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Besuch einer Ananasplantage

Costa Rica gehört zu den Hauptproduzenten von Ananas. Im Januar haben wir die Gelegenheit gehabt, die Ananasplantage „Hacienda Roswitha“ zu besuchen. Freunde von uns haben über Thurgau Travel eine Reise nach Costa Rica gebucht. Im Rahmen dieser Reise war u.a. der Besuch der Plantage vorgesehen und Stéphane Dähler, der Reiseleiter, hat uns ganz spontan zum Plantagenbesuch eingeladen. Megalieb! Übrigens: Stéphane Dähler ist einer der Söhne von Ananaskönig Johann Dähler, siehe die spannende Lebensgeschichte als SRF-Dok  „Der Triumph des Ananaskönigs“.

So sind wir frühmorgens von Atenas am Vulkan Poás vorbei nach Puerto Viejo de Sarapiqui gefahren, wo der Treffpunkt war. Der Vulkan zeigte sich von seiner besten Seite, kein Wölklein und endlose Weitsicht. Die Strecke nach Puerto Viejo ist ebenfalls sehr schön. Mit der Gruppe sind wir zur Ananasplantage gefahren. Wo das Auge hinschaut, alles nur Ananaspflanzen. Auf dem Feld durften wir als erstes eine frisch geerntete Ananas kosten – saftig, süss, gut temperiert: einfach köstlich! Es erinnert mich an Cherrytomaten, welche am besten sind, wenn man sie an einem schönen Sommertag direkt vom Strauch isst

Wir haben einiges über die Ananas und ihre Zucht gelernt. Die Ananas entsteht aus einem Blütenstand. Es dauert über ein Jahr, bis die Ananaspflanze gross genug ist, blüht, die Frucht bildet und endlich geerntet werden kann. Damit das ganze Jahr über geerntet werden kann, werden die Pflanzen mit einem Produkt bespritzt, welches das Wachstum steuert. Mit einem „Schwangerschaftstest“ (aufschneiden der Pflanze) wird geprüft, ob genügend Pflanzen „schwanger“ geworden sind, sonst wird nachgespritzt. So hat die Plantage verschiedene Bereiche mit Pflanzen in unterschiedlichen Wachstumsphasen. Alles wird nachvollziehbar notiert, für jede Ananas kann genau gesagt werden, wann und wo sie gepflanzt worden ist, wann und womit sie behandelt worden ist und wann sie geerntet worden ist.

Die Ernte ist eine harte Arbeit. Die Ananas ist eine empfindliche Frucht, die Ernte erfolgt von Hand und die Arbeiter bewegen sich zwischen den spitzen Blättern der Ananaspflanze. Zum Teil kommt noch grosse Hitze dazu. Die Arbeit wird in Costa Rica oft von Nicaraguanern wahrgenommen. Die Frucht wird vom Arbeiter auf das Fliessband gelegt, welches am Traktor mit Anhänger festgemacht ist. Im Anhänger werden die Früchte sauber gestapelt, Frucht auf Krone. Dann geht es zurück zur Verarbeitungsstation. Die Früchte werden vom Anhänger in ein Wasserbad gekippt. So nehmen sie keinen Schaden. Von dort geht es auf ein Fliessband, wo überreife, beschädigte, nicht wohlgeformte Früchte von Arbeitern aussortiert werden. Den Früchten mit einer krummen Krone wird die Krone abgeschnitten. Erstens „wollen“ wir Konsumenten ja perfekt aussehende Früchte – dazu gehört auch, dass die Ananas behandelt wird, damit sie gelb aussieht – und zweitens können Ananas mit einer krummen Krone nicht gut in den Kartons gestapelt werden. Apropos gelbe Farbe: Ananas werden immer reif gepflückt, da sie nicht nachreifen. Die Ananas wäre eher grün, aber dann hätten wir das Gefühl, die Frucht sei nicht reif und würden sie nicht kaufen. Drum wird nachgeholfen.
Danach bekommen sie für die Reise noch eine Wachsbehandlung. In der nächsten Station werden die Früchte sortiert, einerseits nach Grösse, andererseits ob mit oder ohne Krone. Jeder Arbeiter hat verschiedene Kartons neben sich. In Sekundenschnelle muss er die Grösse (Gewicht) der Ananas erkennen und jeden Karton mit Früchten der gleichen Grösse befüllen. Bei Grösse 6 passen 6 Ananas in die Kiste, bei Grösse 10 passen 10 rein, usw. In der nächsten Station werden die Kisten auf Paletten gestapelt, verpackt und dann ab mit dem Lastwagen zum Hafen. Pro Woche werden etwa 300 bis 400 Tonnen Ananas verarbeitet. Zu Spitzenzeiten wie etwa Weihnachten verlassen auch mal pro Tag 300 Tonnen Ananas die Plantage.

Die Ananaspflanze selber produziert gegen Ende der Blütezeit Ableger. Diese werden nach der Ernte von der Mutterpflanze entfernt und neu eingepflanzt. Und etwas mehr als ein Jahr später gibt es dann wieder eine süsse Frucht. Die Mutterpflanze selber wird zurückgeschnitten und bildet sich dann wieder neu.

Wenn wir in Atenas auf dem lokalen Markt Ananas einkaufen – die haben oft krumme Kronen  – fragt uns der Verkäufer immer, ob er die Krone abnehmen soll. Wir verneinen dies, denn wir pflanzen die Krone in unserer eigenen Mini-Plantage ein. In ein paar Monaten, wenn die Pflanzen gross genug sind, werden wir sie „stressen“ müssen, damit sie eine Blüte bildet. Gemäss Stéphane sollen wir entweder Eiswürfel in den Kern der Pflanze schütten oder über Nacht einen Apfel drauflegen. Der Apfel gibt das Gas Ethylen ab, welches in den Früchten für deren Reifung verantwortlich ist und welches auch die Blütenbildung bei den Bromelien – die Ananaspflanze gehört dazu – unterstützt. Gut haben wir die Ananasplantage besucht, sonst hätten wir diesen Trick nicht gekannt. Unsere Pflanzen wären dann zwar immer schön gewachsen, aber hätten vielleicht jahrelang nicht geblüht und damit keine Früchte gemacht. So dürfen wir hoffen, dass wir gegen Ende Jahr bzw. anfangs nächsten Jahres die ersten Früchte ernten können. Erst noch bio .

Nach der Ananasplantage haben wir noch die Zucht von indischen Wasserbüffeln von Dählers besucht. Deren Fleisch wird im Automercado verkauft, mit der Milch wurden erste Versuche der Herstellung von Mozzarella gestartet. Da die Ananaspflanze nicht gerne „nasse Füsse“ hat, ist das Gelände hügelig. Im „Tal unten“, wo sich das Wasser sammelt, können die Wasserbüffel sich suhlen und gehackte Ananaskronen essen. So sind sie eine gute Ergänzung zur Ananasplantage.

Für den Nachhauseweg haben Marcel und ich dann die Ruta 32 gewählt. Diese führt durch den Nationalpark Braulio Carrillo. Eine sehr schöne und absolut empfehlenswerte Strecke.

Kommentare (2)

  1. Eva

    Hallo Karin
    das ist ja echt spannend, dein Bericht über die Ananas. Man weiss hier so wenig über diese Frucht. Wie viele Ananas können denn pro Pflanze geerntet werden?
    Heute hat es hier wieder geschneit, ist zwar nicht liegengeblieben, aber kalt ist es trotzdem…
    Seid lieb gegrüsst und gedrückt, wir freuen uns schon sehr auf euch im September!
    Herzliche Grüsse
    Eva

    1. Karin (Beitrag Autor)

      Hallo Eva, pro Pflanze gibt es eine Frucht. Ganz schön wenig für den Platz, welche die Pflanze braucht. Drum werden sie auch relativ dicht beieinander gesetzt.
      Wir freuen uns auch mega auf September und schicken euch derweilen ein paar wärmende Sonnenstrahlen :-)

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