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Rund um’s Auto

In diesem Artikel habe ich schon erwähnt, dass es zum Kauf eines Autos eines Anwaltes bedarf. Und hier habe ich über meine Erfahrungen beim Verkauf eines Autos berichtet. Als Autohalter bzw. Autofahrer gibt es aber noch einiges, was man in Costa Rica wissen sollte.

Die Marchamo
Die Marchamo (Betriebsbewilligung) beinhaltet u.a. das Recht zur Verkehrsteilname des Farhrzeuges und eine minimale Personen-Haftpflichtversicherung.beim Instituto Nacional de Seguros (INS). Die Marchamo ist jährlich im November/Dezember für das Folgejahr zu bezahlen. Der Betrag hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hauptfaktor ist der Verkehrswert des Fahrzeuges und die damit verbundene Steuer. Beides kann unter Angabe der Nummer des Kontrollschildes hier beim Ministerio de Hacienda abgefragt werden. Wie die Steuer berechnet wird, siehe hier. Für unseren Nissan X-Trail Jg. 2014 haben wir für 2017 für die Marchamo den Betrag von 389‘344 Colones (ca 730 USD) bezahlt. Die Zahlung erledige ich einfach im eBanking unter Angabe der Nummer des Kontrollschildes – bei der Banco Nacional erscheint im eBanking gegen Ende Jahr eine Zahlungsrubrik ‚Marchamo‘. Da kann ich auch angeben, wo ich das Dokument mit dem Kleber abholen will. Der Kleber muss gut sichtbar auf der Windschutzscheibe angebracht und das Dokument im Auto mitgeführt werden. Auf der Webseite http://marchamo.ins-cr.com/Marchamo/Marchamo/frmConsultaMarchamo.aspx kann geprüft werden, ob die Marchamo bereits bezahlt worden ist. Auf der Seite ist auch angegeben, wo die Marchamo bezahlt werden kann (nebst dem eBanking kann dies in vielen Geschäften erfolgen).

RITEVE (RTV: Revisión técnica vehicular)
Die RTV ist vergleichbar mit der Prüfung des Fahrzeuges durch das Strassenverkehrsamt (oder der TÜV in Deutschland). Fahrzeuge, welche nicht älter als fünf Jahre alt sind, müssen alle zwei Jahre geprüft werden. Ältere Fahrzeuge werden jährlich geprüft. Für öffentliche Verkehrsmittel, Lastwagen und Transportwagen mit Gefahrengütern gelten andere Regeln. Geprüft werden die Mechanik, die Elektronik, die Elektrik, die Emissionen sowie die aktiven und passiven Sicherheitsdispositive des Fahrzeuges gemäss dem Gesetz ‚Ley de tránsito por vías públicas terrestres y seguridad vial‘. Das Ergebnis der Prüfung wird in einem Dokument ‚Tarjeta de revisión tecnica‘ festgehalten, inklusiv der festgestellten Mängel mit ihrem Schweregrad. Dieses Dokument ist im Fahrzeug mitzuführen. Wird die Prüfung bestanden, gibt es einen Aufkleber für die Windschutzscheibe der anzeigt, bis wann das Auto geprüft ist. Sonst muss das Fahrzeug erneut vorgeführt werden.
Der Zeitpunkt der Prüfung ergibt sich aus der letzten Ziffer des Kontrollschildes. Endziffer 1 bedeutet Prüfung im Januar, Endziffer 0 macht die Prüfung im Oktober. Unser Kennzeichen endet mit 7, deshalb war unser Auto dieses Jahr im Juli fällig. Hier kann unter Angabe der Nummer des Kontrollschildes überprüft werden, wann die nächste Inspektion fällig ist.
Das Auto kann an 13 verschiedenen Standorten vorgeführt werden. Auf der Webseite der RITEVE hiess es früher explizit ‚nach telefonischer Voranmeldung‘, heute steht es nicht mehr so explizit. Viele Leute sind einfach so hingegangen und die vereinbarten Termine wurden nicht eingehalten . Marcel und ich haben es uns einfach gemacht. Wir haben das Fahrzeug am Freitagmittag an Sabrina Automotriz in Atenas übergeben und am Samstag früh am Morgen konnten wir es geprüft abholen . Kosten 11‘000 Colones (ca. 20 USD) gemäss offiziellem Tarif für die Prüfung und 10‘000 Colones für den Zeitaufwand für die Vorführung des Autos. Ich glaube, ein Garagist hat es leichter, ein Fahrzeug durch die Prüfung zu bringen. Die 20 USD sind es mir allemal wert und Zeit spare ich auch.
Auf den Strassen von Costa Rica sieht man immer noch sehr viele alte Fahrzeuge, welche dicken, schwarzen Rauch rauslassen und optisch oft in einem miserablen Zustand sind. Wie es diese Fahrzeuge durch die Prüfung schaffen, ist mir weiterhin ein Rätsel…

Die Ausrüstung des Autos
Nebst den Sicherheitspositiven, welche im Rahmen der RTV geprüft werden, müssen im Fahrzeug mindestens ein Feuerlöscher, zwei Pannendreiecke, eine Leuchtweste und ein Ersatzrad inkl. Werkzeug zum Radwechsel vorhanden sein. Bei keinem der von uns gekauften Occasion-Fahrzeuge waren Feuerlöscher, Pannendreiecke und Leuchtwesten drin, dies mussten wir selber kaufen. Sonst riskiert man eine Busse von 22‘000 Colones (knapp 40 USD).

Fahrausweis / Fahrlizenz
Ein gültiger ausländischer Führerausweis ist auch in Costa Rica während drei Monaten nach der letzten Einreise gültig. Da wir immer wieder gereist sind – und somit nie länger als drei Monate ununterbrochen im Lande waren – hat es bei uns fast ein Jahr gedauert, bis wir endlich den Fahrausweis von Costa Rica beantragen konnten. Diese Regel ist auch der Grund, wieso bei Kontrollen nicht nur der ausländische Fahrausweis, sondern auch der Pass gezeigt werden muss. Man muss nachweisen, dass die letzte Einreise noch keine drei Monate her ist und der ausländische Führerausweis in Costa Rica somit noch gültig ist.
Um den Fahrausweis von Costa Rica zu bekommen, muss man nach La Uruca ins COSEVI (Consejo de seguridad vial). (Update 26.08.2017: Gemäss Zeitungsinfo in La Nación vom 15. August 2017 kann die Homologation von Fahrlizenzen jeden Dienstag und Mittwoch von 7 bis 11h morgens in allen 13 Filialen erfolgen). Selber fahren darf man eigentlich nicht. Denn der Antrag kann genau drei Monate plus einen Tag nach der letzten Einreise gemacht werden. Keinen Tag vorher!!! Der ausländische Fahrausweis ist aber nur drei Monate lang gültig. Hmmmm….Und drei Monate sind drei Monate und nicht 90 Tage. Den Fehler der 90 Tage hatte ich gemacht. Wir waren am 20. März 2016 von unserer Kubareise zurück nach Costa Rica gekommen. Am 20. Juni (also am 92. Tag) sind wir frohen Mutes nach La Uruca, gut vorbereitet mit allen notwendigen Dokumenten*. Zuerst wartet man im Erdgeschoss. Dann wird man grüppchenweise aufgefordert, in den ersten Stock zu gehen und wartet wieder, bis man an der Reihe ist (System „Sessel rücken“). Dann geht man in ein kleines Büro und gibt die Dokumente ab. In diesem Büro wurden wir dann ‚herausspediert‘, weil erst drei Monate seit der letzten Einreise vergangen waren! Es müssen drei Monate und einen Tag sein! In unserem Fall also frühestens am 21. Juni. Grrrrrrr . Die Dame war immerhin so nett, uns einen Zettel mitzugeben, damit wir am nächsten Tag direkt in den ersten Stock durften und nicht wieder im Erdgeschoss anstehen mussten. So haben wir am nächsten Tag wieder den mehr als einstündigen Weg im Morgenverkehr auf uns genommen – der Schalter schliesst am Mittag. Im Büro beantwortet man ein paar Fragen, u.a. ob man Organspender sein will oder nicht. Dann mussten wir mit einem Zettel auf die Bank und eine Gebühr bezahlen. Mit der Quittung ging‘s dann wieder zurück, wieder anstehen im ersten Stock. Dann wurde in einem anderen Büro ein Foto gemacht und kurze Zeit später kamen wir mit unserem Fahrausweis von Costa Rica raus. Der Ausweis ist drei Jahre gültig, dann müssen wir ihn erneuern lassen.

*Bei uns: Cédula, Fahrausweis inkl. zwei Kopien von vorne und hinten; Pass mit zwei Kopien der Seite mit Foto/Namen sowie Seite mit letztem Einreisestempel. „Arztzeugnis“ bestehend aus einer Nummer, da der Arzt das Ergebnis der Routineuntersuchung direkt im System der COSEVI eingibt. Vermerkt wird im Fahrausweis auch, ob man Organspender sein will oder nicht.

Der Verkehr
In Costa Rica gilt im Strassenverkehr „das Recht des Frecheren“. Der Tico ist ein höflicher, zuvorkommender Mensch, im Strassenverkehr scheint er diese Eigenschaften aber zu vergessen. Aus einer Kreuzung ohne Verkehrsregelung (Ampel, Polizist) kommt man nur raus, wenn man frech genug ist und ‚reinfährt‘. Will man darauf warten, dass einer so höflich ist und einen reinlässt, kann man unter Umständen sehr lange warten. Hilfreich ist es auch, die Scheibe runter zu lassen und die Hand rauszuhalten . Gut, wenn man einen Kopiloten hat (hahaha). Die Augen muss man überall haben. Nicht nur wegen der Schlaglöcher, nein. Überholt wird von links und von rechts. Obwohl langsamere Fahrzeuge eigentlich die rechte Spur benutzen sollten (gemäss Gesetz und zum Teil steht es auch auf Strassentafeln entlang der Strasse), sind sie sehr oft auf der linken Spur. Kein Vergleich zur Schweiz, wo man sich ärgert, weil ein Lastwagen einen andern überholt. Hier wird die linke Spur nicht ‚nur‘ zum Überholen benutzt, sie wird ‚einfach so‘ benutzt. Am schlimmsten sind die Motorradfahrer. Die zwängen sich von rechts und von links durch den Verkehr und manchmal sind sie so nahe an den Autos, dass man die Luft anhalten muss. Vielleicht auch ein Grund, wieso es in Costa Rica so viele beinamputierte Menschen gibt? Jedenfalls habe ich glaube ich in meinem ganzen Leben nicht so viele gesehen wie hier in den letzten zwei Jahren (unsere Hausärztin meinte zwar, dass hier vielleicht auch schneller amputiert wird). Update 26.August 2017: Gemäss einem Bericht in der Zeitung La Nación vom 6. August 2017 hat Costa Rica pro 100’000 Einwohner 13.9 Verkehrstote. Zum Vergleich: die Schweiz hat 3,3 Verkehrstote. Die Motorradfahrer führen die Liste der Verkehrstoten an. Hauptgründe sind zu schnelles und unvorsichtiges Fahren. Reissverschlussprinzip kennt man auch nicht, dieses Video stellt das sehr gut dar J. Und wenn dann Stau ist, kommen noch die ‚fliegenden‘ Händler dazu und verkaufen Nüssli, getrocknete Früchte, Getränke, Fussballshirts und andere nützliche und weniger nützliche Sachen.

Bussen
In Costa Rica sind die Bussen mehr als happig, huiuiuiuiui! Im Gesetz werden in den Artikeln 143 bis 147 fünf verschiedene Bussenkategorien (A bis E) unterschieden. Die Busse beträgt 2017 je nach Kategorie zwischen 22‘000 Colones (knapp 40 USD) und 307‘000 Colones (knapp 550 USD). Alkohol, gefährliche Manöver und mehr als 120km/h fahren zählen zu den teuersten Vergehen. Kinder unter 12 Jahren und kleiner als 1.45Meter ohne Kindersitz sowie Rotlicht überfahren kosten 207‘000 Colones (ca. 360 USD), kein Sicherheitsgurt 107‘000 Colones (ca. 190 USD), Falschparkieren 51‘000 Colones (ca. 90 USD) und Fahrausweis nicht auf sich haben 22‘000 Colones. Je nach Vergehen wird noch die Placa (das Kontrollschild) eingezogen. Diese wieder zu bekommen bedeutet viel Aufwand.
Es gibt nicht übermässig viele Kontrollen. Und wenn man in spanischer Sprache höflich darum bittet, gibt es unter Umständen günstigere Bussen, d.h. es wird dann ein Vergehen notiert, welches eine günstigere Busse zur Folge hat. Haben wir persönlich erlebt. Wohlgemerkt: mit ‚höflich‘ meine ich nicht Bestechung!
Seit dem 17. Juli ist eine Reform des Verkehrsgesetzes in Kraft. Unter anderem wird das Parkieren an einer Strassenecke, vor einer Garage, bei einem Hydranten, am Strassenrand neben dem Trottoir usw. mit 51‘000 Colones bestraft und die Placa ist auch weg. Am 22. Juli habe ich in der Zeitung La Nación gelesen, dass die Polizei jetzt sehr drauf ist, die Reform umzusetzen. Sprich in San José haben sie an einem Tag auf der avenida segunda auf einer Strecke von 500m 23 Placas wegen falsch Parkierens genommen. Ich habe noch zu Marcel gesagt, dass die jetzt ‚richtig scharf‘ sind.
Und was passiert uns am 24. Juli? Richtig, beim Lindora Medical Center haben wir am Strassenrand parkiert und sind zum Arzt gegangen. Plötzlich kommt die Assistentin und fragt uns, ob wir unser Auto draussen am Strassenrand parkiert hätten. Haben wir. Marcel ist rausgerannt. Die Busse von 51‘000 Colones konnte er zwar nicht verhindern. Aber nach intensivem Bitten haben sie ihm wenigstens die Placa wieder ans Auto angeschraubt…
Als ich dann diesen Artikel in der Zeitung gelesen habe, habe ich mir nur gedacht: es hätte nicht viel gefehlt und es wären nicht 113, sondern 114 Placas gewesen 😉
Update 26.08.2017: Wir haben wirklich Glück gehabt. Das mit dem Entfernen der Kontrollschilder nimmt kein Ende. In der Zeitung La Nación vom 8. August 2017 stand, dass zwischen dem 17. Juli und dem 03. August in ganz Costa Rica insgesamt 3276 Schilder entfernt wurden. Und das COSEVI hinkt hinterher! Einem Täxeler wurde am 29. Juli vormittags das Kontrollschild genommen, am 3. August war das Vergehen immer noch nicht im System registriert und somit sein Kontrollschild nicht auffindbar. Somit kein Einkommen mehr! Am 19. August war in der gleichen Zeitung zu lesen, dass Chauffeure Schlange stehen (zum Teil bis zur Banco Nacional), um ihr Kontrollschild zurück zu bekommen. Pro Tag würden nur 200 Tickets bearbeitet.Viele kommen von weiter her, sind bereits um 6h morgens beim COSEVI und können trotzdem nicht rein, weil die 200 Tickets schon weg sind. 
Bussen werden hier nicht direkt bezahlt. Man bekommt einen Bussenzettel mit einer Nummer. Man bezahlt sie entweder elektronisch im eBanking oder auf der Bank am Schalter. Wenn man innerhalb von 10 Tagen bezahlt, bekommt man noch Rabatt (ausser bei den Bussen der Kategorie A). Oft kann man die Busse gar nicht innerhalb von 10 Tagen bezahlen, da sie noch nicht im System erfasst ist. Und solange sie nicht erfasst ist, ist keine Zahlung möglich. Ich habe schon mal drei Wochen warten müssen. Den Rabatt habe ich trotzdem erhalten. Die 10 Tage gelten wohl ab Erfassungsdatum im System, nicht nach Erhalt der Busse. Damit man nicht dauernd an den Bankschalter springen oder im eBanking nachsehen muss, ob die Busse nun endlich im System ist und man sie bezahlen kann, kann man dies auch einfach hier nachschauen. Da nicht nur über die Bussennummer, sondern u.a. auch über die Placa gesucht werden kann, kann man auch schauen, ob der Nachbar Bussen hatte und falls ja, in welcher Höhe, ob er sie bezahlt (cancelada) oder bestritten (impugnado) hat und ob er bei der Bestreitung Erfolg hatte (absuelta) oder nicht (condenada) . Beim Datenschutz ist man hier noch nicht so weit. Man sehe sich mal dieses Beispiel von einem Bussensammler an. Nein, es ist nicht unser Fahrzeug, ich habe einfach eine Kontrollschild-Nummer nach Belieben eingegeben, da bei unserem jetzigen Kontrollschild der Inhalt noch leer ist (das Kontrollschild gehört in Costa Rica zum Auto, nicht zum Halter).

Kommentare (2)

  1. Elisabeth

    Wow dass ihr euch so viel Mühe macht und liest sich alles sehr spannend. Liebe Grüsse vom Grünen Hügel

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    1. Karin (Beitrag Autor)

      Danke Elisabeth, es macht ja auch Spass 😉 Gruss from downtown Atenas

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