elmundoruefenacht

Costa Rica Blog

Costa Rica Erlebnisberichte

Der Hausbau

In diesem Beitrag berichte ich über unseren Hausbau. Ich werde den Beitrag regelmässig aktualisieren, bis der Bau fertig ist.

12. Mai 2017:
Ja, ich bin mit dem Blog im Verzug. Wir sind anfangs November in unser Haus eingezogen und haben uns bestens eingelebt. Wir geniessen das Haus, den Pool und den Garten. Auch wenn es momentan ausser Kräutern noch nicht viel zu ernten gibt . Die vielen Fruchtbäume müssen schliesslich noch anwachsen. Die Regenzeit ist hierbei sicher hilfreich.
Nachfolgend ein kurzer Überblick, was zwischen Juni und November 2016 geschah.
Der Sicherungskasten wurde eingebaut. Die Leitungen für die Steckdosen und das Wasser wurden verlegt, Armierungseisen gelegt und der Boden anschliessend mit Beton gegossen. Später wurde der Boden gefliest, inkl. Terrasse.

Dann wurde der Seidenlack für die schöne Holzdecke aufgetragen und die Wände in den Badezimmern gefliest.

Derweilen wurde draussen weiter gearbeitet. Die Pooltreppe wurde gebaut und die Kanten des Poolbodens abgerundet. Zum Reinigen des Pools ist dies definitiv einfacher. Wasserzu- und Ablauf für den Pool wurden gelegt.

Die Aussentreppe wurde gebaut, die Dachrinne montiert und der Aussenbereich gefliest. Und schliesslich wurde der Pool gefliest. Ist er nicht schön mit seinen blauen Mosaiksteinchen?

Im September/Oktober ging es dann hack auf hack. Das Haus bekam Fenster mit Dekoelementen und Türen. Das Dach wurde mit Ziegeln bedeckt. Das hat sich bewährt. In der Regenzeit ist es nicht laut und im März, als es so richtig heiss war (ca. 35 Grad draussen) war es drinnen max. 30 Grad, obwohl wir die Terrassentüren offen hatten. Dann wurden die Küche und die Möbel geliefert, die alle vom Küchenbauer nach unseren Wünschen gefertigt worden sind. Man staune ab der hohen Beladung des Fahrzeuges ;-). Das Haus bekam seinen Innen- und Aussenanstrich und dann konnten die Küchen- und Badezimmermöbel montiert werden.

Am 4. November sind wir eingezogen. Drinnen war alles fertig, aber es mussten noch einige Umgebungsarbeiten erledigt werden. Die Zufahrt zum Haus wurde mit Kies belegt – damit wir in der Regenzeit mit dem Auto nicht durch den Matsch müssen . Um’s restliche Haus und um den Pool herum haben wir Rasen verlegt. Dies, damit die in der Trockenzeit oft auftretenden Winde uns nicht die ganze staubige Erde in den Pool und ins Haus rein wehen. Verrückt, was so ein bisschen Rasen ausmacht, gell? Und es wurden noch Palmen, Fruchtbäume und eine Hecke mit Pavones gesetzt. Marcel hat in der Trockenzeit im Schnitt wohl 2 Stunden pro Tag gewässert. Dabei hatten wir noch Glück. Im Dezember hat es an Weihnachten das letzte Mal geregnet, was sehr spät ist. Normalerweise fällt der letzte Regen kurz vor Mitte Dezember. Und Anfangs April hat es schon wieder angefangen zu regnen. Normalerweise beginnt die Regenzeit erst im Mai. Für unseren Garten war das perfekt .

Na ja, wir finden, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wir jedenfalls sind höchst zufrieden. Ein grosses Dankeschön für Bernhard, unseren Baumeister und seine Mitarbeiter.

 

19. Juni 2016:
In der letzten Zeitperiode fanden viele Arbeiten parallel statt. Als die Dachpappe und die Dachlatten drauf waren, kam die Elektroinstallation für die Schalter und Deckenlampen auf’s Dach. Die Lage der später noch einzubauenden Deckenspots wurde innen an der Decke markiert, für die Deckenlampen/Deckenventilatoren sind die Kabel sichtbar. Im „Kabelsalat“, welcher zum noch einzubauenden Sicherungskasten führt, sind alle Kabel säuberlich beschriftet. Nach der Elektroinstallation kam das Blech drauf.

Innen und aussen wurde der Grundputz aufgetragen und der Küchenbauer hat in seinem Atelier mit der Küche und den Badmöbeln begonnen.

Der Septiktank wurde fertig gebaut und die Leitungen für die WC-Spülung zum Septiktank wurden verlegt. Die Leitung des Gäste-WC geht unter dem Gästezimmer und quer durch die Terrasse durch. Jedes WC verfügt über seine eigene Leitung zum Septiktank. Würden die Leitungen vorher zusammengeführt, würde beim Spülen des einen WC’s das Wasser vom andern WC abgezogen (man lernt nie aus ).

Auf der Terrasse und im Carport wurde die „viga americana“ verkleidet, so dass die Metallkonstruktion nicht mehr sichtbar ist. Innen wurde damit begonnen, die Mauer für das Verlegen der Steckdosen und der Wasserleitungen aufzuspitzen.

Der Wassertank und das Pumpenhaus wurden fertig gestellt und mit dem Bau des Pools wurde begonnen. Die Armierungseisen, welche etwas versetzt vom Poolrand sichtbar sind, dienen dem Bau der Stufen, welche in den Pool führen werden. Der Bau des Pools folgt eigentlich dem gleichen Prinzip wie der Bau des Hauses. Der Pool wird durch zwei Unterwasserlampen beleuchtet werden.

Mit den ersten Gartenarbeiten – dem Pflanzen der Hecke mit „Pingo d’oro“ – wurde auch schon begonnen.

Stand 160609-4

Stand 160609-4

 

06. Mai 2016:
Mitte März ist es mit dem Dach losgegangen – und wir sind immer noch beim Dach . Puhhh, es braucht Geduld…Anfangs April wurden die letzten Dachbalken gestrichen und gesetzt. Die aufgesetzten Balken wurden nun einbetoniert bzw. die Mauer wurde überall auf die Höhe der Balken geschlossen – wie immer alles mit Baustahlgitter verbunden/stabilisiert. Aussen wurden die Balken auf die gleiche Aussenlinie geschnitten. Die ersten „Deckenbrettchen“ (Täfer) wurden gesetzt. Die Menge an Brettchen, welche am 7. April darauf wartete, auf’s Dach zu kommen lässt erahnen, wie gross die Dachfläche ist. Und jedes dieser Brettchen muss geschliffen, gestrichen und auf dem Dach zugeschnitten werden (die Brettchen enden alle auf einem Dachbalken). Ganz schön viel Arbeit.
Als das Schlafzimmer fast fertig gedeckt war, bekamen wir einen ersten Eindruck davon, wie das Ganze wirken wird,  Auf’s Dach kommt man über selber hergestellte Leitern oder zusammen gezimmerte Innengerüste .

Gleichzeitig zum Setzen der Deckenbrettchen wurde Teerpappe montiert. Sie schützt das Holz vor Nässe. Die vereinzelten Regengüsse, welche eingesetzt haben (die Regenzeit naht), können dem Holz nicht mehr zusetzen. Die Dachbalken wurden derweil mit Plastik gegen den Regen geschützt.

Auf die Teerpappe kamen die Dachlatten. An diesen wird später das Metalldach fixiert werden. Vorher muss die ganze Elektroinstallation für die Deckenlampen und Schalter erfolgen. Diese Woche haben wir mit Bernhard besprochen, wo genau die Lampen montiert werden sollen. Der Elektriker muss die Kabel genau an diese Stellen führen und ein Loch durchs Holz machen. Eigentlich hatten wir überall eingebaute Deckenspots geplant. Aber im Bereich Küche/Wohnen/Essen ist das Dach relativ verwinkelt – siehe Bild Nummer drei oben vom 22. April, es zeigt das Dach oberhalb der Küche/Küchenbar. Die Spots würden nicht dorthin zünden, wo das Licht gebraucht wird (ausser man neigt die Spots; wenn aber jeder Spot etwas anders geneigt ist, sieht das nicht schön aus). Kurzum: wir sind Lampen einkaufen gegangen .
Für die Küche haben wir beim Granit auf „Amarone“ umgestellt. Wir konnten unsere zwei Platten beim Händler auswählen.

Asdrubal, unser Architekt, hat vor zwei Wochen die Baustelle inspiziert und er war zufrieden. Die Arbeit und die Qualität der eingesetzten Materialien stimmen.

Inspektion durch Architekt

Inspektion durch Architekt

Natürlich wurde auch am Pumpenhaus/Wassertank weitergearbeitet. Der Wassertank hat keine Tür, aber einen Zugang von oben. Er hat innen einen wasserfesten Spezialverputz.

Und beim Pool wurde heute der „Ablauf“ ausgegraben. So kann der Pool mit dem natürlichen Gefälle geleert werden, ohne die Wasserpumpe zu benutzen.

Stand 160506

Stand 160506

Per Zufall habe ich festgestellt, dass Google Maps ziemlich aktuell ist. Unsere Baustelle ist zu sehen. Das weisse Viereck ist die Bauhütte der Arbeiter, man sieht die Grundrisse des Hauses und das Loch für den Pool.

Baustelle in Google Maps

Baustelle in Google Maps

 

 

22. März 2016:
Nachdem die Wände alle bis zur Fenster- bzw. Türhöhe fertig und miteinander „verbunden“ waren, kam die sogenannte „viga corona“ drauf. Diese besteht ebenfalls aus Baustahlgitter, welches mit Beton aufgefüllt wird. Sie verläuft über alle Innen- und Aussenmauern. In der Schweiz würde man über die Fenster bzw. Türen einen sogenannten „Sturz“ anbringen. Die für die Erstellung der viga corona benötigten Stützen werden wie gewohnt selber aus Holz zusammen gezimmert. Warum Stahlstützen, wenn es auch so geht? Und diese Holzkonstruktionen werden sicher nicht gestohlen .
Bevor die Baustahlgitter mit Beton gefüllt werden empfiehlt es sich, eine Überprüfung mit dem Elektroplan zu machen und sicher zu stellen, dass überall dort wo ein Lichtschalter oder eine höher gelegene Steckdose gebraucht wird (z.B. für Wandfernseher, Sicherheitskamera, Wandlampe, Weihnachtslichterkette an Dachkante – die Ticos und ich lieben diesen Weihnachts-Bling-Bling), auch ein Rohr in der Wand ist. Denn diese Zuleitungen erfolgen über das Dach. Die Zuleitungen für die bodennahen Steckdosen erfolgen über den Boden. Geht etwas vergessen, muss die Wand aufgespitzt, das Rohr eingelegt und mit Zement zugepflastert werden.
Gleichzeitig wurde mit den Arbeiten für den Carport und die Terrasse begonnen. Das Loch für das Fundament (zwecks Verbindung der Betonpfeiler von Carport bzw. Terrasse mit dem Haus) wurde von Hand ausgehoben. Eine richtige Knochenarbeit wenn man bedenkt, wie heiss es hier ist (ca. 28 bis 32 Grad). Überhaupt ist das Arbeiten bei diesen Temperaturen und dem zur Zeit herrschenden Wind, welcher einem die staubtrockene Erde in die Augen und die Nase bläst, kein Zuckerschlecken. In der Bauarbeiter-Hütte (aus Holz und Wellblech hergestellt, auch „Hühnerstall“ genannt) ist es nicht kühler.

Bevor es mit dem Dachstuhl losgehen konnte, mussten die Wände zur First hochgezogen werden. Weil noch kein Boden im Haus ist, wirkt alles enorm hoch. Das Holz für den Dachstuhl wurde geschliffen und bekam einen ersten Anstrich. Einen weiteren Anstrich (Klarlack Satin) gibt’s am Schluss. Es ist schon erstaunlich, das so ein paar „Holzlatten“ die spätere Last der ganzen Ziegel mit darunter liegendem Blechdach zu tragen vermögen.
Um das Dach beim Carport und der Terrasse zu machen, musste die „viga americana“ gebaut werden. Das ist eine Metallkonstruktion, welche das Haus mit den Betonpfeilern verbindet. Sie wird bei uns am Schluss nicht sichtbar sein, da wir sie verkleiden und verputzen lassen werden.
Mit dem Bau des Pumpenhauses (für Wassertank, Wasserpumpe und Poolpumpe) ist jetzt ebenfalls begonnen worden. Da an dieser Stelle der Boden aus hartem Felsen besteht, wurde eine Betonplatte als Fundament gegossen.

Noch ein paar Worte zum Dach: In Costa Rica werden Häuser oft mit einem Blechdach, welches wie ein Ziegeldach aussieht, gebaut. Das ist günstig und es fällt nicht auf, dass es sich nicht um Ziegel handelt. Wir wohnen heute in so einem Haus. In der Regenzeit prasselt der Regen auf das Blechdach und macht einen Höllenlärm, so dass man sein eigenes Wort kaum mehr versteht. Auf Grund dieser Erfahrung haben wir uns für ein Ziegeldach mit darunter liegendem Zinkblech entschieden. Die Ziegel isolieren zusätzlich gegen die Hitze, so dass es im Haus auch etwas kühler bleiben sollte. Wir haben auch gelernt, dass Tonziegel sich nicht nur in Farbe und Form unterscheiden. Es gibt solche, die zerbröseln, wenn man darüber läuft und andere nicht. Will man auf dem Dach rumlaufen können (Reparatur, Reinigung Dachrinne), sollte dieser Aspekt beachtet werden…

Als uns mitgeteilt wurde, dass wir für den Küchenbau die Haushaltgeräte früh evaluieren und kaufen müssten, haben wir nur verständnislos dreingeschaut. Wozu muss der Küchenbauer wissen, welchen Kühlschrank, welchen Backofen und welchen Kochherd wir nehmen? Dafür gib’s doch Standardmasse. In Europa gibt’s die Euronorm, es gibt auf diesem amerikanischen Kontinent bestimmt auch eine Norm. Denkste. Als wir uns in den Geschäften die Angebote anschauten wurde uns schnell klar, warum man die Geräte früh braucht. Es gibt keine Norm! Jeder Backofen, jeder Geschirrspüler usw. hat eine andere Breite. Für uns kam erschwerend dazu, dass – obwohl Costa Rica sonst das metrische System verwendet – bei den Küchengeräten die Angaben meist in Zoll sind. Wir mussten jedesmal umrechnen. Einfache Energieverbrauchskennzeichnungen gibt es hier (noch) nicht. Dezibelangaben gibt es meistens nur bei Geschirrspülern, beim Kühlschrank,  Backofen und der Waschmaschine sucht man die vergebens. Auch auf den Webseiten der Hersteller (und das sind die gleichen, welche auch in Europa und Amerika ihre Produkte anbieten) findet man ebenfalls nichts. Googelt man die Modelle, so sieht man, dass diese meist in Südamerika – vor allem Mexiko, Kolumbien und Chile – angeboten werden. Manchal kommt Amerika oder Kanada vor, manchmal auch Polen und Rumänien. Es hat mich schon ein bisschen geschmerzt, als ich „unseren“ Backofen auf einer polnischen Webseite fand und die Umrechnung des angegebenen Preises in Zloty einen Preis von knapp 280 Euro ergab – und hier in Costa Rica für das Gleiche 1100 Dollar verlangt werden. Der Importzoll lässt grüssen . Oft sieht man auf den Webseiten, dass es  Auslaufmodelle („discontinued“) sind. Die Restposten der übrigen Welt werden in Costa Rica sehr teuer verkauft.
Kaufen muss man die Geräte, weil sie vielleicht am nächsten Tag schon nicht mehr erhältlich sind. Manchmal hat das Geschäft ein paar Stück am Lager, manchmal ist das Gerät in der Ausstellung das einzige Stück. Ist das verkauft, steht ein anderes Modell da. Von dem hat es dann auch nur ein Stück, vielleicht ein paar mehr.
Wir haben unsere Geräte Ende Februar gekauft und das Geschäft bewahrt sie gratis für uns auf, bis wir sie brauchen. Und weil wir gerade so schön auf Einkaufstour waren, haben wir gleich noch WC-Schüssel, Lavabo, Spüle, Armaturen, Fliesen und Granit eingekauft. Nach Rabatt zu fragen bzw. zu verhandeln hat sich gelohnt .

Fliesen, Granit und Möbelholz

Fliesen, Granit und Möbelholz

 

13. Februar 2016:
Wir haben letzten Herbst in Costa Rica ein Grundstück von 7016m2 gekauft, um ein Haus zu bauen. Es ist nicht so, dass wir ein solch grosses Grundstück gewollt haben. Das Gesetz ist in Costa Rica so, dass Parzellen zum Wohnen eine Mindestgrösse von 7000m2 (je nachdem 5000m2) haben müssen, wenn sie keinen direkten Zugang zu einer Hauptstrasse haben. Bei direktem Zugang dürfen sie auch kleiner sein.
Unsere Parzelle:

Geplant haben wir einen Bungalow mit zwei Schlafzimmern, zwei Bädern und einem Mitteltrakt mit Wohnen, Essen, Küche. Im Garten wird’s einen Pool geben und viele Fruchtbäume. Mit der Software cadvilla (Version basic plus) habe ich die Pläne nachgezeichnet. Nun können Marcel und ich in der 3-dimensional dargestellten „Puppenstube“ rumlaufen .

Mit Bernhard, unserem Baumeister, haben wir abgesteckt, wo in etwa das Haus auf der Parzelle stehen soll. Am 11. Januar kam der Bagger, um die Fläche für das Haus zu planieren und den Aushub für Pool, Pumpenhaus und Septiktank zu machen. Hier gibt es noch keine Kanalisation, an die man sich anschliessen kann. Deshalb braucht es einen Septiktank. Das Wasser beziehen wir von einem unterirdischen Brunnen. Im Pumpenhaus werden wir deshalb auch einen Wassertank haben.

Danach ging’s los mit dem Erstellen der Fundamente für die Mauern. Beim Hausbau in Costa Rica werden zuerst die Wände, dann das Dach und am Schluss der Boden gemacht. Die Baustahlgitter werden auf Platz aus einzelnen Stangen zusammengesetzt. Wände und Mauerfundament werden mit diesen Gittern zu einer stabilen, aber bei leichteren Erdbeben beweglichen Einheit verbunden.
Es war sehr interessant zuzusehen, wie der Baggerfahrer sein Gefährt manövrierte. Da braucht es viel Gefühl. Ende Januar kam das ICE – das staatliche Strom- und Telekommunikationsunternehmen – und hat unsere Parzelle ans Stromnetz angeschlossen.

Jetzt konnte es mit den Mauern losgehen. Gerüste, Leitern usw. werden auf Platz erstellt. Manchmal sieht es in unseren Augen ganz schön wagemutig aus. Das Auffüllen der Baustahlgitter mit Beton ist Teamarbeit. Man darf nicht vergessen, dass die Arbeitskraft in Costa Rica günstig ist und deshalb vieles manuell gemacht wird.

Käse – Schmatz, schmatz

Mit dem Käse ist es hier so eine Sache. Die Käserayons sehen relativ gross aus, aber für einen Käsemaudi wie mich ist die Auswahl halt doch etwas beschränkt. Es gibt im Automercado u.a. Asiago, Babybel, Cheddar, Edamer, Gouda, Maasdam und Münster zu etwa 25 bis 30 USD/kg. Das geht ja noch so. Vom Edamer gibt’s etwa 30 „Packungen“ von 6 verschiedenen Produzenten in verschiedenen Grössen, mit und ohne Kräuter. So sieht’s nach viel aus – ist aber immer nur Edamer.
Der Gruyère ist hier einer meiner Lieblingskäse, er kostet wie der Emmentaler mit ca. 45 USD/kg einfach nur etwa zweieinhalb mal soviel wie in er Schweiz. Gehen wir zum Weichkäse, gibt’s Brie für ca. 63 USD/kg und Camembert gibt’s je nach Hersteller zwischen läppischen 50 bis 80 USD/kg. Schluck .

Als ich das erste Mal vom Le Chaudron und seinem Käse hörte, war ich sehr neugierig, weil Maritza die Käseherstellung in der Schweiz gelernt hat. Sie macht sehr guten Weichkäse, mit Basilikum, mit Nüssen, mit Zwiebeln usw. Sie hat auch einen Käse „Tipo Gruyère“. Aber ausser dass es sich um einen Hartkäse handelt hat es mit Gruyère nichts zu tun. Leider . Sie produziert auch einen Raclettekäse zu etwa 34 USD/kg. Er ist etwas fettig, aber wenn der „Gluscht“ nach Raclette einem überkommt… Ihre Produkte können im Automercado gekauft werden.

Als deshalb Jürg angefragt hat, ob wir an einer Käsedegustation teilnehmen möchten, war die Antwort klar. Ich war mega-neugierig, was wir für Käse zum degustieren erhalten würden. Damit wir den Käse nicht „einfach so“ probieren mussten, habe ich eine Züpfe gebacken. Francisco und Ligia von Quesada Muñóz kamen mit einer grossen Kühlbox an und haben ausgepackt. Käse aus Kuh- und Käse aus Ziegenmilch. Brie, Camembert, Tomme, Hartkäse mit und ohne Pfefferkörner. Das sehr sympathische Paar produziert auch noch anderen Käse, unter anderem einen Tilsiter. Der war aber noch nicht genügend gereift und drum konnten wir ihn nicht probieren. Seeehr schade. Denn die Käse, welche wir probieren durften, lassen hohe Erwartungen aufkommen. Der Brie war einfach nur ein Traaum ! Aber auch die andern Käse waren sehr lecker, wir haben von allem gekauft, was da war. Der Feta ist nicht so stark gesalzen wie sonst üblich, mir passt er so sehr gut. Wer von dem Käse kaufen möchte, kann anrufen und ihn bestellen (siehe Visitenkarte auf dem Foto unten mit Telefonnummern und Email-Adresse), sie liefern regelmässig nach Atenas. Francisco und Ligia produzieren seit über 30 Jahren Käse, es gibt auch ein Video in Youtube über die beiden. Preislich bewegen sich ihre Produkte zwischen 25 und 30 USD/kg – auch der Brie! Ein echtes Schnäppchen oder ?

Ich kann nur sagen: diesen Käse müsst ihr koofen. Und wenn jemand Lust hat, ihnen bei der Vermarktung unter die Arme zu greifen –  ich glaube, die wären ganz schön froh.

 

 

Besuch einer Ananasplantage

Costa Rica gehört zu den Hauptproduzenten von Ananas. Im Januar haben wir die Gelegenheit gehabt, die Ananasplantage „Hacienda Roswitha“ zu besuchen. Freunde von uns haben über Thurgau Travel eine Reise nach Costa Rica gebucht. Im Rahmen dieser Reise war u.a. der Besuch der Plantage vorgesehen und Stéphane Dähler, der Reiseleiter, hat uns ganz spontan zum Plantagenbesuch eingeladen. Megalieb! Übrigens: Stéphane Dähler ist einer der Söhne von Ananaskönig Johann Dähler, siehe die spannende Lebensgeschichte als SRF-Dok  „Der Triumph des Ananaskönigs“.

So sind wir frühmorgens von Atenas am Vulkan Poás vorbei nach Puerto Viejo de Sarapiqui gefahren, wo der Treffpunkt war. Der Vulkan zeigte sich von seiner besten Seite, kein Wölklein und endlose Weitsicht. Die Strecke nach Puerto Viejo ist ebenfalls sehr schön. Mit der Gruppe sind wir zur Ananasplantage gefahren. Wo das Auge hinschaut, alles nur Ananaspflanzen. Auf dem Feld durften wir als erstes eine frisch geerntete Ananas kosten – saftig, süss, gut temperiert: einfach köstlich! Es erinnert mich an Cherrytomaten, welche am besten sind, wenn man sie an einem schönen Sommertag direkt vom Strauch isst

Wir haben einiges über die Ananas und ihre Zucht gelernt. Die Ananas entsteht aus einem Blütenstand. Es dauert über ein Jahr, bis die Ananaspflanze gross genug ist, blüht, die Frucht bildet und endlich geerntet werden kann. Damit das ganze Jahr über geerntet werden kann, werden die Pflanzen mit einem Produkt bespritzt, welches das Wachstum steuert. Mit einem „Schwangerschaftstest“ (aufschneiden der Pflanze) wird geprüft, ob genügend Pflanzen „schwanger“ geworden sind, sonst wird nachgespritzt. So hat die Plantage verschiedene Bereiche mit Pflanzen in unterschiedlichen Wachstumsphasen. Alles wird nachvollziehbar notiert, für jede Ananas kann genau gesagt werden, wann und wo sie gepflanzt worden ist, wann und womit sie behandelt worden ist und wann sie geerntet worden ist.

Die Ernte ist eine harte Arbeit. Die Ananas ist eine empfindliche Frucht, die Ernte erfolgt von Hand und die Arbeiter bewegen sich zwischen den spitzen Blättern der Ananaspflanze. Zum Teil kommt noch grosse Hitze dazu. Die Arbeit wird in Costa Rica oft von Nicaraguanern wahrgenommen. Die Frucht wird vom Arbeiter auf das Fliessband gelegt, welches am Traktor mit Anhänger festgemacht ist. Im Anhänger werden die Früchte sauber gestapelt, Frucht auf Krone. Dann geht es zurück zur Verarbeitungsstation. Die Früchte werden vom Anhänger in ein Wasserbad gekippt. So nehmen sie keinen Schaden. Von dort geht es auf ein Fliessband, wo überreife, beschädigte, nicht wohlgeformte Früchte von Arbeitern aussortiert werden. Den Früchten mit einer krummen Krone wird die Krone abgeschnitten. Erstens „wollen“ wir Konsumenten ja perfekt aussehende Früchte – dazu gehört auch, dass die Ananas behandelt wird, damit sie gelb aussieht – und zweitens können Ananas mit einer krummen Krone nicht gut in den Kartons gestapelt werden. Apropos gelbe Farbe: Ananas werden immer reif gepflückt, da sie nicht nachreifen. Die Ananas wäre eher grün, aber dann hätten wir das Gefühl, die Frucht sei nicht reif und würden sie nicht kaufen. Drum wird nachgeholfen.
Danach bekommen sie für die Reise noch eine Wachsbehandlung. In der nächsten Station werden die Früchte sortiert, einerseits nach Grösse, andererseits ob mit oder ohne Krone. Jeder Arbeiter hat verschiedene Kartons neben sich. In Sekundenschnelle muss er die Grösse (Gewicht) der Ananas erkennen und jeden Karton mit Früchten der gleichen Grösse befüllen. Bei Grösse 6 passen 6 Ananas in die Kiste, bei Grösse 10 passen 10 rein, usw. In der nächsten Station werden die Kisten auf Paletten gestapelt, verpackt und dann ab mit dem Lastwagen zum Hafen. Pro Woche werden etwa 300 bis 400 Tonnen Ananas verarbeitet. Zu Spitzenzeiten wie etwa Weihnachten verlassen auch mal pro Tag 300 Tonnen Ananas die Plantage.

Die Ananaspflanze selber produziert gegen Ende der Blütezeit Ableger. Diese werden nach der Ernte von der Mutterpflanze entfernt und neu eingepflanzt. Und etwas mehr als ein Jahr später gibt es dann wieder eine süsse Frucht. Die Mutterpflanze selber wird zurückgeschnitten und bildet sich dann wieder neu.

Wenn wir in Atenas auf dem lokalen Markt Ananas einkaufen – die haben oft krumme Kronen  – fragt uns der Verkäufer immer, ob er die Krone abnehmen soll. Wir verneinen dies, denn wir pflanzen die Krone in unserer eigenen Mini-Plantage ein. In ein paar Monaten, wenn die Pflanzen gross genug sind, werden wir sie „stressen“ müssen, damit sie eine Blüte bildet. Gemäss Stéphane sollen wir entweder Eiswürfel in den Kern der Pflanze schütten oder über Nacht einen Apfel drauflegen. Der Apfel gibt das Gas Ethylen ab, welches in den Früchten für deren Reifung verantwortlich ist und welches auch die Blütenbildung bei den Bromelien – die Ananaspflanze gehört dazu – unterstützt. Gut haben wir die Ananasplantage besucht, sonst hätten wir diesen Trick nicht gekannt. Unsere Pflanzen wären dann zwar immer schön gewachsen, aber hätten vielleicht jahrelang nicht geblüht und damit keine Früchte gemacht. So dürfen wir hoffen, dass wir gegen Ende Jahr bzw. anfangs nächsten Jahres die ersten Früchte ernten können. Erst noch bio .

Nach der Ananasplantage haben wir noch die Zucht von indischen Wasserbüffeln von Dählers besucht. Deren Fleisch wird im Automercado verkauft, mit der Milch wurden erste Versuche der Herstellung von Mozzarella gestartet. Da die Ananaspflanze nicht gerne „nasse Füsse“ hat, ist das Gelände hügelig. Im „Tal unten“, wo sich das Wasser sammelt, können die Wasserbüffel sich suhlen und gehackte Ananaskronen essen. So sind sie eine gute Ergänzung zur Ananasplantage.

Für den Nachhauseweg haben Marcel und ich dann die Ruta 32 gewählt. Diese führt durch den Nationalpark Braulio Carrillo. Eine sehr schöne und absolut empfehlenswerte Strecke.