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Kuba

Kuba, Kuba, Kuba, Kuuubaaa

Eigentlich wollte ich den Beitrag über Kuba über die Ostertage schreiben. Der Husten, der mich seit längerem plagte, hat mich dann aber ins Bett gehauen. Die ganze nachfolgende Woche habe ich nachts geschlafen und tagsüber gedöst. Ich war zu nichts zu gebrauchen.

Nun bin ich wieder fit und möchte über unsere zweiwöchige Kubareise erzählen. Am 6. März sind wir zwei Stunden vor Abflug in San José am Flughafen gewesen. Beim Einchecken hat man uns mitgeteilt, der Flug mit Cubana würde nicht wie geplant um 09:30h sein, sondern mit 12h Verspätung um 22:30h. Wir wurden in ein Hotel gebracht und bekamen ein schönes Zimmer sowie Gutscheine für ein Mittag- und ein Abendessen. Um 23:30h sind wir geflogen. Mit der Zeitverschiebung sind wir schliesslich gegen 4h morgens in unserer ersten Unterkunft eingetroffen.

Wir hatten zwei Tage Zeit, die Hauptstadt Havanna zu besichtigen. In der Altstadt hat es viele wunderschöne Häuser, die heute leider nur noch Ruinen sind. Man erkennt gut, welch Blütezeit die Stadt mal hatte. Es wird zwar sehr viel renoviert, es gibt aber auch sehr viel aufzuholen. Die Stadt lebt hauptsächlich vom Tourismus und das hört und sieht man überall. Die Gassen in der Altstadt sind voll von Touristen. Entsprechend werden oft nur die Häuserseiten schön gemacht, die von den Gassen her (sprich: für die Touristen) sichtbar sind.

Es hat viele kleine Bars und immer wieder spielt irgendwo eine Band live. Durch die Gassen zu schlendern, das Treiben zu beobachten und ab und zu eine TuKola (das kubanische Cola, m.E. so gut wie Coca-Cola und besser als Pepsi-Cola) zu trinken hat mir sehr gut gefallen, trotz der vielen Touristen. Marcel hat sich von zwei folkloremässig angekleideten Damen küssen lassen. Am Kuss hatte er Freude – dass sie dafür danach Geld wollten, hat ihn weniger gefreut. Es wäre schön, wenn es in San José auch so Gassen mit gemütlichen Bars mit Musik gäbe, wo man draussen sitzen kann.

Der Zika-Virus war in Kuba auch aktuell. Wir sahen in den Gassen Informationsschreiben, wo die Bevölkerung informiert wurde, wann das Militär in ihrer Gasse die Wohnungen „ausräuchern“ kommt und dass die Bewohner das Militär reinlassen sollen. Ob das „Ausräuchern“ für die Menschen gesund ist?

Auf den Strassen der Hauptstadt fährt allerlei – manches nur für den Tourismus. Die vielen Autos aus den 50er-Jahren fallen besonders auf, sie sind ein Augenschmaus. Wir haben uns eine einstündige Stadtfahrt mit einem rosafarbenen 54-er Chevrolet gegönnt. Es hatte nicht mehr den Originalmotor unter der Haube, sondern einen 5-Zylinder-Motor von Mitsubishi – säuft 20l auf 100km. Bei aller Nostalgieliebe darf man nicht vergessen: die Dinger haben keine Servolenkung. Der junge Chauffeur musste ganz schön am Lenkrad ziehen.

In Kuba gibt es zwei Währungen: den Peso convertible (CUC) und den kubanischen Peso (CUP). Ein CUC entspricht etwa einem Dollar bzw. 24 CUP. Sehr salopp ausgedrückt ist der CUC die Währung für die Touristen, die Einheimischen verdienen in CUP. In gewissen Geschäften kann nur mit CUC bezahlt werden, in andern Geschäften sind beide Währungen akzeptiert.

Das Durchschnittseinkommen eines Kubaners beträgt 25 bis 30 Dollar (variiert je nach Quelle) pro Monat. Allerdings muss der Kubaner keine Miete bezahlen, das Gesundheitssystem ist gratis, er bekommt Lebensmittelkarten für einen „Basis-Warenkorb“ (enthält u.a. 5 Eier pro Monat, es ist also wirklich nur eine Basis, die kaum reicht, um über die Runden zu kommen; zum Teil ist die Ware nicht mal verfügbar) usw. Trotzdem ist in meinen Augen der „Durchschnitts-Kubaner“ arm. Als ich jedoch den Besitzer einer „casa particular“ (siehe weiter unten) auf dem Lande auf die Armut angesprochen habe, hat er mir geantwortet: „in Kuba kann heute jeder etwas erreichen, wenn er will und genug arbeitet“. Ob das bloss eine politisch korrekte Antwort war? Spricht man die Menschen auf die Regierung an, wird meist ausgewichen.

In Havanna wie auch im übrigen Land haben wir gut und günstig gegessen und getrunken. Ein Glas Weisswein (guter Sauvignon Blanc aus Chile) gab es in der Hauptstadt für zwei CUC, der Tagesfisch kostete neun CUC, der Salat zweieinhalb CUC und die TuKola ein CUC. Dafür kostete eine Packung Pringels-ähnlicher Chips in einem der wenigen Supermärkte fast vier CUC – für viele Einheimische unerschwinglich. Auf dem Lande, ausserhalb der touristischen Gebiete, kostet die TuKola etwa 50 Cents. Der Rotwein für 80 Cents das Glas war kein Heuler. Generell ist auf dem Land alles etwas günstiger.

Es hat zwar in Havanna einige Geschäfte, die Auswahl an Waren ist jedoch sehr beschränkt. Dinge des alltäglichen Bedarfs wie Seife und Shampoo sind immer noch Mangelware. Nur den Essig von Kühne gibt‘s offenbar überall (den Kräuteressig gibt’s auch in Costa Rica). Zum Teil sind die Regale einfach leer. Notgedrungen wird mit dem gearbeitet, was da ist. Warum nicht ein selbst gezimmertes Holzgestell als Nagelstudio? Und ob die sieben Tage Garantie auf dem Fahrrad etwas mit der Qualität zu tun haben?
Internetanschluss gibt’s auch nicht überall. Nur an wenigen öffentlichen Plätzen gibt es WIFI gegen Bezahlung. Hierfür kauft man eine Karte, wo die Logindaten drauf stehen Offizieller Preis der Karte mit Anstehen am Schalter ist zwei Dollar für eine Stunde surfen; kauft man die Karte bei einem „fliegenden“ Händler, kostet sie drei Dollar. So kann man mit Touristen, die zum Anstehen zu faul sind, auch Geld verdienen .

Übernachtet haben wir während unserer ganzen Kubareise immer in sogenannten „casas particulares“. Das sind Privatpersonen, welche Zimmer vermieten und bei denen man meist auch essen kann. Sie brauchen eine Lizenz vom Staat. Für diese Lizenz bezahlen sie ca. 250 Dollar pro Monat, unabhängig davon, wieviel Umsatz sie generieren. Wir haben meist 25 Dollar pro Nacht pro Zimmer bezahlt. Die Zimmer waren schlicht, aber immer sehr sauber. Zum Duschen gab’s Warmwasser (die Installation dafür ist manchmal etwas abenteuerlich), beim Waschbecken gab’s oft nur Kaltwasser. Seife/Shampoo war selten vorhanden, das hatten wir selber mitgebracht. Die Matratzen waren manchmal so durchgelegen, dass man die Lättlis spürte ;-).
Das Frühstück kostete um die fünf Dollar, das Abendessen um die zehn Dollar pro Person. Zur Auswahl standen in der Regel Fisch, Languste, Geflügel oder Schwein. Dazu gab’s Reis, Yucca, schwarze Bohnen (ja, alles zusammen) sowie Salat aus Tomaten, Gurken und Kabis. Danach ein kleines Dessert, z.B. Mangocrème mit Käse (sehr speziell).
Familienanschluss gab es manchmal mehr, manchmal weniger. Als wir in Havanna auf dem Balkon sassen und auf der Karte die Lage der Sehenswürdigkeiten studierten, wurde das Grosi mit den Rüschenunterhosen zwischen den Knien auf den Topfstuhl gesetzt und zum Balkon geschoben – wo wir sassen. Familiärer kann’s nicht zugehen…

Am dritten Tag haben wir den Mietwagen geholt und sind von Havanna via Landstrassen nach Viñales gefahren. Ich war erstaunt darüber, in welch verhältnismässig gutem Zustand diese Strassen sind. Man muss wissen, dass es in Kuba nebst den Landstrassen zwar sechsspurige Autobahnen gibt. Ausserhalb von Havanna hat es aber auf der Autobahn wie auch auf der Landstrasse kaum Verkehr. Ab und zu ein Auto, ein Reiter, ein Velofahrer oder ein Sammeltransport. Auf den Landstrassen sind des Öfteren noch Ochsenkarren bzw. Ochsenpflüge zu sehen. Im Verhältnis zu diesen wenigen Verkehrsteilnehmern sind die Strassen m.E. recht gut. Auch das Ampelsystem machte mir einen modernen Eindruck: es zeigt an, wie viele Sekunden die aktuelle Phase (grün oder rot) noch dauert. Hier gibt der Staat viel Geld für den Tourismus aus.
In Kuba sind die Strassen meistens nicht angeschrieben. Ein Navi oder eine entsprechende Karte auf dem Smartphone liefern gute Dienste. Ich hatte leider die App maps.me (sehr empfehlenswerte App) nur auf dem iPad (ohne SIM-Slot) mit der Karte von Kuba bestückt, auf dem Handy hatte ich vergessen, dies zu tun. Mit den langsamen Internetverbindungen in Kuba konnte ich dies auch nicht nachholen. So mussten wir jeweilen auf Grund von Sehenswürdigkeiten herausfinden, wo wir uns befanden. Etwas anstrengender zum Navigieren, aber es hat trotzdem geklappt.

Sowohl auf den Landstrassen wie auch auf den Autobahnen wird viel ‚gestöppelt‘. Wir waren zu viert unterwegs und unser Auto war deshalb voll. Aber wenn ich mitten in der Pampa jemanden ‚stöppeln‘ sah, habe ich mich oft gefragt, wie lange diese Person da schon stehen mag und wie lange sie noch warten muss, bis jemand kommt und sie mitnimmt.
Die Strassenpolizei war auch sehr nett. Von Costa Rica her sind wir es gewohnt, sowohl rechts wie auch links zu überholen. Als Marcel auf der Autobahn ein Auto rechts überholt hat, war prompt die Polizei da. Sie hat uns nach Prüfung der Dokumente freundlich darauf aufmerksam gemacht, dass in Kuba nur links überholt werden darf.

In Viñales haben wir in der „Casa Jesús y María“ gewohnt. Anay, die Betreiberin, ist eine junge, fröhliche, sehr herzliche und motivierte Frau. Das Essen war so reichlich, dass kein Platz mehr auf dem Tisch war. Die casa ist ruhig gelegen und trotzdem ist man in fünf Minuten zu Fuss im Zentrum dieses touristischen Ortes. Es hat auch diverse Ausflugsziele in der Nähe und man kann, wenn man will, sich mit dem schönen Auto hinfahren lassen. Ich kann diese casa wärmstens empfehlen.

In Viñales  haben wir die Indianerhöhlen besucht. Ehrlich, die Tropfsteinhöhlen von Vallorbe in der Schweiz finde ich wesentlich eindrucksvoller. Es ist traurig dies sagen zu müssen, aber generell haben mich die Sehenswürdigkeiten ausserhalb von Havanna nicht so beeindruckt. Meistens dachte ich nur: „na ja“. Bei der sogenannten prähistorischen Mauer (gemalt 1961, von wegen prähistorisch!) sind wir nur vorbeigefahren, den Eintrittspreis haben wir uns gespart. Dafür hat man vom Hotel Jazmine aus eine super Aussicht auf das Tal Viñales und auf die sogenannten Mogotes (Kegelfelsen). Beim Hotel Jazmine werden auch Souvenirs verkauft, u.a. Zigarren. Wenn man keine Ahnung von Zigarren hat und Zigarren kaufen will, sollte man sich vorher schlau machen. Dort gibt es kein Internet. Marcel und ich haben Zigarren gekauft und als wir später im Internet geprüft haben, was wir gekauft haben – na ja: keine handgefertigten Zigarren, sondern industriell gefertigte Zigarren und preislich so teuer wie in der Schweiz, sniff. Wir haben auch eine Tabakplantage besucht (obwohl ich ja als Jugendliche mit dem Ernten von Tabakblättern mein Taschengeld aufgebessert habe; ich weiss also, wie eine Tabakpflanze aussieht, wie geerntet und getrocknet wird).

Die nächste Etappe waren Soroa und Las Terrazas. Der Orchideengarten von Soroa ist ein mittelgrosser, schön angelegter Park mit einem kleinen Orchideen-Gewächshaus. Der Wasserfall (Salto de Soroa) ist ein kleiner Wasserfall von etwa 10 Meter Höhe. Das Besondere an diesem Wasserfall ist, dass der Weg über ca. 280 Stufen geht – die man dann alle wieder hoch muss….

Las Terrazas ist ein Projekt zur Wiederaufforstung eines 5000 Hektar grossen Gebiets und zur Verbesserung der Lebensumstände der dortigen Bevölkerung. Die Anlage sieht von weitem hübsch aus mit seinem See. Läuft man durch den Teil der Anlage, wo die Bevölkerung wohnt, so sieht es ziemlich trostlos aus. Ich musste an eine Feriendorfanlage à la DDR denken. Da helfen auch die vielen Bäume ringsherum nicht.

Wir haben ausserhalb von Las Terrazas in einer casa particular übernachtet. Rund ums Haus hatte es freilaufende Hühner – ein Bild, welches man auf dem Land in Kuba noch oft sieht. Zum Frühstück gab es in Kuba immer Eier. Ich war der festen Überzeugung, dass die Eier, welche wir in den casas serviert bekamen, jeweilen von den herumlaufenden Hühnern stammten. Etwas ernüchtert war ich, als ich den Hausherrn mit zwei Kartons voller Eier aus dem Auto steigen sah. Vermutlich stammten unsere Frühstückseier eher von diesen armen Batteriehühnern ab, die wir unterwegs auch gesehen hatten – die Hühner waren zweistöckig übereinander gepfercht. Ich möchte ja nicht in so einem Käfig eingesperrt sein und schon gar nicht im unteren Stockwerk – ein im wahrsten Sinne des Wortes verschissenes Leben.

Von Las Terrazas aus haben wir einen kleinen Ausflug zu den Stränden in der Nähe von Havanna gemacht. Badeferien möchte ich hier nicht grad machen. Etwas neidisch bin ich auf den Besitzer des Hauses am Meer. In einem Dorf, nahe von Havanna, Wäsche hängt unter den Palmen mit Sicht auf’s Meer – ob er sich dessen bewusst ist, wieviel Wert das mal haben wird?

Dann ging es weiter nach Trinidad, einer kleinen, aber relativ gut erhaltenen Stadt. Wir sind in die Stadt reingefahren und im Stossverkehr in den engen Gassen mit Pflastersteinen stecken geblieben. Ich staune, wie sich die Busse zwischen den Autos durchquetschen. Es dauerte eine Weile, bis wir wieder zur Stadt raus kommen. Am nächsten Tag sind wir mit dem Taxi in die Stadt, um sie zu besichtigen.

Bei Trinidad haben wir einen Ausflug nach Topes de Collantes unternommen, einem Nationalpark und Kurort. Die Natur wäre sehr schön, wäre sie nicht mit fürchterlichen und zum Teil verfallenen Bauten verschandelt. Traurig und trostlos. Das gilt für viele Orte in Kuba: es hat viel Grün, aber dann taucht mitten in der Pampa neben der idyllischen Kuhwiese ein hässlicher, verfallener Plattenbau auf…

Von Trinidad ging’s mit einer Zwischenübernachtung in der Playa Larga (Stichwort: Schweinebucht) zurück nach Havanna und nach Hause. Es wurde eine kurze Nacht, da die Freiluftdisco im Ort bis gut zwei Uhr nachts die Musik aus vollen Rohren dröhnen liess. Und der Besitzer der casa particular, in der wir übernachteten, hatte das Gefühl, auf seiner Terrasse bis Mitternacht eine andere Musik spielen zu müssen…

Würde ich die Reise nochmals planen, ich würde sie vermutlich auf eine Woche kürzen: die Hälfte für Havanna, die andere Hälfte für eine kurze Reise über Land.

Ach ja, fast hätt ich’s vergessen: ein Souvenir hab ich natürlich auch gefunden . Ist er nicht schön, mein Fisch aus Pappmaché?

Fisch aus Pappmaché als Souvenir

Fisch aus Pappmaché als Souvenir