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Costa Rica Blog

Costa Rica Erlebnisberichte

Der Autoverkauf

Man muss wissen, dass in Costa Rica die Autos grösstenteils nicht präventiv gewartet werden. Es gibt kein Serviceheft. Man fährt das Auto und wenn was kaputt geht, dann flickt man einfach. Vor knapp einem Jahr haben wir einen Hyundai Accent Jahrgang 2009 gekauft. Das Auto war seither ein paar Mal in der Garage. Bremsflüssigkeit wechseln, zweimal Batterie wechseln (leider fand ich den Garantieschein der ersten Batterie erst nachher wieder), Platten beheben (das Auto kann zwar nichts dafür), Ölpumpe wechseln usw. Kurzum: letzten Samstag hatte ich die Nase gestrichen voll und ich habe zu Marcel gesagt: „Das Auto muss weg“. Marcel hat keinen Widerstand geleistet. Er sagt, er wollte mich nicht unglücklich machen. Tatsache ist, dass er seit Monaten auf Webseiten mit Occasionsfahrzeugen rumsurft. Und er wusste am Samstag auch sofort, wo wir hingehen mussten.

Gesagt, getan. Wir haben gleichentags einen zweijährigen Nissan X-Trail gekauft – gestern konnten wir ihn holen gehen.

Nissan X-Trail

Nissan X-Trail

Nun musste der Hyundai verkauft werden – wir brauchen nicht zwei Autos. Ich habe anfangs Woche auf crautos.com, costarica.craigslist.org und olx.co.cr inseriert – Marcel hat’s zudem auf Facebook gepostet. Auf den Webseiten war unter den Inseratetipps zu lesen, dass die Ticos gerne verhandeln und man den Preis deshalb etwas höher ansetzen sollte. Ich habe den Verkaufspreis im Inserat etwa 300 Dollar höher angesetzt, als der von uns gewünschte Erlös war. Wir haben bewusst nicht zuviel verlangt, wir wollten ja nicht monatelang zwei Autos haben. Nachfolgend ein paar Auszüge aus Telefonaten / SMS mit „interessierten“ Käufern.

Anruferin: Ich rufe wegen dem Hyundai an. Ist der Preis verhandelbar?
Ich: Ja (stand im Inserat)
Anruferin: Was ist ihr tiefster Preis?
Ich: Wollen sie sich denn nicht zuerst das Auto anschauen?
Anruferin: Ich muss mit meinem Mann schauen, ich rufe wieder zurück (sie hat sich nicht mehr gemeldet).

SMS: Ohne Autotausch, dafür 500‘000 Colones (das sind rund 950 Dollar!) weniger. Die Offerte ist seriös gemeint (ich reagiere nicht).

Anrufer: Ich rufe wegen dem Hyundai an. Ich habe einen Toyota Corolla.
Ich: Ja?
Anrufer: Ich würde das Auto tauschen.
Ich: Ich will aber kein Auto kaufen.
Anrufer: Ach so, sie wollen das Bargeld.

Anrufer: Ich rufe wegen dem Hyundai an, ich habe ein paar Fragen.
Ich: was möchten sie denn gerne wissen?
Anrufer: Wie ist der Zustand des Fahrzeuges?
Ich: Das Auto ist in einem sehr guten Zustand (steht im Inserat). Der Motor funktioniert sehr gut, die Karrosserie hat ein paar Kratzer.
Anrufer: Das Auto ist von 2009?
Ich: Ja (steht im Inserat)
Anrufer: Der Preis ist verhandelbar?
Ich: Ja (steht im Inserat).
Anrufer: Hmm, was könnte ich noch fragen? Ich rufe wieder zurück (hat er nicht; warum hat er überhaupt angerufen?).

SMS-Absender: hat das Auto elektrische Fenster und Spiegel?
Ich: Nein, aber Zentralverriegelung.
SMS-Absender: Danke, wenn mich das Auto mehr interessieren sollte, melde ich mich wieder (hat er/sie nicht)

Anrufer: Ich rufe wegen dem Hyundai an, ist er noch zu haben?
Ich: Ja
Anrufer: wo kann man das Auto besichtigen?

Wir machen ab. Als wir ankommen, sitzt der Interessent mit einem Kollegen beim Kaffee. Er kommt zu uns, läuft um’s Auto rum und geht zum Kollegen zurück. Was ist jetzt? Interessiert ihn das Auto nicht? Wir setzen uns an den Nebentisch. Als er den Kaffee fertig hat, geht er wieder zum Auto. Sitzt in’s Auto rein, schaut es etwas an und will die Fahrzeugpapiere sehen. Den Motor will er gar nicht anlassen. Steigt aus und bietet uns 3.5 Mio Colones (das sind etwa 1‘500 Dollar weniger als das Auto ausgeschrieben ist; für mich ein unverschämtes Angebot!). Ich sage ihm, dass dies zuwenig sei. Er geht rauf auf 3.75 Mio Colones, das sei sein höchstes Angebot. Ich sage ihm, dass ich 4.1 Mio Colones haben müsse – und dass das Auto eh schon günstig sei. Er meint süffisant, dass ich ihn ja anrufen könne, wenn ich das Auto nicht verkaufen könne (war vermutlich ein Autohändler aus Grecia – was bildet der sich bloss ein?).

SMS: habe einen Range Rover, ist mir zu gross und ich würde tauschen (ich reagiere nicht)

Anrufer: Ich rufe wegen dem Hyundai an. Ist der Preis verhandelbar?
Ich: Ja (steht im Inserat)
Anrufer: Für wieviel würden sie ihn denn geben?
Ich: Wieviel sind sie denn bereit zu bezahlen (ich habe mich schon daran gewöhnt, dass der Preis besprochen wird, ohne das Objekt gesehen zu haben)?
Anrufer: 3.8 Mio Colones (also rund 950 Dollar weniger als ausgeschrieben).
Ich: Das ist zuwenig, 4.1 Mio Colones ist der Mindestpreis.
Anrufer: Ich muss mit meiner Frau schauen, ich rufe zurück (hat er nicht).

Derjenige, der das Auto gekauft hat, hat es vor der Preisverhandlung angeschaut und ist damit auch Probe gefahren. Das Angebot war in einem Rahmen, den ich als fair bezeichne. Gestern haben wir den Vertrag unterzeichnet (die Handänderung muss durch einen Anwalt erfolgen, da der Halter in ein Register eingetragen wird, welches nur von Anwälten nachgeführt werden darf).

Mein Fazit: wenn ich das nächste Mal ein Auto verkaufen will, dann schlage ich 1000 Dollar auf den Verkaufspreis. Dies ist offenbar ein Betrag, den die meisten Ticos herausholen wollen – sonst ist es kein interessantes Geschäft für sie .

Nationalpärke Corcovado und Manuel Antonio

Mit Lisa sind wir morgens um sechs Uhr mit dem Taxi runter nach Sierpe und von dort mit dem Boot nach Drake Bay. Der Taxifahrer hatte die Temperatur auf ‚Kühlschrank‘ eingestellt, umso mehr setzte uns die Hitze in Sierpe zu. Wir genossen deshalb die ca. einstündige Bootsfahrt nach Drake Bay. In Drake Bay wurden wir von Juan von der Finca Maresia abgeholt. Die Finca Maresia liegt sehr ruhig (wenn man vom Affenlärm absieht) etwas ausserhalb von Drake Bay. Interessant sind die Bungalows, da es im Badezimmer keine Fenster hat, dafür freie Sicht auf den Dschungel.

Da wir so verschwitzt waren, wollten wir etwas baden gehen. Juan hat uns die Fahrt mit dem Quad nach Rincón de San Josecito organisiert. Lisa war die Kühlerfigur. Ich glaube, am Anfang war ihr etwas mulmig zu Mute, doch sie fand schnell Spass an der Quadfahrt – trotz der 3 Flussdurchquerungen. Rincón de San Josecito ist ein schöner und praktisch menschenleerer Strand, wir haben ihn mit einem andern Pärchen geteilt. Das Baden in den Wellen machte Spass, bis wir am Strand eine gelbe Seeschlange entdeckten. Brrr, von da an sind wir nicht mehr ins Wasser. Uns wurde nachher gesagt, dass es sich um eine ziemlich giftige, aber nicht agressive Schlange handle. Stattdessen bin ich meiner Lieblingsbeschäftigung nachgegangen – der Suche nach einer schönen Kokosnuss . Ich hab sie auch gefunden, Marcel ist mein Held, er konnte sie ohne Werkzeug, nur mit Hilfe eines am Strande liegenden Baumstrunkes öffnen. Wir haben uns zuerst die Kokosmilch schmecken lassen, danach hat Marcel die Kokosnuss ganz geknackt und wir haben am Fleisch geknabbert. Ist gar nicht so einfach, das Fleisch von der Schale zu lösen, wenn man kein Messer dabei hat…

Am Abend haben wir mit „Tracy the Bug-Lady“ einen Rundgang gemacht. Man spürt richtig ihre Leidenschaft für diese kleinen Tiere und sie weiss sehr viel. Trotz ihrer spannenden Geschichten würde ich die Tour nur empfehlen, wenn man Spinnen- und Fröschenfan ist – ich bin’s definitiv nicht und da konnten wederTracy noch der schnucklige Rotaugenlaubfrosch etwas daran ändern.

Am nächsten Tag sind Lisa und ich zur Isla del Caño schnorcheln gegangen. Marcel war etwas erkältet, weshalb er sich einen faulen Tag auf der Finca Maresia gemacht hat. Auf der Fahrt Richtung Insel haben wir Delphine gesehen. Beim Schnorcheln gab’s viele bunte Fische und eine Meeresschildkröte zu sehen.
Tags darauf gings auf die Sirena-Tour, Tiere beobachten. Von Drake Bay geht es ca. 3/4 Stunden mit dem Boot zum Nationalpark. Das Meer war sehr unruhig, dunkle Wolken waren am Himmel. Die Bootsfahrt bei diesem Seegang auf einem schmalen Holzbänklein sitzend (bzw. hüpfend) war kein Genuss. Im Nationalpark waren wir zu Fuss unterwegs. Man läuft ein bisschen, sieht und hört sich um, läuft wieder ein bisschen. Aber wir haben einige Tiere gesehen. Zum Teil waren sie weiter weg und wir haben sie durch das Fernrohr des Guide gesehen. Das ist der Nachteil einer solchen Tour. Bis der letzte durch das Fernrohr geschaut hat und dann jeder noch seine Kamera an das Fernrohr gehalten hat… Zum Glück war unsere Gruppe nicht so gross. Der Nationalpark Corcovado beschränkt die Anzahl Eintritte pro Tag, so dass wir unterwegs auch nur drei andere Gruppen kreuzten.

Die Rückreise von Drake Bay haben wir mit Sansa Airlines gemacht. Mit diesen kleinen Dingern zu fliegen ist einfach toll. Lisa hat es so gut gefallen, dass sie ein paar Tage später mit dem Flugzeug nach Tortuguero geflogen ist.

ALs Lisa zurück in die Schweiz geflogen ist, sind Jürg und Daniela zu uns gekommen. Mit ihnen sind wir via Tárcoles und Encantada Ocean Cottages zum Manuel Antonio Nationalpark gegangen. Das Encantada Ocean Cottages liegt direkt am Meer mit einem wunderschönen Strand und ebensolchen Sonnenuntergängen!

Am nächsten Tag habe ich mit Daniela den Manuel Antonio Nationalpark besucht. Puuuuhh, einmal und nie wieder! Schon für den Eintritt mussten wir Schlange stehen. Im Park waren wir eine 12er-Gruppe mit Guide – eine von sehr vielen Gruppen, es ist Massenauflauf pur . 12 Personen, welche ein Tier durch das Fernrohr schauen wollten, 11 Personen, welche danach noch die Kamera an das Fernrohr halten wollten. „How cool is that!“. Böahhh. Sehr viele Tiere haben wir nicht gesehen. Das Faultier haben Daniela und ich auf dem Rückweg entdeckt – ohne Guide.  Einige Touristen liefen mit nackten Oberkörpern rum, andere im Bikini. Am Strand hatte es verhältnismässig viele Leute – dabei gibt es so viele menschenleere und wunderschöne Strände zu entdecken…

Fazit: Ich bleibe ein Fan vom Tortuguero-Nationalpark (siehe auch den Beitrag dazu). Falls weitere Aktivitäten wie Schnorcheln, Tauchen usw. auf dem Programm stehen sollen, ist auch Corcovado gut. Aber Manuel Antonio? Nein danke!

Jagd auf den Quetzal

Bereits mit Lisa wollten wir den Quetzal – auch Göttervogel genannt – beobachten gehen. Wir hatten mit ihr deshalb einen Ausflug via Orosi-Tal nach Cerro de la Muerte gemacht und in in der Manantial Mountain Lodge übernachtet (sehr einfache, aber saubere und günstige Lodge). In einem Reisebericht hatten wir gelesen, dass man keinen Guide braucht, man solle nur auf die Kleinbusse achten, welche mit den Touristen herumfahren. Am nächsten Morgen sind wir früh raus und haben schon kurz darauf einen Kleinbus am Strassenrand gesehen und lauter Menschen mit ihren umgehängten Kameras, welche zu Bäumen hochgeschaut haben, welche etwas weiter oben am Hang standen. Deren Guide hatte gemeint, der Quetzal müsse in diesem Baum sein – nur als nach 15 Minuten immer noch kein Quetzal zu sehen war, sind wir weiter und der Kleinbus auch. Wir sind dann mit Lisa über Quepos und Playa Jacó zurück gefahren, ohne den Vogel mit seinen schönen Federn gesehen zu haben.

Mit Jürg und Daniela haben wir einen neuen Versuch unternommen. Nach einer Übernachtung in den Encantada Ocean Cottages und dem Besuch des Manuel Antonio Nationalparkes (siehe Bericht hier) sind wir über San Isidro de El General nach Cerro de la Muerte gefahren und von dort noch etwas weiter zur Paraíso Quetzal Lodge. Cerro de la Muerte liegt auf über 3000m ü.M. und man hat auf dieser Strecke eine phantastische Aussicht, auch auf den Nebelwald. Unterwegs ist ein Lieferwagen von der Interamericana abgekommen, was zu einer etwa 1.5 stündigen Verkehrsblockade geführt hat. Es ist schon interessant, wie viele Lastwagen täglich über Cerro de la Muerte fahren.

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Musik beruht auf dem Werk unter Thaw (Outro) (Kai Engel) / CC BY-NC 4.0

Die Paraíso Quetzal Lodge liegt auf über 2500 m ü.M. und am Abend bzw. Morgen ist es sehr kühl. Da ist man froh um einen warmen Pulli und das brennende Cheminée im Restaurant. Und einen sehr guten Wein zu einem vernünftigen Preis gabs zum Abendessen auch. Dies alles im Gegensatz zur Manantial Lodge, wo weder der Kamin brannte noch Wein zu kaufen war (den Wein hätte man selber mitbringen müssen). Und die Zuckerwassermischung der Lodge scheinen die Kolibris gerne zu haben.

Am nächsten Morgen sind wir mit Jorge von der Paraíso Quetzal Lodge früh raus. Wir sind zu einer von der Lodge 8 km entfernten Stelle gefahren und haben schon nach 3 Minuten den ersten Quetzal gesehen. In der nächsten Stunde haben wir noch einige Quetzals zu Gesicht bekommen – ist er nicht putzig, dieser Vogel?
Die Paraíso Quetzal Lodge ist an einer Initiative beteiligt, wo lokale Familien auf ihren privaten Grundstücken die Avocadosorten anpflanzen, welche die Quetzals gerne essen. Die mitwirkenden Familien dürfen mit ihren Gästen auf diesen Grundstücken die Vögel beobachten – der Erfolg ist garantiert. Auch sonst wird viel unternommen, um die lokale Wirtschaft zu fördern. Die Lodge ist wirklich empfehlenswert.