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Schlagwort Archiv: Krankenkasse

Leiden mit den Versicherungen

Update 20. Mai 2017:
Am 1. Mai habe ich nachgefragt, ob wir das Auto nun abholen können. Die Antwort lautete, dass das Auto entweder am Donnerstag, den 4. Mai oder am Freitag, den 5. Mai bereit sei. Am Donnerstag hiess es dann das Auto sei eventuell am Freitag, sonst am Montag, den 8. Mai bereit.
Hey, und am Montagnachmittag – nach fast 6 Wochen –  konnten Freunde von uns das Auto tatsächlich abholen. Juhui!!! Und es sei gut repariert, man sehe überhaupt nichts (Marcel und ich sind zur Zeit auf Reisen, so dass wir es selber noch nicht gesehen haben). Nach etwas mehr als 4 Monaten hat die Geschichte endlich ein Ende. Ich kann mich fast nicht erholen .

Update 29. März 2017:
Sämtliche Ersatzteile sind eingetroffen und heute konnten wir das Auto endlich zum Carrosseriespengler bringen. ABER: die Reparatur wird etwa 4 Wochen in Anspruch nehmen! Dass gewisse Dinge hier länger brauchen, daran haben wir uns ja gewöhnt. Aber das hier ist schon ein starkes Stück…

Update 23.März 2017:
Am Donnerstag, den 2. März habe ich nochmals bei der Haftpflichtversicherung des Hotels angerufen um zu wissen, wie der Stand ist. Die gute Dame am Telefon hat mir gesagt, dass sie sich erkundigen müsse, sie würde mich zurückrufen. Ich habe nachgefragt, bis wann ich denn mit dem Rückruf rechnen könne. Antwort: entweder noch am Nachmittag oder sonst am Freitag. Darauf hin habe ich beim Hotel angerufen um zu wissen, ob sie dort allenfalls mehr wüssten. Ich bekam zur Auskunft, dass  sie die Woche vorher mit ihrem Versicherungsagenten gesprochen hätten, sie würden nochmals mit ihm Rücksprache nehmen und mich zurückrufen. Auch hier habe ich nachgefragt, bis wann ich mit dem Rückruf rechnen könne. Antwort: entweder noch am Nachmittag oder sonst am Freitag. Schon komisch, dass ich von beiden Seiten die gleiche Antwort erhalten habe – als ob sie sich abgesprochen hätten, hmmmm.
Bezüglich Rückruf haben sie sich offenbar auch abgesprochen: heute, genau drei Wochen später, habe ich immer noch keinen Rückruf erhalten . Ehrlich gesagt: ich hatte es nicht anders erwartet. Wir haben unserer Autoversicherung schon informiert, dass wir das Auto über sie reparieren wollen. Dann bezahlen wir halt den Selbstbehalt. Nun das nächste Pech: die Ersatzteile sind am 22. Februar bestellt worden und auch alle eingetroffen – bis auf zwei Stück! Es ist zum Heulen   

16. Februar 2017:
Ich habe mich mit dem Thema „Versicherung“ noch nie so beschäftigt wie jetzt wo wir nicht mehr in der Schweiz leben. Schweizer sind gemäss „About Swiss“ Weltmeister in Sachen Versicherungen  <<…da die Schweizer als bestversichertes Volk der Welt zählen.>>. Es ist ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass falls etwas wäre, die Versicherung einspringt.

In Costa Rica sind mit gewissen Lebensumständen automatisch staatliche Versicherungen verknüpft. Wer die Aufenthaltsgenehmigung hat, muss sich bei der Krankenkasse Caja Costarricense de Seguro Social (CCSS) versichern. Man ist zwar „Asegurado voluntario“, aber es ist ein „Muss“ J. Mit der „jährlichen Betriebsbewilligung“ (Marchamo) für das Auto bezahlt man auch eine Personen-Haftpflicht beim Instituto Nacional de Seguros (INS).

Bei beiden Versicherungen ist die Deckung in meinen Augen sehr mager. Wer mit der CCSS versichert ist, wartet unter Umständen monatelang auf einen Arzt- bzw. Untersuchungstermin. Das Gesundheitssystem von Costa Rica ist zwar gut [1]. Nur ist das staatliche Angebot verknappt. Zum Teil werden gar keine Termine mehr gegeben. Der Patient bekommt eine Telefonnummer, wo er sich ein paar Monate später erkundigen kann, ob es wieder freie Termine hat, siehe den entsprechenden Artikel vom 6. Februar 2017 in der Zeitung „La Nación“. Bezüglich dem Wert der Haftpflichtversicherung für das Auto siehe den Blogbeitrag „Der Start“.

Wir haben deshalb Zusatzversicherungen abgeschlossen. Mit unserer privaten Krankenversicherung bekommen wir einen Arzttermin innert Wochenfrist. Allerdings stimmt es mich schon sehr nachdenklich, wenn meine Putzfrau 6 Monate auf einen Arzttermin warten muss, den ich für mich innerhalb von 3 Tagen bekomme. Und die Deckungshöhe unserer Zusatzversicherung für’s Auto bei Personenschaden ist mehrere 100 mal höher als das staatliche Minimum.

Als ich den Anwalt, der uns beim Beantragen der Aufenthaltsgenehmigung unterstützt hat, wegen einer Privat-Haftpflichtversicherung um Rat gebeten habe, hat er nur gelacht. Das gäbe es hier so nicht. Er wisse, dass wir das in Europa hätten (er ist zum Teil in Deutschland aufgewachsen), aber ein Menschenleben sei in Costa Rica nicht viel Wert. Drum gäbe es hier auch keine solchen Versicherungen für Privatpersonen. Marcel und ich sind ja nicht nur in Costa Rica unterwegs. Was ist, wenn ich nächsten Januar beim Langlaufen im Tannheimertal jemanden verletze? Ich habe deshalb noch unseren Versicherungsagenten angefragt. Der hat mir die Aussage vom Anwalt bestätigt. Internationale „Nur“-Haftpflichtversicherungen, welche Personen beliebiger Nationalität versichern, scheint es gemäss meinen Recherchen nicht zu geben. Es gibt Reiseversicherungen mit integrierter Haftpflicht – dann bezahlen wir für einen Teil, den wir nicht brauchen (wir brauchen keine Reisekrankenkasse und keine Annulationskostenversicherung). Oder man hat eine internationale Krankenkasse, welche als zusätzlichen Baustein eine Haftpflichtversicherung anbietet (z.B. April International oder MSH International). Für Schweizer scheint Soliswiss ein Angebot zu haben – allerdings mit Einschränkungen (keine Deckung im Heimatland, Rückkehrabsicht, „Altersguillotine“).

Wie gut die staatlichen Versicherungen funktionieren, dürfen wir momentan aus erster Hand miterleben. Anfangs Januar sind wir nach Parrita ins Hotel Clandestino Beach Resort gefahren, um ein paar Tage am Meer zu verbringen. Ich hatte es mir gerade am Pool gemütlich gemacht, da kommt Marcel und sagt mir, dass ein Baum auf unser Auto gefallen sei. Ich habe nur gelacht und ihm gesagt, er solle sich was Besseres einfallen lassen – schliesslich war es absolut windstill. Marcel hat insistiert und gesagt, ich solle jetzt zum Parkplatz kommen und es mir selber anschauen. Tja, da lag nun unser schönes Auto, mit einem Baumstamm seitlich eingerammt und kaputter Scheibe. Ich konnte es fast nicht fassen, wir waren erst 1.5 Stunden vorher angekommen.

Das Hotel hat uns eine Flasche Champagner gespendet und eine Schadensmeldung an seine Haftpflichtversicherung – das INS – gemacht. Da ich nicht wusste, ob ich in so einem Fall auch etwas tun muss, habe ich unseren Versicherungsagenten angerufen. Der hat mir gesagt, ich solle auf jeden Fall meine Versicherung informieren. Falls die Haftpflicht des Hotels zahlen würde, sei das gut, aber so hätte ich in jedem Fall eine Schadensdeckung. Ich fand die Aussage etwas komisch, für mich war klar, dass das ein Haftpflichtfall war. Ich habe es so ausgelegt, dass meine Versicherung auf jeden Fall zahlt, aber auf die Haftpflichtversicherung Rückgriff nimmt. Also habe ich bei der Qualitas eine Schadensmeldung gemacht. Zwei Stunden später ist ein Sachverständiger von Qualitas gekommen und hat einen Report erstellt. Mit diesem Report durften Marcel und ich dann zum Carrosseriespengler, damit der eine Schätzung des Schadens macht. Wir sind zu Larosch gegangen, da er von Nissan empfohlen wird und auch mit Qualitas zusammenarbeitet – nicht jeder Carrosseriespengler arbeitet mit jeder Versicherung zusammen – oder umgekehrt ;-). Wir mussten für die Schadensschätzung das Auto 2 Tage lang dort lassen. 10 Tage später bekommen wir von Larosch ein Mail mit der Information, dass unsere Versicherung geantwortet hätte und für die Arbeit eine Kostengutsprache von ¢887.972,08 (ca. 1700 USD) gemacht habe. Die Ersatzteile beschafft die Versicherung und liefert sie dem Carrosseriespengler. Wir müssten nur den Selbstbehalt von ¢240.000 (ca. 480 USD) direkt an den ihn, den Carrosseriespengler bezahlen. NB: Das ist in Costa Rica so üblich; der Kunde bezahlt dem Leistungserbringer den mit dem Versicherer vereinbarten Selbstbehalt und die Versicherung bezahlt dann dem Leistungserbringer den Rest. Ist auch im Spital so. Wenn das für uns okay wäre, würden sie mit der Versicherung die Reparatur des Autos koordinieren und uns melden, wann wir das Auto bringen können. Mit unserer privaten Zusatzversicherung wäre das also schon mal zackig gegangen.

Wir sahen nur nicht ein, warum wir fast 500 USD bezahlen sollten, schliesslich war der Schaden auf dem Hotelparkplatz durch einen dem Hotel gehörenden Baum verursacht worden. Also habe ich unsere Versicherung angerufen und ihnen gesagt, dass sie doch auf die Haftpflichtversicherung des Hoteliers zurückgreifen sollten. Der Mitarbeiter hat mich dann freundlich aufgeklärt, dass ich entweder die Reparatur über meine Versicherung machen könne, dann aber den Selbstbehalt bezahlen müsse, oder ich könne sie über die Haftpflichtversicherung des Hoteliers machen, dann sei meine Versicherung dafür aber nicht zuständig. Daraufhin habe ich Larosch angerufen und ihn gebeten, die Kostenschätzung an das INS zu schicken – die Schadensfallnummer hatte ich ja vom Hotelier erhalten. Larosch hat mich dann aufgeklärt, dass dies nicht ginge. Der Report, den ich ihm gegeben hätte, sei von der Qualitas gewesen. Wenn er die Schätzung an das INS zustellen müsse, brauche er ein offizielles Dokument vom INS welches ihn berechtige, die Kostenschätzung für das INS zu machen. Also habe ich im Hotel angerufen und gebeten, man möge mir den Report vom INS zustellen. Dort hat man mir gesagt, ich hätte ja ein Dokument erhalten. Gemäss Larosch war dieses Dokument aber nur die Eröffnung des Schadensfalles und nicht das, was er brauche. Nach Rücksprache mit seiner Versicherung hat mir der Hotelier gesagt, ich müsse dem INS einen Brief schreiben. Hilfeeeeeeeeeeeeeee! Inzwischen zeigte der Kalender schon den 31. Januar an!

Also habe ich unseren Versicherungsagenten erneut angerufen und um Hilfe gebeten. Ich hatte wirklich keine Ahnung, was ich der Haftpflichtversicherung des Hoteliers schreiben sollte. Unser Agent hat es noch mit seinen Mitarbeitern angeschaut. Seine Antwort: wenn wir das über die Haftpflichtversicherung des Hoteliers laufen lassen wollten, könnte dies noch lange dauern. Er würde uns empfehlen, es über unsere Versicherung laufen zu lassen und mit dem Hotelier zu schauen, dass er uns den Selbstbehalt zurückerstattet.

Ich habe also dem Hotelier geschrieben, dass wir nun schon fast einen Monat lang mit verbeultem Auto ohne hinteres Fenster herumfahren, wir schon viel Zeit investiert hätten für Telefonate, Mails und Fahrten zum Carrosseriespengler sowie 210 USD für ein Mietauto aufgewendet hätten. Und bei seiner Versicherung ein Ende noch lange nicht in Sicht sei. Wir haben ihm vorgeschlagen, dass wir das Auto über unsere Versicherung reparieren, wenn er uns unsere Kosten zurückerstattet. Wir würden dies auch in Form von Hotelgutscheinen annehmen (was den Hotelier ja wesentlich weniger kostet; zusätzlich bringt es ihm Gäste für’s Nachtessen in sein Restaurant).

Das Ergebnis war, dass mir das Hotel einen Briefentwurf für das INS zugestellt hat. In dem stand mehr oder weniger das Gleiche wie im Schreiben, welches das Hotel für die Schadensmeldung an das INS verwendet hat. Wir sollten den Brief unterschreiben und ihnen zurückschicken. Wir haben dies am 6. Februar getan. Gleichzeitig sind wir noch nach Alajuela in die Filiale des INS gefahren. Wir hofften, das Geschäft dort beschleunigen zu können. Zuerst hiess es wie üblich in Costa Rica anstehen – 45 Minuten. Nach diversen Abklärungen wollte die Dame hinter dem Schalter aber nur den Brief, den wir am Morgen abgeschickt hatten. Wir würden dann ein Mail erhalten mit der Info, wo wir das offizielle Dokument abholen könnten, welches der Carrosseriespengler braucht. Wie lange es dauern würde, bis wir das Mail erhalten würden, konnte man uns dort nicht sagen. 4.5 Wochen nachdem der Baum auf unser Auto gefallen ist, waren wir also noch nicht weiter.

Heute, am 15. Februar sind es nun 6 Wochen her, dass der Baum auf unser Auto gefallen ist. Vom INS habe ich nichts mehr gehört, also habe ich heute dort angerufen. Unseren Brief hätten sie erhalten, aber sie würden noch auf einen Brief vom Hotel warten. Ich glaub’s einfach nicht! Warum kann hier keiner von Beginn weg sagen, wer was wann machen muss? Ich habe sofort im Hotel angerufen um zu fragen, ob sie davon wüssten und wie es denn um diesen Brief stehe. Sie haben mir gesagt, dass sie den Brief gemacht hätten und ihn heute oder morgen der Versicherung übergeben würden. Dann wurde ich noch auf die langwierigen Prozesse mit den Versicherungen verwiesen, man täte, was man könne. Nun ja, als geschädigter Kunde habe ich nach 6 Wochen andere Erwartungen. Die Flasche Champagner ist keine Entschädigung für das, was wir durchmachen müssen. Und wenn Marcel und ich uns nicht immer wieder beim Hotel und dessen Versicherer erkundigen würden, ginge vermutlich überhaupt nichts. Unser Versicherungsagent hat uns heute nochmals empfohlen, es über unsere eigene Versicherung zu nehmen. Ich werde weiter berichten.

[1] http://www.who.int/healthsystems/topics/financing/healthreport/CostaRicaNo11.pdf: <<…into one of the most effectively universalized healthcare systems in Latin America, both financially and geographically, and making it reach infant mortality and life expectancy indicators comparable to those of European developed countries.>>