nicht. Er wisse, dass wir das in Europa hätten (er ist zum Teil in Deutschland aufgewachsen), aber ein Menschenleben sei in Costa Rica nicht viel Wert. Drum gäbe es hier auch keine solchen Versicherungen für Privatpersonen. Marcel und ich sind ja nicht nur in Costa Rica unterwegs. Was ist, wenn ich nächsten Januar beim Langlaufen im Tannheimertal jemanden verletze? Ich habe deshalb noch unseren Versicherungsagenten angefragt. Der hat mir die Aussage vom Anwalt bestätigt. Internationale „Nur“-Haftpflichtversicherungen, welche Personen beliebiger Nationalität versichern, scheint es gemäss meinen Recherchen nicht zu geben. Es gibt Reiseversicherungen mit integrierter Haftpflicht – dann bezahlen wir für einen Teil, den wir nicht brauchen (wir brauchen keine Reisekrankenkasse und keine Annulationskostenversicherung). Oder man hat eine internationale Krankenkasse, welche als zusätzlichen Baustein eine Haftpflichtversicherung anbietet (z.B. April International oder MSH International). Für Schweizer scheint Soliswiss ein Angebot zu haben – allerdings mit Einschränkungen (keine Deckung im Heimatland, Rückkehrabsicht, „Altersguillotine“).

Wie gut die staatlichen Versicherungen funktionieren, dürfen wir momentan aus erster Hand miterleben. Anfangs Januar sind wir nach Parrita ins Hotel Clandestino Beach Resort gefahren, um ein paar Tage am Meer zu verbringen. Ich hatte es mir gerade am Pool gemütlich gemacht, da kommt Marcel und sagt mir, dass ein Baum auf unser Auto gefallen sei. Ich habe nur gelacht und ihm gesagt, er solle sich was Besseres einfallen lassen – schliesslich war es absolut windstill. Marcel hat insistiert und gesagt, ich solle jetzt zum Parkplatz kommen und es mir selber anschauen. Tja, da lag nun unser schönes Auto, mit einem Baumstamm seitlich eingerammt und kaputter Scheibe. Ich konnte es fast nicht fassen, wir waren erst 1.5 Stunden vorher angekommen.

Das Hotel hat uns eine Flasche Champagner gespendet und eine Schadensmeldung an seine Haftpflichtversicherung – das INS – gemacht. Da ich nicht wusste, ob ich in so einem Fall auch etwas tun muss, habe ich unseren Versicherungsagenten angerufen. Der hat mir gesagt, ich solle auf jeden Fall meine Versicherung informieren. Falls die Haftpflicht des Hotels zahlen würde, sei das gut, aber so hätte ich in jedem Fall eine Schadensdeckung. Ich fand die Aussage etwas komisch, für mich war klar, dass das ein Haftpflichtfall war. Ich habe es so ausgelegt, dass meine Versicherung auf jeden Fall zahlt, aber auf die Haftpflichtversicherung Rückgriff nimmt. Also habe ich bei der Qualitas eine Schadensmeldung gemacht. Zwei Stunden später ist ein Sachverständiger von Qualitas gekommen und hat einen Report erstellt. Mit diesem Report durften Marcel und ich dann zum Carrosseriespengler, damit der eine Schätzung des Schadens macht. Wir sind zu Larosch gegangen, da er von Nissan empfohlen wird und auch mit Qualitas zusammenarbeitet – nicht jeder Carrosseriespengler arbeitet mit jeder Versicherung zusammen – oder umgekehrt ;-). Wir mussten für die Schadensschätzung das Auto 2 Tage lang dort lassen. 10 Tage später bekommen wir von Larosch ein Mail mit der Information, dass unsere Versicherung geantwortet hätte und für die Arbeit eine Kostengutsprache von ¢887.972,08 (ca. 1700 USD) gemacht habe. Die Ersatzteile beschafft die Versicherung und liefert sie dem Carrosseriespengler. Wir müssten nur den Selbstbehalt von ¢240.000 (ca. 480 USD) direkt an den ihn, den Carrosseriespengler bezahlen. NB: Das ist in Costa Rica so üblich; der Kunde bezahlt dem Leistungserbringer den mit dem Versicherer vereinbarten Selbstbehalt und die Versicherung bezahlt dann dem Leistungserbringer den Rest. Ist auch im Spital so. Wenn das für uns okay wäre, würden sie mit der Versicherung die Reparatur des Autos koordinieren und uns melden, wann wir das Auto bringen können. Mit unserer privaten Zusatzversicherung wäre das also schon mal zackig gegangen.

Wir sahen nur nicht ein, warum wir fast 500 USD bezahlen sollten, schliesslich war der Schaden auf dem Hotelparkplatz durch einen dem Hotel gehörenden Baum verursacht worden. Also habe ich unsere Versicherung angerufen und ihnen gesagt, dass sie doch auf die Haftpflichtversicherung des Hoteliers zurückgreifen sollten. Der Mitarbeiter hat mich dann freundlich aufgeklärt, dass ich entweder die Reparatur über meine Versicherung machen könne, dann aber den Selbstbehalt bezahlen müsse, oder ich könne sie über die Haftpflichtversicherung des Hoteliers machen, dann sei meine Versicherung dafür aber nicht zuständig. Daraufhin habe ich Larosch angerufen und ihn gebeten, die Kostenschätzung an das INS zu schicken – die Schadensfallnummer hatte ich ja vom Hotelier erhalten. Larosch hat mich dann aufgeklärt, dass dies nicht ginge. Der Report, den ich ihm gegeben hätte, sei von der Qualitas gewesen. Wenn er die Schätzung an das INS zustellen müsse, brauche er ein offizielles Dokument vom INS welches ihn berechtige, die Kostenschätzung für das INS zu machen. Also habe ich im Hotel angerufen und gebeten, man möge mir den Report vom INS zustellen. Dort hat man mir gesagt, ich hätte ja ein Dokument erhalten. Gemäss Larosch war dieses Dokument aber nur die Eröffnung des Schadensfalles und nicht das, was er brauche. Nach Rücksprache mit seiner Versicherung hat mir der Hotelier gesagt, ich müsse dem INS einen Brief schreiben. Hilfeeeeeeeeeeeeeee! Inzwischen zeigte der Kalender schon den 31. Januar an!

Also habe ich unseren Versicherungsagenten erneut angerufen und um Hilfe gebeten. Ich hatte wirklich keine Ahnung, was ich der Haftpflichtversicherung des Hoteliers schreiben sollte. Unser Agent hat es noch mit seinen Mitarbeitern angeschaut. Seine Antwort: wenn wir das über die Haftpflichtversicherung des Hoteliers laufen lassen wollten, könnte dies noch lange dauern. Er würde uns empfehlen, es über unsere Versicherung laufen zu lassen und mit dem Hotelier zu schauen, dass er uns den Selbstbehalt zurückerstattet.

Ich habe also dem Hotelier geschrieben, dass wir nun schon fast einen Monat lang mit verbeultem Auto ohne hinteres Fenster herumfahren, wir schon viel Zeit investiert hätten für Telefonate, Mails und Fahrten zum Carrosseriespengler sowie 210 USD für ein Mietauto aufgewendet hätten. Und bei seiner Versicherung ein Ende noch lange nicht in Sicht sei. Wir haben ihm vorgeschlagen, dass wir das Auto über unsere Versicherung reparieren, wenn er uns unsere Kosten zurückerstattet. Wir würden dies auch in Form von Hotelgutscheinen annehmen (was den Hotelier ja wesentlich weniger kostet; zusätzlich bringt es ihm Gäste für’s Nachtessen in sein Restaurant).

Das Ergebnis war, dass mir das Hotel einen Briefentwurf für das INS zugestellt hat. In dem stand mehr oder weniger das Gleiche wie im Schreiben, welches das Hotel für die Schadensmeldung an das INS verwendet hat. Wir sollten den Brief unterschreiben und ihnen zurückschicken. Wir haben dies am 6. Februar getan. Gleichzeitig sind wir noch nach Alajuela in die Filiale des INS gefahren. Wir hofften, das Geschäft dort beschleunigen zu können. Zuerst hiess es wie üblich in Costa Rica anstehen – 45 Minuten. Nach diversen Abklärungen wollte die Dame hinter dem Schalter aber nur den Brief, den wir am Morgen abgeschickt hatten. Wir würden dann ein Mail erhalten mit der Info, wo wir das offizielle Dokument abholen könnten, welches der Carrosseriespengler braucht. Wie lange es dauern würde, bis wir das Mail erhalten würden, konnte man uns dort nicht sagen. 4.5 Wochen nachdem der Baum auf unser Auto gefallen ist, waren wir also noch nicht weiter.

Heute, am 15. Februar sind es nun 6 Wochen her, dass der Baum auf unser Auto gefallen ist. Vom INS habe ich nichts mehr gehört, also habe ich heute dort angerufen. Unseren Brief hätten sie erhalten, aber sie würden noch auf einen Brief vom Hotel warten. Ich glaub’s einfach nicht! Warum kann hier keiner von Beginn weg sagen, wer was wann machen muss? Ich habe sofort im Hotel angerufen um zu fragen, ob sie davon wüssten und wie es denn um diesen Brief stehe. Sie haben mir gesagt, dass sie den Brief gemacht hätten und ihn heute oder morgen der Versicherung übergeben würden. Dann wurde ich noch auf die langwierigen Prozesse mit den Versicherungen verwiesen, man täte, was man könne. Nun ja, als geschädigter Kunde habe ich nach 6 Wochen andere Erwartungen. Die Flasche Champagner ist keine Entschädigung für das, was wir durchmachen müssen. Und wenn Marcel und ich uns nicht immer wieder beim Hotel und dessen Versicherer erkundigen würden, ginge vermutlich überhaupt nichts. Unser Versicherungsagent hat uns heute nochmals empfohlen, es über unsere eigene Versicherung zu nehmen. Ich werde weiter berichten.

[1] http://www.who.int/healthsystems/topics/financing/healthreport/CostaRicaNo11.pdf: <<…into one of the most effectively universalized healthcare systems in Latin America, both financially and geographically, and making it reach infant mortality and life expectancy indicators comparable to those of European developed countries.>>

Der Hausbau

In diesem Beitrag berichte ich über unseren Hausbau. Ich werde den Beitrag regelmässig aktualisieren, bis der Bau fertig ist.

12. Mai 2017:
Ja, ich bin mit dem Blog im Verzug. Wir sind anfangs November in unser Haus eingezogen und haben uns bestens eingelebt. Wir geniessen das Haus, den Pool und den Garten. Auch wenn es momentan ausser Kräutern noch nicht viel zu ernten gibt . Die vielen Fruchtbäume müssen schliesslich noch anwachsen. Die Regenzeit ist hierbei sicher hilfreich.
Nachfolgend ein kurzer Überblick, was zwischen Juni und November 2016 geschah.
Der Sicherungskasten wurde eingebaut. Die Leitungen für die Steckdosen und das Wasser wurden verlegt, Armierungseisen gelegt und der Boden anschliessend mit Beton gegossen. Später wurde der Boden gefliest, inkl. Terrasse.

Dann wurde der Seidenlack für die schöne Holzdecke aufgetragen und die Wände in den Badezimmern gefliest.

Derweilen wurde draussen weiter gearbeitet. Die Pooltreppe wurde gebaut und die Kanten des Poolbodens abgerundet. Zum Reinigen des Pools ist dies definitiv einfacher. Wasserzu- und Ablauf für den Pool wurden gelegt.

Die Aussentreppe wurde gebaut, die Dachrinne montiert und der Aussenbereich gefliest. Und schliesslich wurde der Pool gefliest. Ist er nicht schön mit seinen blauen Mosaiksteinchen?

Im September/Oktober ging es dann hack auf hack. Das Haus bekam Fenster mit Dekoelementen und Türen. Das Dach wurde mit Ziegeln bedeckt. Das hat sich bewährt. In der Regenzeit ist es nicht laut und im März, als es so richtig heiss war (ca. 35 Grad draussen) war es drinnen max. 30 Grad, obwohl wir die Terrassentüren offen hatten. Dann wurden die Küche und die Möbel geliefert, die alle vom Küchenbauer nach unseren Wünschen gefertigt worden sind. Man staune ab der hohen Beladung des Fahrzeuges ;-). Das Haus bekam seinen Innen- und Aussenanstrich und dann konnten die Küchen- und Badezimmermöbel montiert werden.

Am 4. November sind wir eingezogen. Drinnen war alles fertig, aber es mussten noch einige Umgebungsarbeiten erledigt werden. Die Zufahrt zum Haus wurde mit Kies belegt – damit wir in der Regenzeit mit dem Auto nicht durch den Matsch müssen . Um’s restliche Haus und um den Pool herum haben wir Rasen verlegt. Dies, damit die in der Trockenzeit oft auftretenden Winde uns nicht die ganze staubige Erde in den Pool und ins Haus rein wehen. Verrückt, was so ein bisschen Rasen ausmacht, gell? Und es wurden noch Palmen, Fruchtbäume und eine Hecke mit Pavones gesetzt. Marcel hat in der Trockenzeit im Schnitt wohl 2 Stunden pro Tag gewässert. Dabei hatten wir noch Glück. Im Dezember hat es an Weihnachten das letzte Mal geregnet, was sehr spät ist. Normalerweise fällt der letzte Regen kurz vor Mitte Dezember. Und Anfangs April hat es schon wieder angefangen zu regnen. Normalerweise beginnt die Regenzeit erst im Mai. Für unseren Garten war das perfekt .

Na ja, wir finden, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wir jedenfalls sind höchst zufrieden. Ein grosses Dankeschön für Bernhard, unseren Baumeister und seine Mitarbeiter.

 

19. Juni 2016:
In der letzten Zeitperiode fanden viele Arbeiten parallel statt. Als die Dachpappe und die Dachlatten drauf waren, kam die Elektroinstallation für die Schalter und Deckenlampen auf’s Dach. Die Lage der später noch einzubauenden Deckenspots wurde innen an der Decke markiert, für die Deckenlampen/Deckenventilatoren sind die Kabel sichtbar. Im „Kabelsalat“, welcher zum noch einzubauenden Sicherungskasten führt, sind alle Kabel säuberlich beschriftet. Nach der Elektroinstallation kam das Blech drauf.

Innen und aussen wurde der Grundputz aufgetragen und der Küchenbauer hat in seinem Atelier mit der Küche und den Badmöbeln begonnen.

Der Septiktank wurde fertig gebaut und die Leitungen für die WC-Spülung zum Septiktank wurden verlegt. Die Leitung des Gäste-WC geht unter dem Gästezimmer und quer durch die Terrasse durch. Jedes WC verfügt über seine eigene Leitung zum Septiktank. Würden die Leitungen vorher zusammengeführt, würde beim Spülen des einen WC’s das Wasser vom andern WC abgezogen (man lernt nie aus ).

Auf der Terrasse und im Carport wurde die „viga americana“ verkleidet, so dass die Metallkonstruktion nicht mehr sichtbar ist. Innen wurde damit begonnen, die Mauer für das Verlegen der Steckdosen und der Wasserleitungen aufzuspitzen.

Der Wassertank und das Pumpenhaus wurden fertig gestellt und mit dem Bau des Pools wurde begonnen. Die Armierungseisen, welche etwas versetzt vom Poolrand sichtbar sind, dienen dem Bau der Stufen, welche in den Pool führen werden. Der Bau des Pools folgt eigentlich dem gleichen Prinzip wie der Bau des Hauses. Der Pool wird durch zwei Unterwasserlampen beleuchtet werden.

Mit den ersten Gartenarbeiten – dem Pflanzen der Hecke mit „Pingo d’oro“ – wurde auch schon begonnen.

Stand 160609-4

Stand 160609-4

 

06. Mai 2016:
Mitte März ist es mit dem Dach losgegangen – und wir sind immer noch beim Dach . Puhhh, es braucht Geduld…Anfangs April wurden die letzten Dachbalken gestrichen und gesetzt. Die aufgesetzten Balken wurden nun einbetoniert bzw. die Mauer wurde überall auf die Höhe der Balken geschlossen – wie immer alles mit Baustahlgitter verbunden/stabilisiert. Aussen wurden die Balken auf die gleiche Aussenlinie geschnitten. Die ersten „Deckenbrettchen“ (Täfer) wurden gesetzt. Die Menge an Brettchen, welche am 7. April darauf wartete, auf’s Dach zu kommen lässt erahnen, wie gross die Dachfläche ist. Und jedes dieser Brettchen muss geschliffen, gestrichen und auf dem Dach zugeschnitten werden (die Brettchen enden alle auf einem Dachbalken). Ganz schön viel Arbeit.
Als das Schlafzimmer fast fertig gedeckt war, bekamen wir einen ersten Eindruck davon, wie das Ganze wirken wird,  Auf’s Dach kommt man über selber hergestellte Leitern oder zusammen gezimmerte Innengerüste .

Gleichzeitig zum Setzen der Deckenbrettchen wurde Teerpappe montiert. Sie schützt das Holz vor Nässe. Die vereinzelten Regengüsse, welche eingesetzt haben (die Regenzeit naht), können dem Holz nicht mehr zusetzen. Die Dachbalken wurden derweil mit Plastik gegen den Regen geschützt.

Auf die Teerpappe kamen die Dachlatten. An diesen wird später das Metalldach fixiert werden. Vorher muss die ganze Elektroinstallation für die Deckenlampen und Schalter erfolgen. Diese Woche haben wir mit Bernhard besprochen, wo genau die Lampen montiert werden sollen. Der Elektriker muss die Kabel genau an diese Stellen führen und ein Loch durchs Holz machen. Eigentlich hatten wir überall eingebaute Deckenspots geplant. Aber im Bereich Küche/Wohnen/Essen ist das Dach relativ verwinkelt – siehe Bild Nummer drei oben vom 22. April, es zeigt das Dach oberhalb der Küche/Küchenbar. Die Spots würden nicht dorthin zünden, wo das Licht gebraucht wird (ausser man neigt die Spots; wenn aber jeder Spot etwas anders geneigt ist, sieht das nicht schön aus). Kurzum: wir sind Lampen einkaufen gegangen .
Für die Küche haben wir beim Granit auf „Amarone“ umgestellt. Wir konnten unsere zwei Platten beim Händler auswählen.

Asdrubal, unser Architekt, hat vor zwei Wochen die Baustelle inspiziert und er war zufrieden. Die Arbeit und die Qualität der eingesetzten Materialien stimmen.

Inspektion durch Architekt

Inspektion durch Architekt

Natürlich wurde auch am Pumpenhaus/Wassertank weitergearbeitet. Der Wassertank hat keine Tür, aber einen Zugang von oben. Er hat innen einen wasserfesten Spezialverputz.

Und beim Pool wurde heute der „Ablauf“ ausgegraben. So kann der Pool mit dem natürlichen Gefälle geleert werden, ohne die Wasserpumpe zu benutzen.

Stand 160506

Stand 160506

Per Zufall habe ich festgestellt, dass Google Maps ziemlich aktuell ist. Unsere Baustelle ist zu sehen. Das weisse Viereck ist die Bauhütte der Arbeiter, man sieht die Grundrisse des Hauses und das Loch für den Pool.

Baustelle in Google Maps

Baustelle in Google Maps

 

 

22. März 2016:
Nachdem die Wände alle bis zur Fenster- bzw. Türhöhe fertig und miteinander „verbunden“ waren, kam die sogenannte „viga corona“ drauf. Diese besteht ebenfalls aus Baustahlgitter, welches mit Beton aufgefüllt wird. Sie verläuft über alle Innen- und Aussenmauern. In der Schweiz würde man über die Fenster bzw. Türen einen sogenannten „Sturz“ anbringen. Die für die Erstellung der viga corona benötigten Stützen werden wie gewohnt selber aus Holz zusammen gezimmert. Warum Stahlstützen, wenn es auch so geht? Und diese Holzkonstruktionen werden sicher nicht gestohlen .
Bevor die Baustahlgitter mit Beton gefüllt werden empfiehlt es sich, eine Überprüfung mit dem Elektroplan zu machen und sicher zu stellen, dass überall dort wo ein Lichtschalter oder eine höher gelegene Steckdose gebraucht wird (z.B. für Wandfernseher, Sicherheitskamera, Wandlampe, Weihnachtslichterkette an Dachkante – die Ticos und ich lieben diesen Weihnachts-Bling-Bling), auch ein Rohr in der Wand ist. Denn diese Zuleitungen erfolgen über das Dach. Die Zuleitungen für die bodennahen Steckdosen erfolgen über den Boden. Geht etwas vergessen, muss die Wand aufgespitzt, das Rohr eingelegt und mit Zement zugepflastert werden.
Gleichzeitig wurde mit den Arbeiten für den Carport und die Terrasse begonnen. Das Loch für das Fundament (zwecks Verbindung der Betonpfeiler von Carport bzw. Terrasse mit dem Haus) wurde von Hand ausgehoben. Eine richtige Knochenarbeit wenn man bedenkt, wie heiss es hier ist (ca. 28 bis 32 Grad). Überhaupt ist das Arbeiten bei diesen Temperaturen und dem zur Zeit herrschenden Wind, welcher einem die staubtrockene Erde in die Augen und die Nase bläst, kein Zuckerschlecken. In der Bauarbeiter-Hütte (aus Holz und Wellblech hergestellt, auch „Hühnerstall“ genannt) ist es nicht kühler.

Bevor es mit dem Dachstuhl losgehen konnte, mussten die Wände zur First hochgezogen werden. Weil noch kein Boden im Haus ist, wirkt alles enorm hoch. Das Holz für den Dachstuhl wurde geschliffen und bekam einen ersten Anstrich. Einen weiteren Anstrich (Klarlack Satin) gibt’s am Schluss. Es ist schon erstaunlich, das so ein paar „Holzlatten“ die spätere Last der ganzen Ziegel mit darunter liegendem Blechdach zu tragen vermögen.
Um das Dach beim Carport und der Terrasse zu machen, musste die „viga americana“ gebaut werden. Das ist eine Metallkonstruktion, welche das Haus mit den Betonpfeilern verbindet. Sie wird bei uns am Schluss nicht sichtbar sein, da wir sie verkleiden und verputzen lassen werden.
Mit dem Bau des Pumpenhauses (für Wassertank, Wasserpumpe und Poolpumpe) ist jetzt ebenfalls begonnen worden. Da an dieser Stelle der Boden aus hartem Felsen besteht, wurde eine Betonplatte als Fundament gegossen.

Noch ein paar Worte zum Dach: In Costa Rica werden Häuser oft mit einem Blechdach, welches wie ein Ziegeldach aussieht, gebaut. Das ist günstig und es fällt nicht auf, dass es sich nicht um Ziegel handelt. Wir wohnen heute in so einem Haus. In der Regenzeit prasselt der Regen auf das Blechdach und macht einen Höllenlärm, so dass man sein eigenes Wort kaum mehr versteht. Auf Grund dieser Erfahrung haben wir uns für ein Ziegeldach mit darunter liegendem Zinkblech entschieden. Die Ziegel isolieren zusätzlich gegen die Hitze, so dass es im Haus auch etwas kühler bleiben sollte. Wir haben auch gelernt, dass Tonziegel sich nicht nur in Farbe und Form unterscheiden. Es gibt solche, die zerbröseln, wenn man darüber läuft und andere nicht. Will man auf dem Dach rumlaufen können (Reparatur, Reinigung Dachrinne), sollte dieser Aspekt beachtet werden…

Als uns mitgeteilt wurde, dass wir für den Küchenbau die Haushaltgeräte früh evaluieren und kaufen müssten, haben wir nur verständnislos dreingeschaut. Wozu muss der Küchenbauer wissen, welchen Kühlschrank, welchen Backofen und welchen Kochherd wir nehmen? Dafür gib’s doch Standardmasse. In Europa gibt’s die Euronorm, es gibt auf diesem amerikanischen Kontinent bestimmt auch eine Norm. Denkste. Als wir uns in den Geschäften die Angebote anschauten wurde uns schnell klar, warum man die Geräte früh braucht. Es gibt keine Norm! Jeder Backofen, jeder Geschirrspüler usw. hat eine andere Breite. Für uns kam erschwerend dazu, dass – obwohl Costa Rica sonst das metrische System verwendet – bei den Küchengeräten die Angaben meist in Zoll sind. Wir mussten jedesmal umrechnen. Einfache Energieverbrauchskennzeichnungen gibt es hier (noch) nicht. Dezibelangaben gibt es meistens nur bei Geschirrspülern, beim Kühlschrank,  Backofen und der Waschmaschine sucht man die vergebens. Auch auf den Webseiten der Hersteller (und das sind die gleichen, welche auch in Europa und Amerika ihre Produkte anbieten) findet man ebenfalls nichts. Googelt man die Modelle, so sieht man, dass diese meist in Südamerika – vor allem Mexiko, Kolumbien und Chile – angeboten werden. Manchal kommt Amerika oder Kanada vor, manchmal auch Polen und Rumänien. Es hat mich schon ein bisschen geschmerzt, als ich „unseren“ Backofen auf einer polnischen Webseite fand und die Umrechnung des angegebenen Preises in Zloty einen Preis von knapp 280 Euro ergab – und hier in Costa Rica für das Gleiche 1100 Dollar verlangt werden. Der Importzoll lässt grüssen . Oft sieht man auf den Webseiten, dass es  Auslaufmodelle („discontinued“) sind. Die Restposten der übrigen Welt werden in Costa Rica sehr teuer verkauft.
Kaufen muss man die Geräte, weil sie vielleicht am nächsten Tag schon nicht mehr erhältlich sind. Manchmal hat das Geschäft ein paar Stück am Lager, manchmal ist das Gerät in der Ausstellung das einzige Stück. Ist das verkauft, steht ein anderes Modell da. Von dem hat es dann auch nur ein Stück, vielleicht ein paar mehr.
Wir haben unsere Geräte Ende Februar gekauft und das Geschäft bewahrt sie gratis für uns auf, bis wir sie brauchen. Und weil wir gerade so schön auf Einkaufstour waren, haben wir gleich noch WC-Schüssel, Lavabo, Spüle, Armaturen, Fliesen und Granit eingekauft. Nach Rabatt zu fragen bzw. zu verhandeln hat sich gelohnt .

Fliesen, Granit und Möbelholz

Fliesen, Granit und Möbelholz

 

13. Februar 2016:
Wir haben letzten Herbst in Costa Rica ein Grundstück von 7016m2 gekauft, um ein Haus zu bauen. Es ist nicht so, dass wir ein solch grosses Grundstück gewollt haben. Das Gesetz ist in Costa Rica so, dass Parzellen zum Wohnen eine Mindestgrösse von 7000m2 (je nachdem 5000m2) haben müssen, wenn sie keinen direkten Zugang zu einer Hauptstrasse haben. Bei direktem Zugang dürfen sie auch kleiner sein.
Unsere Parzelle:

Geplant haben wir einen Bungalow mit zwei Schlafzimmern, zwei Bädern und einem Mitteltrakt mit Wohnen, Essen, Küche. Im Garten wird’s einen Pool geben und viele Fruchtbäume. Mit der Software cadvilla (Version basic plus) habe ich die Pläne nachgezeichnet. Nun können Marcel und ich in der 3-dimensional dargestellten „Puppenstube“ rumlaufen .

Mit Bernhard, unserem Baumeister, haben wir abgesteckt, wo in etwa das Haus auf der Parzelle stehen soll. Am 11. Januar kam der Bagger, um die Fläche für das Haus zu planieren und den Aushub für Pool, Pumpenhaus und Septiktank zu machen. Hier gibt es noch keine Kanalisation, an die man sich anschliessen kann. Deshalb braucht es einen Septiktank. Das Wasser beziehen wir von einem unterirdischen Brunnen. Im Pumpenhaus werden wir deshalb auch einen Wassertank haben.

Danach ging’s los mit dem Erstellen der Fundamente für die Mauern. Beim Hausbau in Costa Rica werden zuerst die Wände, dann das Dach und am Schluss der Boden gemacht. Die Baustahlgitter werden auf Platz aus einzelnen Stangen zusammengesetzt. Wände und Mauerfundament werden mit diesen Gittern zu einer stabilen, aber bei leichteren Erdbeben beweglichen Einheit verbunden.
Es war sehr interessant zuzusehen, wie der Baggerfahrer sein Gefährt manövrierte. Da braucht es viel Gefühl. Ende Januar kam das ICE – das staatliche Strom- und Telekommunikationsunternehmen – und hat unsere Parzelle ans Stromnetz angeschlossen.

Jetzt konnte es mit den Mauern losgehen. Gerüste, Leitern usw. werden auf Platz erstellt. Manchmal sieht es in unseren Augen ganz schön wagemutig aus. Das Auffüllen der Baustahlgitter mit Beton ist Teamarbeit. Man darf nicht vergessen, dass die Arbeitskraft in Costa Rica günstig ist und deshalb vieles manuell gemacht wird.