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ein Mikrokosmos-Tagebuch

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Besuch einer Ananasplantage

Costa Rica gehört zu den Hauptproduzenten von Ananas. Im Januar haben wir die Gelegenheit gehabt, die Ananasplantage „Hacienda Roswitha“ zu besuchen. Freunde von uns haben über Thurgau Travel eine Reise nach Costa Rica gebucht. Im Rahmen dieser Reise war u.a. der Besuch der Plantage vorgesehen und Stéphane Dähler, der Reiseleiter, hat uns ganz spontan zum Plantagenbesuch eingeladen. Megalieb! Übrigens: Stéphane Dähler ist einer der Söhne von Ananaskönig Johann Dähler, siehe die spannende Lebensgeschichte als SRF-Dok  „Der Triumph des Ananaskönigs“.

So sind wir frühmorgens von Atenas am Vulkan Poás vorbei nach Puerto Viejo de Sarapiqui gefahren, wo der Treffpunkt war. Der Vulkan zeigte sich von seiner besten Seite, kein Wölklein und endlose Weitsicht. Die Strecke nach Puerto Viejo ist ebenfalls sehr schön. Mit der Gruppe sind wir zur Ananasplantage gefahren. Wo das Auge hinschaut, alles nur Ananaspflanzen. Auf dem Feld durften wir als erstes eine frisch geerntete Ananas kosten – saftig, süss, gut temperiert: einfach köstlich! Es erinnert mich an Cherrytomaten, welche am besten sind, wenn man sie an einem schönen Sommertag direkt vom Strauch isst

Wir haben einiges über die Ananas und ihre Zucht gelernt. Die Ananas entsteht aus einem Blütenstand. Es dauert über ein Jahr, bis die Ananaspflanze gross genug ist, blüht, die Frucht bildet und endlich geerntet werden kann. Damit das ganze Jahr über geerntet werden kann, werden die Pflanzen mit einem Produkt bespritzt, welches das Wachstum steuert. Mit einem „Schwangerschaftstest“ (aufschneiden der Pflanze) wird geprüft, ob genügend Pflanzen „schwanger“ geworden sind, sonst wird nachgespritzt. So hat die Plantage verschiedene Bereiche mit Pflanzen in unterschiedlichen Wachstumsphasen. Alles wird nachvollziehbar notiert, für jede Ananas kann genau gesagt werden, wann und wo sie gepflanzt worden ist, wann und womit sie behandelt worden ist und wann sie geerntet worden ist.

Die Ernte ist eine harte Arbeit. Die Ananas ist eine empfindliche Frucht, die Ernte erfolgt von Hand und die Arbeiter bewegen sich zwischen den spitzen Blättern der Ananaspflanze. Zum Teil kommt noch grosse Hitze dazu. Die Arbeit wird in Costa Rica oft von Nicaraguanern wahrgenommen. Die Frucht wird vom Arbeiter auf das Fliessband gelegt, welches am Traktor mit Anhänger festgemacht ist. Im Anhänger werden die Früchte sauber gestapelt, Frucht auf Krone. Dann geht es zurück zur Verarbeitungsstation. Die Früchte werden vom Anhänger in ein Wasserbad gekippt. So nehmen sie keinen Schaden. Von dort geht es auf ein Fliessband, wo überreife, beschädigte, nicht wohlgeformte Früchte von Arbeitern aussortiert werden. Den Früchten mit einer krummen Krone wird die Krone abgeschnitten. Erstens „wollen“ wir Konsumenten ja perfekt aussehende Früchte – dazu gehört auch, dass die Ananas behandelt wird, damit sie gelb aussieht – und zweitens können Ananas mit einer krummen Krone nicht gut in den Kartons gestapelt werden. Apropos gelbe Farbe: Ananas werden immer reif gepflückt, da sie nicht nachreifen. Die Ananas wäre eher grün, aber dann hätten wir das Gefühl, die Frucht sei nicht reif und würden sie nicht kaufen. Drum wird nachgeholfen.
Danach bekommen sie für die Reise noch eine Wachsbehandlung. In der nächsten Station werden die Früchte sortiert, einerseits nach Grösse, andererseits ob mit oder ohne Krone. Jeder Arbeiter hat verschiedene Kartons neben sich. In Sekundenschnelle muss er die Grösse (Gewicht) der Ananas erkennen und jeden Karton mit Früchten der gleichen Grösse befüllen. Bei Grösse 6 passen 6 Ananas in die Kiste, bei Grösse 10 passen 10 rein, usw. In der nächsten Station werden die Kisten auf Paletten gestapelt, verpackt und dann ab mit dem Lastwagen zum Hafen. Pro Woche werden etwa 300 bis 400 Tonnen Ananas verarbeitet. Zu Spitzenzeiten wie etwa Weihnachten verlassen auch mal pro Tag 300 Tonnen Ananas die Plantage.

Die Ananaspflanze selber produziert gegen Ende der Blütezeit Ableger. Diese werden nach der Ernte von der Mutterpflanze entfernt und neu eingepflanzt. Und etwas mehr als ein Jahr später gibt es dann wieder eine süsse Frucht. Die Mutterpflanze selber wird zurückgeschnitten und bildet sich dann wieder neu.

Wenn wir in Atenas auf dem lokalen Markt Ananas einkaufen – die haben oft krumme Kronen  – fragt uns der Verkäufer immer, ob er die Krone abnehmen soll. Wir verneinen dies, denn wir pflanzen die Krone in unserer eigenen Mini-Plantage ein. In ein paar Monaten, wenn die Pflanzen gross genug sind, werden wir sie „stressen“ müssen, damit sie eine Blüte bildet. Gemäss Stéphane sollen wir entweder Eiswürfel in den Kern der Pflanze schütten oder über Nacht einen Apfel drauflegen. Der Apfel gibt das Gas Ethylen ab, welches in den Früchten für deren Reifung verantwortlich ist und welches auch die Blütenbildung bei den Bromelien – die Ananaspflanze gehört dazu – unterstützt. Gut haben wir die Ananasplantage besucht, sonst hätten wir diesen Trick nicht gekannt. Unsere Pflanzen wären dann zwar immer schön gewachsen, aber hätten vielleicht jahrelang nicht geblüht und damit keine Früchte gemacht. So dürfen wir hoffen, dass wir gegen Ende Jahr bzw. anfangs nächsten Jahres die ersten Früchte ernten können. Erst noch bio .

Nach der Ananasplantage haben wir noch die Zucht von indischen Wasserbüffeln von Dählers besucht. Deren Fleisch wird im Automercado verkauft, mit der Milch wurden erste Versuche der Herstellung von Mozzarella gestartet. Da die Ananaspflanze nicht gerne „nasse Füsse“ hat, ist das Gelände hügelig. Im „Tal unten“, wo sich das Wasser sammelt, können die Wasserbüffel sich suhlen und gehackte Ananaskronen essen. So sind sie eine gute Ergänzung zur Ananasplantage.

Für den Nachhauseweg haben Marcel und ich dann die Ruta 32 gewählt. Diese führt durch den Nationalpark Braulio Carrillo. Eine sehr schöne und absolut empfehlenswerte Strecke.

Der Autoverkauf

Man muss wissen, dass in Costa Rica die Autos grösstenteils nicht präventiv gewartet werden. Es gibt kein Serviceheft. Man fährt das Auto und wenn was kaputt geht, dann flickt man einfach. Vor knapp einem Jahr haben wir einen Hyundai Accent Jahrgang 2009 gekauft. Das Auto war seither ein paar Mal in der Garage. Bremsflüssigkeit wechseln, zweimal Batterie wechseln (leider fand ich den Garantieschein der ersten Batterie erst nachher wieder), Platten beheben (das Auto kann zwar nichts dafür), Ölpumpe wechseln usw. Kurzum: letzten Samstag hatte ich die Nase gestrichen voll und ich habe zu Marcel gesagt: „Das Auto muss weg“. Marcel hat keinen Widerstand geleistet. Er sagt, er wollte mich nicht unglücklich machen. Tatsache ist, dass er seit Monaten auf Webseiten mit Occasionsfahrzeugen rumsurft. Und er wusste am Samstag auch sofort, wo wir hingehen mussten.

Gesagt, getan. Wir haben gleichentags einen zweijährigen Nissan X-Trail gekauft – gestern konnten wir ihn holen gehen.

Nissan X-Trail

Nissan X-Trail

Nun musste der Hyundai verkauft werden – wir brauchen nicht zwei Autos. Ich habe anfangs Woche auf crautos.com, costarica.craigslist.org und olx.co.cr inseriert – Marcel hat’s zudem auf Facebook gepostet. Auf den Webseiten war unter den Inseratetipps zu lesen, dass die Ticos gerne verhandeln und man den Preis deshalb etwas höher ansetzen sollte. Ich habe den Verkaufspreis im Inserat etwa 300 Dollar höher angesetzt, als der von uns gewünschte Erlös war. Wir haben bewusst nicht zuviel verlangt, wir wollten ja nicht monatelang zwei Autos haben. Nachfolgend ein paar Auszüge aus Telefonaten / SMS mit „interessierten“ Käufern.

Anruferin: Ich rufe wegen dem Hyundai an. Ist der Preis verhandelbar?
Ich: Ja (stand im Inserat)
Anruferin: Was ist ihr tiefster Preis?
Ich: Wollen sie sich denn nicht zuerst das Auto anschauen?
Anruferin: Ich muss mit meinem Mann schauen, ich rufe wieder zurück (sie hat sich nicht mehr gemeldet).

SMS: Ohne Autotausch, dafür 500‘000 Colones (das sind rund 950 Dollar!) weniger. Die Offerte ist seriös gemeint (ich reagiere nicht).

Anrufer: Ich rufe wegen dem Hyundai an. Ich habe einen Toyota Corolla.
Ich: Ja?
Anrufer: Ich würde das Auto tauschen.
Ich: Ich will aber kein Auto kaufen.
Anrufer: Ach so, sie wollen das Bargeld.

Anrufer: Ich rufe wegen dem Hyundai an, ich habe ein paar Fragen.
Ich: was möchten sie denn gerne wissen?
Anrufer: Wie ist der Zustand des Fahrzeuges?
Ich: Das Auto ist in einem sehr guten Zustand (steht im Inserat). Der Motor funktioniert sehr gut, die Karrosserie hat ein paar Kratzer.
Anrufer: Das Auto ist von 2009?
Ich: Ja (steht im Inserat)
Anrufer: Der Preis ist verhandelbar?
Ich: Ja (steht im Inserat).
Anrufer: Hmm, was könnte ich noch fragen? Ich rufe wieder zurück (hat er nicht; warum hat er überhaupt angerufen?).

SMS-Absender: hat das Auto elektrische Fenster und Spiegel?
Ich: Nein, aber Zentralverriegelung.
SMS-Absender: Danke, wenn mich das Auto mehr interessieren sollte, melde ich mich wieder (hat er/sie nicht)

Anrufer: Ich rufe wegen dem Hyundai an, ist er noch zu haben?
Ich: Ja
Anrufer: wo kann man das Auto besichtigen?

Wir machen ab. Als wir ankommen, sitzt der Interessent mit einem Kollegen beim Kaffee. Er kommt zu uns, läuft um’s Auto rum und geht zum Kollegen zurück. Was ist jetzt? Interessiert ihn das Auto nicht? Wir setzen uns an den Nebentisch. Als er den Kaffee fertig hat, geht er wieder zum Auto. Sitzt in’s Auto rein, schaut es etwas an und will die Fahrzeugpapiere sehen. Den Motor will er gar nicht anlassen. Steigt aus und bietet uns 3.5 Mio Colones (das sind etwa 1‘500 Dollar weniger als das Auto ausgeschrieben ist; für mich ein unverschämtes Angebot!). Ich sage ihm, dass dies zuwenig sei. Er geht rauf auf 3.75 Mio Colones, das sei sein höchstes Angebot. Ich sage ihm, dass ich 4.1 Mio Colones haben müsse – und dass das Auto eh schon günstig sei. Er meint süffisant, dass ich ihn ja anrufen könne, wenn ich das Auto nicht verkaufen könne (war vermutlich ein Autohändler aus Grecia – was bildet der sich bloss ein?).

SMS: habe einen Range Rover, ist mir zu gross und ich würde tauschen (ich reagiere nicht)

Anrufer: Ich rufe wegen dem Hyundai an. Ist der Preis verhandelbar?
Ich: Ja (steht im Inserat)
Anrufer: Für wieviel würden sie ihn denn geben?
Ich: Wieviel sind sie denn bereit zu bezahlen (ich habe mich schon daran gewöhnt, dass der Preis besprochen wird, ohne das Objekt gesehen zu haben)?
Anrufer: 3.8 Mio Colones (also rund 950 Dollar weniger als ausgeschrieben).
Ich: Das ist zuwenig, 4.1 Mio Colones ist der Mindestpreis.
Anrufer: Ich muss mit meiner Frau schauen, ich rufe zurück (hat er nicht).

Derjenige, der das Auto gekauft hat, hat es vor der Preisverhandlung angeschaut und ist damit auch Probe gefahren. Das Angebot war in einem Rahmen, den ich als fair bezeichne. Gestern haben wir den Vertrag unterzeichnet (die Handänderung muss durch einen Anwalt erfolgen, da der Halter in ein Register eingetragen wird, welches nur von Anwälten nachgeführt werden darf).

Mein Fazit: wenn ich das nächste Mal ein Auto verkaufen will, dann schlage ich 1000 Dollar auf den Verkaufspreis. Dies ist offenbar ein Betrag, den die meisten Ticos herausholen wollen – sonst ist es kein interessantes Geschäft für sie .

Kuba, Kuba, Kuba, Kuuubaaa

Eigentlich wollte ich den Beitrag über Kuba über die Ostertage schreiben. Der Husten, der mich seit längerem plagte, hat mich dann aber ins Bett gehauen. Die ganze nachfolgende Woche habe ich nachts geschlafen und tagsüber gedöst. Ich war zu nichts zu gebrauchen.

Nun bin ich wieder fit und möchte über unsere zweiwöchige Kubareise erzählen. Am 6. März sind wir zwei Stunden vor Abflug in San José am Flughafen gewesen. Beim Einchecken hat man uns mitgeteilt, der Flug mit Cubana würde nicht wie geplant um 09:30h sein, sondern mit 12h Verspätung um 22:30h. Wir wurden in ein Hotel gebracht und bekamen ein schönes Zimmer sowie Gutscheine für ein Mittag- und ein Abendessen. Um 23:30h sind wir geflogen. Mit der Zeitverschiebung sind wir schliesslich gegen 4h morgens in unserer ersten Unterkunft eingetroffen.

Wir hatten zwei Tage Zeit, die Hauptstadt Havanna zu besichtigen. In der Altstadt hat es viele wunderschöne Häuser, die heute leider nur noch Ruinen sind. Man erkennt gut, welch Blütezeit die Stadt mal hatte. Es wird zwar sehr viel renoviert, es gibt aber auch sehr viel aufzuholen. Die Stadt lebt hauptsächlich vom Tourismus und das hört und sieht man überall. Die Gassen in der Altstadt sind voll von Touristen. Entsprechend werden oft nur die Häuserseiten schön gemacht, die von den Gassen her (sprich: für die Touristen) sichtbar sind.

Es hat viele kleine Bars und immer wieder spielt irgendwo eine Band live. Durch die Gassen zu schlendern, das Treiben zu beobachten und ab und zu eine TuKola (das kubanische Cola, m.E. so gut wie Coca-Cola und besser als Pepsi-Cola) zu trinken hat mir sehr gut gefallen, trotz der vielen Touristen. Marcel hat sich von zwei folkloremässig angekleideten Damen küssen lassen. Am Kuss hatte er Freude – dass sie dafür danach Geld wollten, hat ihn weniger gefreut. Es wäre schön, wenn es in San José auch so Gassen mit gemütlichen Bars mit Musik gäbe, wo man draussen sitzen kann.

Der Zika-Virus war in Kuba auch aktuell. Wir sahen in den Gassen Informationsschreiben, wo die Bevölkerung informiert wurde, wann das Militär in ihrer Gasse die Wohnungen „ausräuchern“ kommt und dass die Bewohner das Militär reinlassen sollen. Ob das „Ausräuchern“ für die Menschen gesund ist?

Auf den Strassen der Hauptstadt fährt allerlei – manches nur für den Tourismus. Die vielen Autos aus den 50er-Jahren fallen besonders auf, sie sind ein Augenschmaus. Wir haben uns eine einstündige Stadtfahrt mit einem rosafarbenen 54-er Chevrolet gegönnt. Es hatte nicht mehr den Originalmotor unter der Haube, sondern einen 5-Zylinder-Motor von Mitsubishi – säuft 20l auf 100km. Bei aller Nostalgieliebe darf man nicht vergessen: die Dinger haben keine Servolenkung. Der junge Chauffeur musste ganz schön am Lenkrad ziehen.

In Kuba gibt es zwei Währungen: den Peso convertible (CUC) und den kubanischen Peso (CUP). Ein CUC entspricht etwa einem Dollar bzw. 24 CUP. Sehr salopp ausgedrückt ist der CUC die Währung für die Touristen, die Einheimischen verdienen in CUP. In gewissen Geschäften kann nur mit CUC bezahlt werden, in andern Geschäften sind beide Währungen akzeptiert.

Das Durchschnittseinkommen eines Kubaners beträgt 25 bis 30 Dollar (variiert je nach Quelle) pro Monat. Allerdings muss der Kubaner keine Miete bezahlen, das Gesundheitssystem ist gratis, er bekommt Lebensmittelkarten für einen „Basis-Warenkorb“ (enthält u.a. 5 Eier pro Monat, es ist also wirklich nur eine Basis, die kaum reicht, um über die Runden zu kommen; zum Teil ist die Ware nicht mal verfügbar) usw. Trotzdem ist in meinen Augen der „Durchschnitts-Kubaner“ arm. Als ich jedoch den Besitzer einer „casa particular“ (siehe weiter unten) auf dem Lande auf die Armut angesprochen habe, hat er mir geantwortet: „in Kuba kann heute jeder etwas erreichen, wenn er will und genug arbeitet“. Ob das bloss eine politisch korrekte Antwort war? Spricht man die Menschen auf die Regierung an, wird meist ausgewichen.

In Havanna wie auch im übrigen Land haben wir gut und günstig gegessen und getrunken. Ein Glas Weisswein (guter Sauvignon Blanc aus Chile) gab es in der Hauptstadt für zwei CUC, der Tagesfisch kostete neun CUC, der Salat zweieinhalb CUC und die TuKola ein CUC. Dafür kostete eine Packung Pringels-ähnlicher Chips in einem der wenigen Supermärkte fast vier CUC – für viele Einheimische unerschwinglich. Auf dem Lande, ausserhalb der touristischen Gebiete, kostet die TuKola etwa 50 Cents. Der Rotwein für 80 Cents das Glas war kein Heuler. Generell ist auf dem Land alles etwas günstiger.

Es hat zwar in Havanna einige Geschäfte, die Auswahl an Waren ist jedoch sehr beschränkt. Dinge des alltäglichen Bedarfs wie Seife und Shampoo sind immer noch Mangelware. Nur den Essig von Kühne gibt‘s offenbar überall (den Kräuteressig gibt’s auch in Costa Rica). Zum Teil sind die Regale einfach leer. Notgedrungen wird mit dem gearbeitet, was da ist. Warum nicht ein selbst gezimmertes Holzgestell als Nagelstudio? Und ob die sieben Tage Garantie auf dem Fahrrad etwas mit der Qualität zu tun haben?
Internetanschluss gibt’s auch nicht überall. Nur an wenigen öffentlichen Plätzen gibt es WIFI gegen Bezahlung. Hierfür kauft man eine Karte, wo die Logindaten drauf stehen Offizieller Preis der Karte mit Anstehen am Schalter ist zwei Dollar für eine Stunde surfen; kauft man die Karte bei einem „fliegenden“ Händler, kostet sie drei Dollar. So kann man mit Touristen, die zum Anstehen zu faul sind, auch Geld verdienen .

Übernachtet haben wir während unserer ganzen Kubareise immer in sogenannten „casas particulares“. Das sind Privatpersonen, welche Zimmer vermieten und bei denen man meist auch essen kann. Sie brauchen eine Lizenz vom Staat. Für diese Lizenz bezahlen sie ca. 250 Dollar pro Monat, unabhängig davon, wieviel Umsatz sie generieren. Wir haben meist 25 Dollar pro Nacht pro Zimmer bezahlt. Die Zimmer waren schlicht, aber immer sehr sauber. Zum Duschen gab’s Warmwasser (die Installation dafür ist manchmal etwas abenteuerlich), beim Waschbecken gab’s oft nur Kaltwasser. Seife/Shampoo war selten vorhanden, das hatten wir selber mitgebracht. Die Matratzen waren manchmal so durchgelegen, dass man die Lättlis spürte ;-).
Das Frühstück kostete um die fünf Dollar, das Abendessen um die zehn Dollar pro Person. Zur Auswahl standen in der Regel Fisch, Languste, Geflügel oder Schwein. Dazu gab’s Reis, Yucca, schwarze Bohnen (ja, alles zusammen) sowie Salat aus Tomaten, Gurken und Kabis. Danach ein kleines Dessert, z.B. Mangocrème mit Käse (sehr speziell).
Familienanschluss gab es manchmal mehr, manchmal weniger. Als wir in Havanna auf dem Balkon sassen und auf der Karte die Lage der Sehenswürdigkeiten studierten, wurde das Grosi mit den Rüschenunterhosen zwischen den Knien auf den Topfstuhl gesetzt und zum Balkon geschoben – wo wir sassen. Familiärer kann’s nicht zugehen…

Am dritten Tag haben wir den Mietwagen geholt und sind von Havanna via Landstrassen nach Viñales gefahren. Ich war erstaunt darüber, in welch verhältnismässig gutem Zustand diese Strassen sind. Man muss wissen, dass es in Kuba nebst den Landstrassen zwar sechsspurige Autobahnen gibt. Ausserhalb von Havanna hat es aber auf der Autobahn wie auch auf der Landstrasse kaum Verkehr. Ab und zu ein Auto, ein Reiter, ein Velofahrer oder ein Sammeltransport. Auf den Landstrassen sind des Öfteren noch Ochsenkarren bzw. Ochsenpflüge zu sehen. Im Verhältnis zu diesen wenigen Verkehrsteilnehmern sind die Strassen m.E. recht gut. Auch das Ampelsystem machte mir einen modernen Eindruck: es zeigt an, wie viele Sekunden die aktuelle Phase (grün oder rot) noch dauert. Hier gibt der Staat viel Geld für den Tourismus aus.
In Kuba sind die Strassen meistens nicht angeschrieben. Ein Navi oder eine entsprechende Karte auf dem Smartphone liefern gute Dienste. Ich hatte leider die App maps.me (sehr empfehlenswerte App) nur auf dem iPad (ohne SIM-Slot) mit der Karte von Kuba bestückt, auf dem Handy hatte ich vergessen, dies zu tun. Mit den langsamen Internetverbindungen in Kuba konnte ich dies auch nicht nachholen. So mussten wir jeweilen auf Grund von Sehenswürdigkeiten herausfinden, wo wir uns befanden. Etwas anstrengender zum Navigieren, aber es hat trotzdem geklappt.

Sowohl auf den Landstrassen wie auch auf den Autobahnen wird viel ‚gestöppelt‘. Wir waren zu viert unterwegs und unser Auto war deshalb voll. Aber wenn ich mitten in der Pampa jemanden ‚stöppeln‘ sah, habe ich mich oft gefragt, wie lange diese Person da schon stehen mag und wie lange sie noch warten muss, bis jemand kommt und sie mitnimmt.
Die Strassenpolizei war auch sehr nett. Von Costa Rica her sind wir es gewohnt, sowohl rechts wie auch links zu überholen. Als Marcel auf der Autobahn ein Auto rechts überholt hat, war prompt die Polizei da. Sie hat uns nach Prüfung der Dokumente freundlich darauf aufmerksam gemacht, dass in Kuba nur links überholt werden darf.

In Viñales haben wir in der „Casa Jesús y María“ gewohnt. Anay, die Betreiberin, ist eine junge, fröhliche, sehr herzliche und motivierte Frau. Das Essen war so reichlich, dass kein Platz mehr auf dem Tisch war. Die casa ist ruhig gelegen und trotzdem ist man in fünf Minuten zu Fuss im Zentrum dieses touristischen Ortes. Es hat auch diverse Ausflugsziele in der Nähe und man kann, wenn man will, sich mit dem schönen Auto hinfahren lassen. Ich kann diese casa wärmstens empfehlen.

In Viñales  haben wir die Indianerhöhlen besucht. Ehrlich, die Tropfsteinhöhlen von Vallorbe in der Schweiz finde ich wesentlich eindrucksvoller. Es ist traurig dies sagen zu müssen, aber generell haben mich die Sehenswürdigkeiten ausserhalb von Havanna nicht so beeindruckt. Meistens dachte ich nur: „na ja“. Bei der sogenannten prähistorischen Mauer (gemalt 1961, von wegen prähistorisch!) sind wir nur vorbeigefahren, den Eintrittspreis haben wir uns gespart. Dafür hat man vom Hotel Jazmine aus eine super Aussicht auf das Tal Viñales und auf die sogenannten Mogotes (Kegelfelsen). Beim Hotel Jazmine werden auch Souvenirs verkauft, u.a. Zigarren. Wenn man keine Ahnung von Zigarren hat und Zigarren kaufen will, sollte man sich vorher schlau machen. Dort gibt es kein Internet. Marcel und ich haben Zigarren gekauft und als wir später im Internet geprüft haben, was wir gekauft haben – na ja: keine handgefertigten Zigarren, sondern industriell gefertigte Zigarren und preislich so teuer wie in der Schweiz, sniff. Wir haben auch eine Tabakplantage besucht (obwohl ich ja als Jugendliche mit dem Ernten von Tabakblättern mein Taschengeld aufgebessert habe; ich weiss also, wie eine Tabakpflanze aussieht, wie geerntet und getrocknet wird).

Die nächste Etappe waren Soroa und Las Terrazas. Der Orchideengarten von Soroa ist ein mittelgrosser, schön angelegter Park mit einem kleinen Orchideen-Gewächshaus. Der Wasserfall (Salto de Soroa) ist ein kleiner Wasserfall von etwa 10 Meter Höhe. Das Besondere an diesem Wasserfall ist, dass der Weg über ca. 280 Stufen geht – die man dann alle wieder hoch muss….

Las Terrazas ist ein Projekt zur Wiederaufforstung eines 5000 Hektar grossen Gebiets und zur Verbesserung der Lebensumstände der dortigen Bevölkerung. Die Anlage sieht von weitem hübsch aus mit seinem See. Läuft man durch den Teil der Anlage, wo die Bevölkerung wohnt, so sieht es ziemlich trostlos aus. Ich musste an eine Feriendorfanlage à la DDR denken. Da helfen auch die vielen Bäume ringsherum nicht.

Wir haben ausserhalb von Las Terrazas in einer casa particular übernachtet. Rund ums Haus hatte es freilaufende Hühner – ein Bild, welches man auf dem Land in Kuba noch oft sieht. Zum Frühstück gab es in Kuba immer Eier. Ich war der festen Überzeugung, dass die Eier, welche wir in den casas serviert bekamen, jeweilen von den herumlaufenden Hühnern stammten. Etwas ernüchtert war ich, als ich den Hausherrn mit zwei Kartons voller Eier aus dem Auto steigen sah. Vermutlich stammten unsere Frühstückseier eher von diesen armen Batteriehühnern ab, die wir unterwegs auch gesehen hatten – die Hühner waren zweistöckig übereinander gepfercht. Ich möchte ja nicht in so einem Käfig eingesperrt sein und schon gar nicht im unteren Stockwerk – ein im wahrsten Sinne des Wortes verschissenes Leben.

Von Las Terrazas aus haben wir einen kleinen Ausflug zu den Stränden in der Nähe von Havanna gemacht. Badeferien möchte ich hier nicht grad machen. Etwas neidisch bin ich auf den Besitzer des Hauses am Meer. In einem Dorf, nahe von Havanna, Wäsche hängt unter den Palmen mit Sicht auf’s Meer – ob er sich dessen bewusst ist, wieviel Wert das mal haben wird?

Dann ging es weiter nach Trinidad, einer kleinen, aber relativ gut erhaltenen Stadt. Wir sind in die Stadt reingefahren und im Stossverkehr in den engen Gassen mit Pflastersteinen stecken geblieben. Ich staune, wie sich die Busse zwischen den Autos durchquetschen. Es dauerte eine Weile, bis wir wieder zur Stadt raus kommen. Am nächsten Tag sind wir mit dem Taxi in die Stadt, um sie zu besichtigen.

Bei Trinidad haben wir einen Ausflug nach Topes de Collantes unternommen, einem Nationalpark und Kurort. Die Natur wäre sehr schön, wäre sie nicht mit fürchterlichen und zum Teil verfallenen Bauten verschandelt. Traurig und trostlos. Das gilt für viele Orte in Kuba: es hat viel Grün, aber dann taucht mitten in der Pampa neben der idyllischen Kuhwiese ein hässlicher, verfallener Plattenbau auf…

Von Trinidad ging’s mit einer Zwischenübernachtung in der Playa Larga (Stichwort: Schweinebucht) zurück nach Havanna und nach Hause. Es wurde eine kurze Nacht, da die Freiluftdisco im Ort bis gut zwei Uhr nachts die Musik aus vollen Rohren dröhnen liess. Und der Besitzer der casa particular, in der wir übernachteten, hatte das Gefühl, auf seiner Terrasse bis Mitternacht eine andere Musik spielen zu müssen…

Würde ich die Reise nochmals planen, ich würde sie vermutlich auf eine Woche kürzen: die Hälfte für Havanna, die andere Hälfte für eine kurze Reise über Land.

Ach ja, fast hätt ich’s vergessen: ein Souvenir hab ich natürlich auch gefunden . Ist er nicht schön, mein Fisch aus Pappmaché?

Fisch aus Pappmaché als Souvenir

Fisch aus Pappmaché als Souvenir